Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 19. September 2019

Wunschdenken Stadtbahn

18. September: Hamburgs Grüne planen jetzt doch eine neue Stadtbahn

Es ist lange her, aber ich erinnere mich noch an den ersten Oktober 1978 als über Nacht die Straßenbahn in Hamburg ausgemustert wurde. Eine neue Ära begann. Das gesamte Schienennetz der Straßenbahn wurde aus dem Kopfsteinpflaster entfernt und durch neue flexible Busspuren ersetzt. Das öffentliche Liniennetz wurde komplett umgestaltet und modernisiert. Neue Buslinien wurden geschaffen und das U- und S-Bahn-Netz ausgebaut. Damals war die Fahrt mit der alten Tram durch die Innenstadt an der Alster vorbei ein Erlebnis. Nach über 40 Jahren, glaube ich nicht an eine Rückkehr dieser Trassen. Auch wenn Bündnis 90/Die Grünen im 21. Jahrhundert wieder eine Stadtbahn für Hamburg planen, bleibt dies wohl Wunschdenken.

Rita Humpke, Hamburg

Radverkehr mitdenken

17. September: Zahl der Unfälle auf Hamburgs neuen Fahrradstreifen steigt. CDU kritisiert rot-grünes Konzept des Fahrens auf der Straße. ADFC fordert für Radler mehr Platz

Es ist schlimm, dass die Zahl der Unfälle auf Hamburgs neuen Radstreifen steigt. Solange Autofahrer zu schnell fahren, beim Abbiegen zu selten auf Radfahrer achten, immer noch dreist auf Radwegen parken, Radfahrer ständig zu dicht überholen und die Autotür ohne Blick nach hinten öffnen, liegt eine wesentliche Ursache des Problems auf der Hand: Radfahrer sind nicht selbstverständlich im Bewusstsein der Autofahrer. Solch eine Bewusstseinsbildung vollzieht sich nur langsam, und eine Änderung braucht länger als der Bau von Radwegen. Deshalb ist es falsch, aufgrund irgendwelcher prozentualen Anstiege gleich der Radverkehrsführung auf der Fahrbahn die Schuld zu geben und für abgetrennte Radstreifen zu plädieren. Richtiger wäre, Radverkehr selbstverständlich mitdenken zu lernen. Die Aktionsaufkleber sind ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Barbara Siebenkotten, Hamburg-Wilhelmsburg

Fahrradprüfung gestrichen

Wenn jeder sich an die Regeln hält und Rücksicht übt, ist allen geholfen. Traurig nur, wenn man Schülern an der Grundschule am Heidberg die Möglichkeit nimmt, diese Regeln von Polizeiverkehrslehrern beigebracht zu bekommen. Hier soll nun der „Fahrradführerschein“ gestrichen werden, traurig für die „Fahrradstadt“ Hamburg!

Wolfgang Greve

Fahrrad fahren im Smog

Ob sicherer oder nicht, jeder, der mit seinem Rad die grüne Alternative zum Auto wählt, atmet zur Belohnung literweise den Smog der motorisierten Verkehrsteilnehmer ein. Das ist an den Hauptstraßen ganz großes Kino!

Karsten Beeck

Unfug zurückbauen

Die Stadt plant gefährliche Fahrradstreifen und führt diesen Bockmist auch noch aus. Es ist an vielen Stellen einem Autofahrer nicht möglich, den erforderlichen Seitenabstand von mindestens einem Meter einzuhalten. Und jetzt ist das Geschrei groß, weil die Benutzer dieser brandgefährlichen Fahrradstreifen Schaden nehmen. Man sollte diesen Unfug zurückbauen. Besser etwas Geld zum Fenster rausgeworfen als noch mehr Unfälle.

Hans J. Koch, Hamburg

Wichtiger Wirtschaftszweig

16. September: Hamburgs größte Parade. Rund eine halbe Million Zuschauer erlebte bei den Cruise Days ein maritimes Festival

In der Debatte um die mangelnde Umweltverträglichkeit von Kreuzfahrtschiffen fehlt mir im Hamburger Abendblatt eine ausgewogene Berichterstattung, die nicht nur die Sensationslust und den Klimafrust der Leser bedient, sondern dieses Thema von allen Seiten in den Blick nimmt. Zugegeben sind die weltweit existierenden ca. 300 Kreuzfahrtschiffe noch überwiegend mit herkömmlichen klimaschädlichen Antrieben unterwegs. Dies gilt aber auch für die ca. 90.000 Handelsschiffe. Angesichts dieser Menge entfallen daher ca. 98 Prozent der Hafenemissionen auf den Frachtverkehr, nur ca. zwei Prozent auf Kreuzfahrtschiffe. Angeprangert werden aber nur die Kreuzfahrtschiffe. Die Kreuzschifffahrt ist ein eigener großer Wirtschaftszweig, an dem viele verdienen. Der Lohn der Servicekräfte an Bord mag für deutsche Verhältnisse ein Hungerlohn sein. Für viele ist es jedoch tatsächlich ein Vielfaches dessen, was sie in ihren Herkunftsländern verdienen würden. Sie ernähren damit zumeist eine große Familie. Auch die Handelsschifffahrt ist ein großer Wirtschaftszweig. Doch nicht alle Fahrten sind nach heutigen Erkenntnissen sinnvoll. Manche, wenn nicht sogar viele, erfolgen energieverschwendend ohne Ladung über lange Strecken. Viele Schiffe transportieren frische Trauben und Erdbeeren vom anderen Ende der Welt, damit wir diese auch im Winter genießen können. Auch diese Schiffe emittieren erhebliche Schadstoffe. Selbstverständlich bin ich dafür, dass zunehmend an umweltfreundlichen Antriebstechnologien gearbeitet wird und Machbares zeitnah verwirklicht wird – aber bei allen Schiffen. Sich überwiegend nur einen Wirtschaftszweig herauszupicken, ist unfair und einem friedvollen Miteinander nicht zuträglich. Wer die Branche kennt, weiß, welche enormen Anstrengungen die Reedereien hier bereits unternehmen, dabei aber von mangelnden Zuständen in den Häfen oder zu hohen Kosten ausgebremst werden.

Annelie Kirchner

Schattenseiten der Kreuzfahrt

Die Einstellung des Senats zum Umweltproblem hat etwas pharisäerhaftes. Er sperrt Teile der Max-Brauer-Allee, ruft aber die Cruise-Days aus, bei denen das staunende Volk die Umweltverschmutzer bestaunt. Die 20 Schiffe erzeugen mehr Schadstoffe als die gesamten alten Dieselkraftfahrzeuge zusammen. Weiterhin fliegen die Passagiere zu den Starthäfen irgendwo auf der Welt. Sie fallen in Horden in die Häfen ein, behindern das Leben der Einwohner, verzehren nichts bei der einheimischen Gastronomie, kaufen billige Andenken made in China. Die nicht verzehrten Speisen an den überladenen Büfetts an Bord werden vernichtet. Welch eine Verschwendung von Lebensmitteln! Dies sind nur einige Schattenseiten der zunehmenden Kreuzfahrtflotten und so etwas wird vom Senat noch gefördert.

Herbert Drapatz

Parkspur für radelnde Kinder

17. September: Tempo 30: Ein erster Erfolg für Alsterdorfer Eltern. Zone vor Grundschule wurde zur einen Seite erweitert. Initiative kämpft jedoch weiter

Es ist schon verwunderlich: Direkt vor einer Grundschule mit über 300 Kindern gibt es keinen ausreichenden Schutz für Fahrrad fahrende Kinder und Eltern. Es gibt weder Fahrradwege noch Fahrradstreifen. Stattdessen müssen die Kinder auf die viel benutzten und zu schmalen Fußgängerwege ausweichen. Konflikte zwischen Rad fahrenden Kindern und Fußgängern sind an der Tagesordnung. Tempo 30 würde den Verkehr wenigstens ein wenig mehr beruhigen. Eine noch bessere Alternative: Umwandlung einer Parkspur, um geschützte Radwege zu schaffen.

Thomas Anklam

Sparerfreibetrag erhöhen

17. September: Strafzinsen: Olaf Scholz macht Bankchefs eine ,klare Ansage‘

Wenn unser Finanzminister Olaf Scholz von den Banken verlangt, die Sparer fair zu behandeln und von ihnen keine Negativzinsen zu erheben, frage ich mich, warum er nicht mit gutem Beispiel vorangeht und die Sparer selbst fair behandelt, indem er z.B. Sparern, die für ihre Altersvorsorge Geld in Aktien bzw. Aktienfonds anlegen wollen, mehr als den lächerlichen jährlichen Sparerfreibetrag von 801 Euro je Person zubilligt. So kann die erforderliche Vermögensbildung nicht funktionieren. Ach ja, er selbst legt sein Geld nach eigener Aussage nur auf einem Sparbuch und einem Girokonto an. Nun ja, seine Altersvorsorge dürfte ja auch ohne vernünftige Anlage gesichert sein.

Stephan Brehmer, Norderstedt