Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. September 2019

Gehwegplatten - große Gefahr

9. September: Wilde Flughafenparker: 350 Autos abgeschleppt. Obwohl fünf neue Anwohnerzonen rund um den Hamburger Airport geschaffen wurden, reißen die Beschwerden nicht ab

Es ist ja schön, dass die Freie und Abrissstadt Hamburg erneut eine neue Einnahmequelle für Ihre überforderten Staatsbediensteten und Senatsmitglieder erschlossen hat. Vielleicht könnte diese Stadt aber auch einmal ihren originären Aufgaben in Bezug auf den Unterhalt der Straßen und Fußwege nachkommen. Genau dort, wo jetzt wieder einmal Autofahrer zur Kasse gebeten werden, in der Etzestraße, ist meine Mutter im April 2018 schwer gestürzt, als sie zu Fuß vom Einkaufen kam. Ich habe daraufhin schon mehrfach versucht, mit dem Wegewart im Bezirk Nord Kontakt aufzunehmen, telefonisch und per E-Mail. Er sagte mir, dass die Straße auf der Liste der zu sanierenden Fußwegen des Bezirks stünde. Das ist nun über ein Jahr her, passiert ist dort, genau wie an vielen anderen Stellen in dieser Stadt nichts, obwohl die Gehwegplatten dort über fünf Zentimeter hoch stehen und diese eine erhebliche Gefahr darstellen. Die Stadt sollte endlich ihre Pflichten (Gehwege in einem verkehrssicheren Zustand zu bringen) erfüllen.

Claudia Polefka

Trump hat Vertrag gekündigt

9. September: Atomkonflikt: Maas warnt vor Krieg mit dem Iran. Teheran nimmt leistungsstärkere Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb

Wer hält denn hier die Verpflichtungen aus der Wiener Vereinbarung nicht ein? Trump hat sie einseitig aufgekündigt und wir Europäer, die wir doch sonst keine Gelegenheit auslassen, den gewählten amerikanischen Präsidenten zu verunglimpfen, halten uns aus Furcht vor ihm ebenfalls nicht an unsere Vertragspflichten. Da ist es kein Vertragsbruch, wenn auch der Vertragspartner sich nicht mehr daran gebunden hält. Besorgniserregend ist nur, dass er sich das offenbar auch leisten kann.

Hans-Otto Schulze, Buchholz

Der Gast ist schuld

7./8. September: Ärger um stornierte Tische in Restaurants

Inwiefern wird hier das Risiko „in unangemessener Weise auf den Gast verteilt“? Er allein und höchstpersönlich ist es doch, dessen überraschend aufgetretene Berufsunfähigkeit oder Krankheit ihn an der Einhaltung des mit dem Wirt geschlossenen Vertrages hindert. Wenn er als Verursacher dieses ausschließlich in seiner Verantwortung liegende Risiko ausschließen oder abmildern will, muss er sich dagegen versichern – und auch das ist nicht umsonst!

Hans-Otto Schulze

Meerwasser selbst gemacht

7./8. September: Der Versuch: Kochen mit Meerwasser

Warum einfach, wenn es nicht auch umweltschädlich, aufwendig und teuer geht? Statt also einfach wohlfeiles Meersalz ins Kochwasser zu tun, soll man sich von spanischen Küsten stammendes, recht teures, auf jeden Fall recht gewichtiges Meerwasser kaufen und nach Hause schleppen. Grund: Der Fisch schmeckt angeblich erst richtig, wenn er in seinem „natürlichen Lebensraum“ gekocht wird. Seltsamerweise wird hier aber der Kabeljau in Wasser aus dem Mittelmeer mit höherem Salzgehalt als der Nordsee gekocht. Wenn man schon den Unsinn des „Lebensraums“ vertritt, dann doch bitte konsequent. Dabei kann jeder sich selbst sein Meerwasser selber mischen. Knapp vier Gramm auf einen Liter für Fisch aus den Ozeanen und ein bis zwei Gramm für den Kabeljau/Dorsch aus der Ostsee, wenn man genau sein will. Und das gesparte Geld ist sicherlich besser beim Fisch selbst angelegt.

Rudi Wedekind, Hamburg

Kulinarisches Highlight?

So, da wird also Wasser in einem Naturschutzgebiet aus acht Metern Tiefe hochgepumpt, abgefüllt und für drei Euro pro Liter verkauft, nachdem es durch halb Europa gekarrt wurde. Das ist ja wohl der Gipfel der Dekadenz. Spanien, das in weiten Teilen unter Wassermangel leidet, weil die hier gekauften Bio-Erdbeeren dort gezogen werden, ruiniert ein weiteres Naturschutzgebiet, damit Feinschmeckerlokale den Fisch in „Meerwasser“ kochen können. Der Unterschied zur Zubereitung mit normalem Wasser dürfte vor allem gefühlt sein. Unter keinen Umständen lässt sich angesichts der Klimaprobleme ein solches Vorgehen rechtfertigen. Man kann nicht einerseits den Klimawandel beklagen und alle möglichen Verbote fordern und andererseits Wasser, mit dem nichts anderes geschieht als zu kochen, unter Inkaufnahme der Beschädigung eines weiteren Naturschutzgebietes durch Europa zu kutschieren, um es dann zu absurden Preisen zu verkaufen. Und das Abendblatt berichtet das dann auch noch als eine Art kulinarisches Highlight. Geht’s noch?

Doris Dierbach

Mehr Leben in Fußgängerzone

6. September: Hamburgs bester Stadtteil ist – Altona-Altstadt. Die Serie Wo ist es in der Stadt am schönsten? Schwere Frage. Wir versuchen sie zu beantworten. Mit 50 leidenschaftlichen Plädoyers

Mit „schick und shabby“ habt ihr den Grundcharakter von Altona-Altstadt ganz gut getroffen. Altona ist allerdings nicht als Fischerdorf gegründet worden, sondern als Handwerkerdorf. Erst in den 1920er-Jahren wurde Altona zum vorübergehend umschlagstärksten Fischereihafen Deutschlands. Und die Ansiedlung von IKEA wirkte zwar nicht – wie von manchen befürchtet – insgesamt gentrifizierend, hat aber den Geschäftsbesatz der Großen Bergstraße sichtbar verbessert. Die Neue Große Bergstraße ist die großzügigste und bestgestaltete Fußgängerzone Hamburgs geworden – viel belebter als vor zehn Jahren.

Reinhold Gütter

Neues Design – alte Idee

6. September: Neues Design für Hochbahn-Busse. 15 der batteriebetriebenen Fahrzeuge sind bereits im Einsatz

Es ist ja sehr schön, wenn sich jemand Gedanken um die Sicherheit der stehenden Fahrgäste in den Bussen macht. Aber neu ist die Idee der Lederschlaufen nicht. In den 50er- und 60er-Jahren hatten die Hamburger Straßenbahnen diese schon. Als Kinder fanden wir es besonders toll, wenn man durch Ziehen an den Griffen die Reklamesprüche im vorderen Bereich der Bahn wechseln konnte. Fazit: Nicht nur in der Mode kommt Vieles wieder, sondern auch im täglichen „normalen“ Leben. Aber man sollte es nicht als tolle neue Superidee bezeichnen.

Heidemarie Lindner

Mängel offengelegt

6. September: Was erlauben Kuntz? Ist es wirklich eine gute Idee, HSV-Profi Jatta nach all dem Theater zum Nationalspieler zu machen? Ja, eine sehr gute!

Vielen Dank, Kai Schiller, für den Sportplatz-Beitrag. Das Abendblatt hat in den letzten Wochen wohltuend Stellung gegen die fehlerhafte Berichterstattung im „Fall“ Bakery Jatta bezogen und beharrlich die handwerklichen Mängel in den Recherchen offengelegt. Das sind die Tage, an denen ich mich besonders freue, das Abendblatt im Abo zu haben.

Harald Klipp

Wir haben genug Talente

Mich überraschte die Nachricht, dass Stefan Kuntz HSV-Profi Bakery Jatta in die U 21 berufen möchte. Da das aber nur geht, wenn ein Spieler einen deutschen Pass besitzt, will Kuntz sich dafür einsetzen, dass er möglichst rasch eingebürgert wird. In Ihrem Artikel stellen Sie genau die Frage, die ich mir auch gestellt habe. Was soll das? Haben wir nicht Talente genug? Warum mit Gewalt einen Spieler berufen, der heute noch Gambier ist und morgen Deutscher? Haben wir nun eine Nationalmannschaft oder eine zusammengebastelte Truppe? Herr Jatta ist beim HSV glücklich und ihm steht die Fußballwelt offen, aber Nationalspieler? Mag sein, dass ich mich irre, aber mir ist keine andere Ländermannschaft bekannt, die Vergleichbares gemacht hat. Ich bin dagegen!

Meino Dorbandt