Leserbrief

Briefe an die Redaktion: 7. September 2019

Es gibt wichtigere Themen!

6. September: Berüchtigter Bankräuber – und traurige Gestalt. Michael Jauernik begeht seit 50 Jahren Verbrechen, tötete fast einen Haspa-Angestellten. Wie konnte es soweit kommen? Eine Begegnung

Mit etwas Wut lese ich schon wieder eine Überschrift zum „Donnerstagsräuber“. Er wird als Narzisst beschrieben und das Abendblatt hat nichts Besseres zu tun als diesem Mann auch noch eine Plattform zu geben! Jedes Mal mit Foto. Wozu? Wo bleiben die Artikel über die Opfer? Ganz ehrlich: Hamburg hat andere Themen über die Sie berichten sollten!

Petra Kusserow

Zu viel Platz für Eitelkeiten

Als ich heute Morgen das Abendblatt aufschlug, sprang mir zum wiederholten Mal ein fast ganzseitiger Artikel über den Bankräuber Michael Jauernik entgegen. Wie kann es sein, dass das Hamburger Abendblatt einem Verbrecher derart viel Aufmerksamkeit schenkt? Reicht es nicht, was er getan hat, muss er immer wieder zu Wort kommen, seine Eitelkeiten vor der Welt ausbreiten? Wie mag es den Menschen damit gehen, die unmittelbar betroffen waren, dem Haspa-Mitarbeiter, dem Jauernik in den Bauch schoss, dem weiteren Mitarbeiter, dem er die Schuld gab, weil dieser angeblich zu langsam und zu wenig Geld ausgeben wollte? Journalismus hat eine wichtige Aufgabe als Informationsmedium in der Gesellschaft. Dazu gehört auch die Darstellung von Außenseitern der Gesellschaft, die diese für ihre kranken Zwecke ausnutzen und Menschen schädigen. Es ist aber keine journalistische Aufgabe und zeugt von einem sehr befremdlichen Werteverständnis, solchen Menschen eine Plattform für ihre Selbstdarstellung zu geben – was zugleich einen Anreiz für Nachahmer bietet.

Gerhard Lippe

Wohin mit „Schwarzer Peter“?

5. September: Der Kampf um das Bündnis für das Wohnen. Die vom Senat geforderte Verschärfung des Mietrechts löste einen massiven Streit aus. Und im Hintergrund schwelt der nächste Konflikt

Die bisher vom Senat ins Auge gefassten Beschlüsse zum Mietrecht sind bei Lichte betrachtet doch nur „weiße Salbe“. Der Mieterverein fordert zu recht eine Wiederbelebung von § 5 Wirtschaftsstrafgesetz als dem einzig wirksamen Mittel gegen überhöhte Mieten. Was befürchtet denn Herr Struck vom BFW für seine Mitglieder, wenn diese angeblich doch nur „an stabilen und guten Mietverhältnissen interessiert“ sind? Das Bündnis für das Wohnen geht in seine Endphase. Es geht darum, den Schwarzen Peter zu verteilen: Wer hat Schuld an den sinkenden Baugenehmigungen? Gegenüber dem 1. Halbjahr 2018 meldet das Statistikamt Nord für das 1. Halbjahr 2019 ein Minus von 140 Wohnungen (22,4 Prozent) bei den Ein- und Zweifamilienhäusern und ein Minus von 1192 Wohnungen (36 Prozent) bei den Geschosswohnungen. Bauindustrie, Wohnungswirtschaft und alle anderen, die ein besonderes ökonomisches Interesse am Wohnungsbau haben, haben die Preisschraube überdreht. Kostenmieten von 14, 15 oder 16 Euro netto/kalt sind offenbar nicht oder kaum durchsetzbar.

Helgo Klatt, Hamburg

Der Titel ist irreführend

ab 2. September: Serie: Hamburgs bester Stadtteil

Schon der Titel „Hamburgs bester Stadtteil“ ist irreführend bis unakzeptabel, wenn es nicht um einen Rang geht. Wörtlich fragen Sie doch im Anhang vom ersten Teil die Leser nach dem besten Stadtteil. Ich hätte schon Interesse evtl. über Stadtteile wie Jenfeld oder Steilshoop etwas zu erfahren. Ob dort auch „jeder Tag ein Sonntag“ ist wie in Othmarschen (Zitat von Herrn Iken). Insgesamt finde ich den Aufwand dieser Serie personell und zeitlich unangemessen, gegenüber journalistischer Arbeit, die investigativer und kritischer zu Problemen in unserer Stadt berichtet.

Margarethe Dembeck

Feindbild für Babywunsch?

5. September:,Wenn ich noch eine glückliche Mami sehe, muss ich kotzen‘. Die Hamburgerin Anna Schatz wünscht sich seit Jahren vergeblich ein Baby. Wie ihr geht es vielen Frauen

Ich kann durchaus verstehen und emotional nachvollziehen wie viel Leid eine Frau erfährt, deren Kinderwunsch nach bereits drei Fehlgeburten weiterhin unerfüllt geblieben ist. Dennoch – muss man um „den Kinderwunsch-Frauen endlich eine Lobby zu geben“ ein Buch mit einem so ordinären Titel schreiben? Braucht man für die Sehnsucht nach einem Kind ein Feindbild, um mit der eigenen Kinderlosigkeit klarzukommen? Die Zeugung, Schwangerschaft und Geburt eines Kindes ist ein wunderbarer biologischer Vorgang und ein Geschenk, das naturgemäß leider nicht allen Paaren vergönnt ist. Ich kenne aber viele Paare, die ein selbstbewusstes, erfülltes Leben auch ohne Kinder haben, eine wichtige Voraussetzung dafür ist allerdings ein persönliches Umfeld, das diskret und verständnisvoll und ohne Druck auszuüben damit umgeht.

Sybille Witt, Rosengarten