Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. September 2019

Europäer tragen Mitschuld

12. September: ,Ich musste dreimal ins Gefängnis‘. Der prominente Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong fordert von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Stellung zu beziehen und Zitat des Tages

Die Medien sollten Vereinfachungen aus eurozentrischer Sicht meiden, indem sie ihren Konsumenten die ganze Komplexität des Hongkong-China-Dilemmas zumuten. Immerhin haben die Briten mit ihren menschenverachtenden Opiumkriegen das Problem geschaffen und kurzsichtige Verträge geschlossen, deren Saat nun heute aufgeht. Völkerrecht im Sinne gültiger Verträge zwischen Staaten und Recht auf Selbstbestimmung als Gedanke der Menschenrechte ist hier und jetzt nicht in Deckung zu bringen und das bringt wieder gefährliche Konflikte in die Region. In unserer Mitverantwortung und aus eigenen Interessen als Europäer sollten wir durch emotionalisierende Berichterstattung, unbedachte Statements und anheizende Einladungen nicht zündeln, denn es gibt zwei Seiten der Medaille und wenn China brennt, brennt die Welt.

Uwe-Carsten Edeler, Hamburg

Zugpferd Mövenpick fehlt

12. September: Das sind die neuen Pläne für das Hamburger Hanseviertel. Zahl der Läden soll steigen. Mischung aus regionalen und internationalen Marken. Kommt ein neues Restaurant?

Der langsame Niedergang des Hanseviertels begann durch den Weggang von Mövenpick, dem Zugpferd des Hanseviertels mit seinem vielfältigen Gastronomieangebot, dem immer noch ganz viele Hamburger und Touristen nachtrauern.

Gitte Werner

Einfältige Autoindustrie

12. September: Verkehr neu denken. Das Elektroauto verändert die Industrie und die Mobilität von Grund auf

In dem Leitartikel geht es leider wieder einmal nur um die Elektromobilität, die weder in Frage gestellt, noch um alternative Antriebsmöglichkeiten ergänzt wird. Dass unsere Autobauer einfältig vor sich hindümpeln, wird auch nicht beschrieben. Auf diese Weise verlieren wir jeden Anschluss an die Spitze der technischen Möglichkeiten. Und es ist kein Erfolg, dass Elektroautos so aussehen wie benzinbetriebene Autos, wenn sonst keine Ideen vorhanden sind. Auch auf das gering ausgebaute Ladenetz wird nicht eingegangen. Was bringen uns autonom fahrende Autos, wenn wir nicht einmal ökologisch wirksame Antriebsformen entwickeln können? Das ist doch wirklich ein unnützer Nebenschauplatz. Was wir neben neuen Antriebsmotoren noch brauchen, ist ein besseres Verkehrsnetz von Bus und Bahn, mehr Schienen, mehr Flexibilität. Und die neuen kostengünstigen Fahrservices nutzen doch die Fahrer aus, das ist doch unterm Strich kein Mehrwert für die Bevölkerung, da schneiden wir uns doch ins eigene Fleisch.

Elvira Kleinschmidt

Deutschland bleibt Autoland

So erfreulich sich Artikel, Berichte und Leserbriefe auch im Abendblatt zum Thema Verkehr häufen, ist die Wahrheit doch eine bittere. Deutschland ist und bleibt das Autoland schlechthin, der Einfluss einer riesigen Autolobby ist unübersehbar und gipfelte jahrzehntelang in dem Lebensmotto „Freie Fahrt für freie Bürger“, natürlich bis zum heutigen Tage ohne Tempolimit. Ein Land, dass seine Bahn systematisch vernachlässigt, Strecken stilllegt, statt sie auszubauen, aber ein gigantisches, teures Straßennetz einseitig bevorzugt, wird eine vernünftige Verkehrswende so nicht schaffen. Nur den Antrieb eines Autos auszutauschen reicht aber bei weitem nicht. Warum müssen Autos immer größer, schwerer und leistungsstärker werden? Von A nach B kommt man, insbesondere in Ballungsräumen, wenn es denn mangels ÖPNV sein muss, auch in einem Kleinwagen. Und einen „sperrigen“ Gegenstand, wie oft kommt das wohl vor, kann ich auch mit einem Mietwagen befördern. Natürlich hat das Auto grundsätzlich immer noch seine Berechtigung, aber fragwürdige Auswüchse wie Ressourcen- und Flächenverschwendung inklusive einer oft schwachsinnigen Autowerbung passen nicht mehr in die heutige Zeit.

Jens Ode

Gründe gegen das E-Auto

Das E-Auto ist erstens umweltschädlich, da die Herstellung der Akkus sehr viel CO2 in die Atmosphäre emittiert und der Grundwasserspiegel in den betroffenen Ländern beim Abbau von Lithium stark sinkt. Bei uns fahren dann nur die angeblich umweltfreundlichen Endprodukte. Zweitens ist es aufgrund der komplizierten Handhabungen und ständigen Aufladungen sowie der noch immer schlechten Reichweiten nicht wirklich alltagstauglich. Drittens, durch die noch immer hohen Anschaffungskosten ist für die Allermeisten die Anschaffung unerschwinglich. Im Übrigen wird das autonome Fahren ein Traum von Science-Fiction-Fans bleiben. Wer haftet bei Unfällen, wer entscheidet in Gefahrensituationen? Und außerdem, wer aus Hamburg nur ein paar Kilometer aufs Land fährt, weiß, dass er gerade noch mit seinem Mobiltelefon telefonieren kann, sonst nichts. Deutschland ist die Heimat der Funklöcher.

Norbert Jünge, Hamburg

Gute Idee, aber zu teuer

12. September: ,S-Bahnen müssen im 5-Minuten-Takt fahren‘. Initiative Starke Wirtschaft Hamburg will mit Mobilitätsprogramm bei Handelskammerwahlen punkten. Aust, Stanislawski und Vogelsang treten an

Keine schlechte Idee. Wird derzeit wohl aber nicht zu realisieren sein. Zu wenig Züge, zu wenig Personal, höhere Betriebskosten. Wäre eine Vision für die Zukunft: Autonom fahrende kürzere Züge im Fünf-Minuten-Takt. Mehr Sicherheitspersonal. Das wäre für viele Pendler besonders aus dem nahen Hamburger Umland eine gute Lösung. Nicht mehr mit dem Auto direkt zum Arbeitsplatz oder dem nächst gelegenen P+R-Parkplatz. Na ja, viele S-Bahnen fahren ja inzwischen schon bis ins nächste Dorf in Schleswig-Holstein. Damals, nach Kriegsende, als Hamburg noch in Schutt und Asche lag, hätte man einen S-Bahn-Ring rund um Hamburg oder zumindest den nördlichen Teil Hamburgs bauen sollen. Damit hätte man sehr frühzeitig das Umland an den ÖPNV anschließen bzw. integrieren können. Der Zug ist nun leider abgefahren. Aber es fehlte damals leider auch das nötige Geld.

Winfried Grott, per E-Mail

Fertig mit Nichtstun?

10. September: Heute schon genikst? Holländer rufen das Nichtstun zum neuen Trend aus

Zum Thema „Heute schon genikst?“ schrieb der Filmschauspieler Leslie Nielsen: „Nichtstun ist unglaublich schwierig – man weiß nie, wann man fertig ist.“

Dieter Wendt, Norderstedt

Japans Demokratur

7./8. September: Wie zukunftsfähig ist Deutschland? Wenn Angst blind macht: Aus lauter Furcht vor dem Morgen verpassen wir wichtige Weichenstellung

Ich habe Japan im April 2019 selbst bereist und habe folgende Beobachtung gemacht: Das Volk wird aus einer Art Demokratur heraus gelenkt und es gibt kaum Opposition. Die Japaner sind eine weitestgehend homogene Gesellschaft, die sich nach wie vor nur ungern anderen Völkern öffnet und noch gemeinsame Werte besitzt. In der Disziplin und Führungsfähigkeit einer solchen Bevölkerung gibt es aus meiner Sicht einen deutlichen Unterschied zum hiesigen Wahlvolk. Das war z. B. beim Einstieg in einen Zug deutlich spürbar oder an sauberen Städten sogar ohne öffentliche Mülleimer. Von der bedauerlichen Rolle der Frau dort möchte ich gar nicht erst anfangen zu berichten. Ich finde es schade, dass wieder mal die Politiker für eine Generalschelte herhalten müssen. Solche undifferenzierte Äußerung trägt meines Erachtens zur weiteren Politikverdrossenheit bei. Davon wird niemand technikaffiner. Einen allzu großen Druck aus der Bevölkerung für technische Innovationen habe ich noch nicht bemerkt, und demokratische Politik setzt doch im besten Fall den Wählerwillen um. Demokraturen, wie auch in Singapur, sind heute leider erfolgreicher, aber sind sie wünschenswert?

Judith Marschner