Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. September 2019

Tempolimit vergessen?

16. September: Countdown für das große Klimapaket. Worum es geht und was noch fehlt

In der milliardenschweren politischen Debatte um notwendige Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes frage ich mich, wo das von etlichen Wissenschaftlern empfohlene Tempolimit für deutsche Autobahnen geblieben ist. Diese kleine Maßnahme spart zwar „nur“ drei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein, wäre aber keine große Einschränkung (da es auf den meisten deutschen Straßen ja eh eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt) und dazu noch völlig kostenlos. Eine solche Regel leuchtet jedem gesunden Menschenverstand sofort ein, einzig ein völlig überforderter Verkehrsminister müsste seinen ideologischen Standpunkt aus den 70er-Jahren ablegen oder seinen Posten räumen.

Thomas Zoufal, Barmstedt

Kein Garant für saubere Luft

16. September: Hamburger Verkehrsunternehmen: ,Autoverkehr weiter einschränken‘

Leider wird immer so getan, als ob der Individualverkehr in 20 Jahren noch mit Diesel fährt, und die Busse heute schon der Garant für saubere Luft sind. Das ist falsch. In Hamburg fahren ein paar Busse mit Batterien. Der Strom dafür kommt hier leider noch hauptsächlich aus Kohlekraftwerken, die Batterien werden unter fragwürdigsten Bedingungen hergestellt. Die meisten Busse fahren noch mit Diesel. Und verbrauchen 4,5 Liter/ 100 Kilometer je tatsächlich befördertem Kunden. Also fast soviel wie ein Kleinwagen. Busse werden in Hamburg vielleicht in 15 Jahren klimaneutral fahren. Aber dann werden auch Autos sehr sicher mit Wasserstoff oder gar etwas besserem betankt. Die jetzt praktizierte Hatz auf Individualverkehr hat mit dem Klima nur ganz am Rande zu tun.

Thorsten Schima

CO2-Steuer für Kreuzfahrer

16. September: Hamburgs größte Parade. Rund eine halbe Million Zuschauer erlebte bei den Cruise Days ein maritimes Festival

Anlässlich der Cruise Days hat der Nabu gemeinsam mit anderen Akteuren noch einmal ausdrücklich auf die enorme Luftverschmutzung durch anlaufende Kreuzfahrtschiffe im Hamburger Hafen hingewiesen. Um die Verschmutzung der Luft in Zukunft zu reduzieren, braucht es meines Erachtens eine Co2-Steuer mit Umweltindex für jede Hafenankunft und jede Passage von Kreuzfahrtschiffen auf der Elbe. Der Index mit gestuften Hafengebühren orientiert sich an den aktuellen Co2- und Stickoxid-Emissionen. Auf diesem Wege wird Umweltschutz langfristig belohnt, und schon rechnet sich für die Veranstalter der Einsatz von Landstromaggregaten während der Liegezeiten. Die Stadt Hamburg geht hier als Big Player im internationalen Kreuzfahrtgeschäft und Ausrichter des großen internationalen Kongresses zum Thema Intelligente Verkehrssysteme und Services am besten mit gutem Beispiel voran und wirbt gleichzeitig für vergleichbare Regelungen in ganz Europa. Für eine bessere Umweltbilanz im Hamburger Hafen muss das Verursacherprinzip gelten.

Dirk Adamek

Migration verändert das Land

14./15. September: Wie man Wahlen gewinnt – und wie man sie verliert. Selten tickten Bürger und Volksvertreter so unterschiedlich, was auch an den Medien liegen könnte

Wieder einmal bringt Herr Iken die sich zufällig verwischenden oder willentlich unterdrückten Tatsachen auf die Tagesordnung zurück. Die Politik ist froh um jede Debatte, die von dem Problem, das die breite Bevölkerung am meisten beschäftigt, ablenkt. Dieses Problem ist und bleibt, seit jetzt bereits mehreren Jahren, die Migration und ihre Folgen für Deutschland. Dieses Problem lässt sich aber nicht wegdrücken, weil man bei einem Gang durch unser Land die Veränderungen nicht übersehen kann und täglich vor Augen geführt bekommt. Wenn zum Beispiel 1200 neue Polizisten eingestellt werden sollen, um die Bahnhöfe sicherer zu machen, bekämpft man vielleicht Symptome, aber nicht die Ursache. Vor fünf Jahren wäre so eine Personalaufstockung völlig unnötig gewesen.

Werner Jens

Eine echte Zukunftsvision!

14./15. September: Welche Zukunft hat der Hafen? Es werden auch in 30 Jahren noch Schiffe nach Hamburg fahren. Ansonsten wird nur weniges so sein, wie man es kennt

Die Idee mit den fliegenden Containern über dem Hafen mag ja schön klingen und aussehen, aber mehr als zehn bis 20 davon werden kaum zur gleichen Zeit in der Luft sein können und mehr als zehn bis 20 Start- und Landeplätze kaum realisierbar sein. Mehr als ein oder zwei Prozent des Umschlages werden sie kaum je ausmachen. Was viel zukunftsweisender wäre, das wären Schienen-Lkw ohne Fahrer, computergesteuert beziehungsweise ferngesteuert, einzeln mit eigenem Antrieb fahrend. Wo sie von oben be- und entladen werden, könnten sie wie eine U- oder S-Bahn ihren Strom seitlich von einer separaten Stromschiene nehmen. Anderswo könnten sie auch von einer Oberleitung ihren Strom nehmen und dann in einem ausreichend digitalisierten Bahnnetz gleich sofort übers Land auf die Reise zu gehen. Es wären quasi selbstfahrende Container, die auch mit einem Straßenbahnnetz kombinierbar beziehungsweise kompatibel wären. Eine echte Zukunftsvision! Auf den ersten Blick nicht ganz so spektakulär wie fliegende Container, auf den zweiten Blick aber noch viel, viel spektakulärer.

Konstantin Zimmer, Hamburg

Hoher Energieverbrauch

Es dürfte schwierig sein, wenn nicht unmöglich, eine Transportmethode für Container zu finden, die einen noch größeren Energieverbrauch hat als ein Lufttransport mit einer Drohne. Wenn ein größeres Containerschiff abgefertigt werden muss, wird sich der Himmel über dem Hafen wohl verdunkeln.

Heinz-W. Krüger, Buchholz

Geräusche ohne Melodien

14./15. September: Instrumente vom Schrottplatz. Spektakel in der Elbphilharmonie: Magnus Lindbergs „Kraft“ und Yuja Wangs Schostakowitsch-Show

Musik? Habe ich da wirklich das Wort „Musik“ in Joachim Mischkes Kritik zu Magnus Lindbergs Opus „Kraft“ gelesen? Es handelte sich zwar um Geräusche, die auf Musikinstrumenten erzeugt wurden, aber es fehlten musikalische Themen – geschweige denn Melodien. Es wurde hin und her gerannt, um auf allen möglichen Utensilien Klappern, Klirren und Blubbern zu erzeugen, was an Beliebigkeit nicht zu überbieten war. „Surround“ bedeutet also, dass der Lärm von allen Seiten kommt. Man hätte nicht gemerkt, wenn sich die Musiker nicht an die Partitur gehalten hätten. So etwas beklatsche ich nicht – auch nicht, wenn sich ein Dirigent damit profilieren und zeigen möchte, wie zeitgenössisch und breitgefächert sein Repertoire ist. „Schrottplatz“ war ein Wort in der Überschrift, das mir sehr gut gefallen hat.

Manfred Thönicke

Freundlichkeit tut nicht weh!

13. September: ,Braucht das Ego so eine Protzkarre‘? Wie ein Zettel auf einer Windschutzscheibe in Eppendorf die SUV-Debatte in Hamburg neu anheizte

Das Schlimme ist, dass man inzwischen nicht mehr nur für einen SUV angefeindet wird (den wir gar nicht besitzen), sondern sogar für Fahrräder. So geschehen neulich morgens auf dem Weg zur Schule mit meinen beiden Söhnen (sechs und sieben Jahre) an der Ampel. Ein Typ, der uns entgegenkam, kommentierte die Fahrräder meiner Jungs mit den Worten: „Typisch, das ist wie mit den Autos, immer größer und dicker.“ Ich kann nicht verstehen, dass es immer wieder Menschen gibt, die alles kommentieren müssen. Muss man sich überall einmischen? Anstatt sich zu freuen, dass meine Kinder und ich mit dem Fahrrad zur Schule fahren, wird man für sein Fahrrad angefeindet. Ein bisschen mehr Freundlichkeit und Rücksichtnahme auf unsere Mitmenschen im Alltag wäre wünschenswert. Und es tut auch gar nicht weh! In diesem Sinne „Seid nett zueinander“.

Kathrin Grossterlinden