Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. September 2019

Gift für das Zusammenleben

14./15. September: Die SUV-Debatte: Großer Streit um große Autos auf Hamburgs Straßen. Besitzer entdecken selbst gemachte Strafzettel hinter der Windschutzscheibe und Die wichtigsten Fragen und Antworten zu SUVs

Eines ist klar: Wir schaffen es in Deutschland derzeit wunderbar, uns zu jedem Thema in eine fünfzig-fünfzig Gesellschaft aufzuspalten. Das mag gut sein für die Leserbriefspalte, aber für ein gedeihliches Zusammenleben ist es Gift. Ursache ist die „Deutsche Angst“, die uns davon abhält, Dinge pragmatisch anzugehen.

Jürgen Schmidt

Das Problem sind wir selbst

Das Problem sind nicht die SUVs, sondern die Deutschen selbst, die in jeder Beziehung offenbar die Maßstäbe gesunden Handelns im Rausch der florierenden Konjunktur der letzten 20 Jahre verloren haben. Nicht ein Urlaub mit dem Flugzeug alle paar Jahre, nein, jedes Jahr am besten drei Mal muss ans andere Ende der Welt geflogen werden. Ein normales Auto tut es nicht, ein riesiger SUV muss den Vorgarten verschandeln. Natürlich muss Familie Maßlos auch jedes Wochenende irgendeine andere Konsumsportart ausprobieren, in den Shoppingwahn verfallen oder Online-Bestellorgien tätigen. Plastikverpackungen und CO2-Verbrauch ist doch egal. Das Problem ist das vom Wohlstand unserer Zeit verzogene deutsche Volk. Doch spätestens dann, wenn die Auswirkungen der sich abzeichnenden Krise in den bis ans Limit überschuldeten Reihenhaussiedlungen auf den Äckern Norderstedts angekommen sind, löst sich das Thema von alleine.

Sven Jürisch

Unerträgliche Hetze

Mich stören die „Dickschiffe“ wie Audi Q7, BMW X5, Mercedes GLS, Volvo XC90, VW Touareg, etc. auch. Vor allem, wenn die Fahrer nicht parken können und im Parkhaus zwei Parkplätze in Anspruch nehmen, ohne für zwei Parkplätze bezahlen zu müssen. Trotzdem ist die gegenwärtige Hetze unerträglich. Die überwiegende Zahl der SUV sind kleine und mittelgroße Fahrzeuge wie beispielsweise Renault Katjar, Opel Mokka X, VW Tiguan und Ford Kuga. Diese Fahrzeuge sind keine Treibstofffresser (selbst als Benziner) und haben meist auch keinen Allradantrieb, weshalb die Übersetzung Stadtgeländewagen falsch ist. Ich vermute, dass die Mehrzahl der „Dickschiffe“ nicht privat, sondern als Firmenwagen gefahren werden. Damit wird sowohl die Anschaffung (oder Leasingrate) und der Verbrauch indirekt über Steuerersparnis subventioniert. Hier könnte das Steuerrecht eingreifen und Obergrenzen für die absetzbaren Anschaffungs- und Verbrauchskosten ansetzen und den übersteigenden Betrag als vorweggenommene Gewinnentnahme bewerten. Das wäre zielführender als die pauschale Verunglimpfung einer Fahrzeugkategorie. Ich kann verstehen, dass viele Autofahrer – und nicht nur die älteren – die hohe Sitzposition in einem SUV als angenehm empfinden, finde aber persönlich Vans wie VW Touran und Ford C-Max besser. Trotzdem stört mich diese widerliche Hetze selbst ernannter Umweltschützer. Mehr als der Fahrzeugtyp bestimmt die Fahrweise den Verbrauch und viele Downsizing-Motoren verbrauchen bei Belastung deutlich mehr als große Motoren bei ähnlicher Geschwindigkeit.

Norbert Jaschinski

Anonyme Moralapostel

Nun sind werden die SUV-Fahrer ausgegrenzt und verachtet. Welche Energie bringen die selbsternannten Moralapostel auf, um die SUV-Fahrer so zu beschimpfen. Dabei wählen sie die Anonymität, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es scheint der neue Volkssport zu sein, vermeintlich „Verirrte“ zurechtweisen zu müssen, dabei ist ein Schreiben an der Windschutzscheibe noch die harmlose Variante. Wo bleibt hier die Toleranz? Auch ich ärgere mich über manchen Autofahrer, Politiker oder über Leute und deren Verhalten. Habe ich deshalb das Recht diese zu maßregeln, vielleicht sogar mit Gewalt? Sicher nicht!

Ingrid Kallbach

Nach Alternativen suchen

Wann erscheint denn endlich mal ein Artikel über den schädlichen CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Batterien für die ach so hochgelobten E-Autos? Es steht fest, dass hierbei ein mehrfaches an CO2 produziert wird, als alle Diesel und Benziner auf Deutschlands Straßen erzeugen könnten. Nur schreibt darüber kein Mensch und schon gar nicht einen entsprechend großen Artikel auf der Titelseite. Aber nach wie vor favorisiert unsere Regierung die E-Autos. Was für ein Schwachsinn, nicht mal nach Alternativen zu suchen. Wir sollen und wollen CO2 einsparen und produzieren stattdessen viel mehr. Allerdings, es wird ja in China produziert, was kümmert uns das also.

Simone Grambow

Lkw an den Pranger

SUVs haben eine kaum größere Masse als „normale“ Pkw. Die Geschwindigkeit ist jedoch, und dass ist der entscheidende Faktor, im Quadrat wirksam (doppelte Geschwindigkeit bedeutet vierfach höhere Energie, dreifache Geschwindigkeit neunfach höhere Energie, etc.). Warum stellt man unrichtigerweise die SUVs an den Pranger, nicht jedoch beispielsweise die große Zahl der kleinen bis riesengroßen und ebenfalls (zu) schnellen Lkw?

Uwe Marschner