Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. September 2019

Vorbild Deutschland?

5. September: ,50 Milliarden Euro für das Klima‘. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will private Investitionen in Projekte zur CO2-Vermeidung fördern – und pocht auf eine vollständige Abschaffung des Soli

Der Aktionismus, der stets vor oder nach den Wahlen Einzug hält, treibt schon kuriose Blüten. Wenn Herr Altmaier jetzt in puncto Klima Deutschland eine Vorbildfunktion erteilt, denen Chinesen und Inder folgen werden (warum nicht auch die Amerikaner?), ist ihm der Blick fürs Wesentliche und die Wirklichkeit abhanden gekommen. Wir sollten es uns allmählich abgewöhnen, dass wir für andere Nationen Vorbild sind. Ein wenig Demut würde allen Seiten gut tun.

Norbert Herzberg

Nebulöse Verbraucherhilfe

5. September: Mehr Schutz für Bienen und Schweine. Ministerinnen Schulze und Klöckner stellen Beschlüsse gegen Insektensterben und für bessere Bedingungen für Nutztiere vor

Wie Frau Klöckner mit einem freiwilligen Tierwohlkennzeichen, für das erst noch verbindliche Kriterien in einer Verordnung festgelegt werden sollen, mehr „klare Orientierung beim Einkauf“ schaffen will, bleibt nebulös. Fest steht nur, dass ein Bürokratiemonster geplant ist. Es wird so lange keine Sicherheit für die Verbraucher geben, wie die staatlichen Kontrollen mangels personeller Ausstattung nicht vertrauenswürdig sind. Ich werde mich deshalb weiterhin lieber auf die Zusagen der Bio-Verbände verlassen.

Eckard Wendt, Stelle

Insekten brauchen Kuhfladen

4. September: Gülle – Was tun mit dem ganzen Mist? Die Hinterlassenschaften der Nutztiere landen als Dünger auf dem Feld und im Boden. Dort werden sie zum Problem für die Gewässer

Immer mehr Rinder werden in Ställen gehalten, wo sie für viel Gülle sorgen. Die muss aber irgendwo hin. Sie beschreiben, dass das viele Probleme mit sich bringt. Auf der anderen Seite fehlen vielen Insekten, mit sehr vielen Individuen, die Kuhfladen auf den Weiden. Besonders die Kuhfladen, die keine Reste von Medikamenten enthalten, bieten Insekten sehr große Lebenschancen. Etwa 1000 Tierchen sollen einen Fladen besiedeln. Die wiederum sind Futter für andere Tiere, wie z.B. Vögel. Zusammen mit Pilzen, Fadenwürmern und Milben sorgen sie umweltverträglich für den Abbau des Mistes. Das sorgt zusätzlich für die Vielfalt der Flora auf den Weiden und nützt den Kühen und ihrem Produkt Milch. Greta hat das Thema Klimaschutz auf ihre Fahnen geschrieben. Um die Welt zu retten, brauchen wir noch einen Oskar für Insekten, eine Anna für die Schonung der Bodenschätze, einen Heinrich für Geburtenreduzierung und, und, und.

Friderun Böttger

Es reicht!

4. September: Hamburg muss die Bäume opfern. Zum Ausbau der Velorouten ist das Fällen unvermeidlich

Das reicht jetzt. Es zeigt sich doch immer wieder, dass Politiker nicht mit Bäumen umgehen können. Ich finde, wir benötigen ein Bürgergremium, das jede einzelne Baumfällung genehmigt. Und ohne eine Genehmigung wird kein Baum gefällt.

Dr. Heidi Peters

Keine Unfälle, keine Änderung

Wir wohnen in einer kleinen Straße an der Veloroute 5 im Alstertal. Leider ist diese auch ein sehr beliebter Schleichweg. Als Fahrradfahrer wird man knapp überholt, bedrängt und beschimpft. Wir Anwohner bemühen uns seit Jahren, auch mit Unterstützung fast aller Parteien des Bezirksausschusses, die Situation zu verbessern. Leider sieht das Bezirksamt Wandsbek keinen Handlungsbedarf, solange sich die Gefährdungslage nicht ändert. Sprich: keine Unfälle, keine Änderung. Sind die Behörden nicht bereit, auf den Velorouten dem Fahrradverkehr Vorrang und besonderen Schutz einzuräumen, sehe ich in deren Einrichtung eine klassisch halbherzige Publicitymaßnahme, mit zusätzlichem ökologischem Kollateralschaden.

Sönke Schau

Wo sind die vielen Radfahrer?

Wie hoch ist eigentlich die Nutzung der bisherigen Routen? Gibt es da verlässliche Messungen? Ich fahre selbst beinahe täglich mit dem Rad über ein Teilstück der Route 3, die Kollaustraße. Mehr als zehn Radfahrer bei Hin- und Rückfahrt habe ich noch nie gezählt. Wo sind denn die Heerscharen, wie in Amsterdam oder Kopenhagen, von denen die grünen Illusionisten träumen? Die werden auch nie kommen, denn die sozio-geographischen Verhältnisse sind in Hamburg ganz andere als in Kopenhagen und Amsterdam. Wer fährt denn 23 Kilometer auf Route 5 von Duvenstedt in die City? Wenn die Velorouten schon jetzt kaum genutzt werde, was ist dann an den 195 Regentagen, im Winter, nachts und am Wochenende? Sinnlose Investition für ein grünes Prestigeprojekt. Vielmehr hätte man den Radfahrern genutzt, mit 46 Millionen endlich die normalen maroden Radfahrwege zu sanieren.

Volker Kamm

Wege in Stand halten

4. September: Hamburg muss die Bäume opfern. Zum Ausbau der Velorouten ist das Fällen unvermeidlich

Mit Verblüffung habe ich den Kommentar gelesen. Sind diese sogenannten Velorouten wirklich notwendig? Sind nicht vielmehr die völlig vernachlässigten kleinen Radwege in meiner Nachbarschaft verbesserungsbedürftig? Natürlich kann Hamburgs grüne Ideologie in der Öffentlichkeit mit Velorouten punkten. Doch die meisten ihrer Bürger fahren kurze Wege, zum Markt, zur Schule, zum Arzt, zur U- oder S-Bahn-Haltestelle. Velorouten für eine Handvoll Schönwetterradler braucht das Land nicht, aber gepflegte und in Stand gehaltene Wege. Dafür müssen nun wirklich keine Bäume gefällt werden.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Kunstrasen und Plastikstühle

2. September: Die neue Autofreiheit. Start des Versuchs ,Ottensen macht Platz‘

Der Versuch, einen Stadtteil autofrei zu halten, geht ja durchaus in die richtige Richtung, aber mir kommt es angesichts des Fotos vom großen Eröffnungsfest eher vor wie die neue Narrenfreiheit: Statt Autos jetzt Kunstrasen und Plastikhocker auf der Straße. Ja, geht’s noch?

Andrea Seegelke, Bad Oldesloe

Einheit ohne Empathie

2. September: Die Gespenster bleiben – Der Vormarsch der AfD zeigt: Die deutsche Einheit ist in den Köpfen noch nicht vollendet

Die Wiedervereinigung wird 30 Jahre alt. Ein Jammer, erst jetzt offiziell festzustellen, dass frühere DDR-Bürger nicht „ins Boot der Erfüllung“ mitgenommen worden sind. Zwar musste vieles wirtschaftlich umstrukturiert werden, aber warum mit so wenig Einsicht und Empathie, mit so viel – zum Teil höhnischer – Arroganz. Warum wurden wissenschaftliche Institutionen geschlossen, unter anderem das Institut für Pflanzenforschung in Gülzow bei Güstrow, die Mitarbeiter bis auf den Hausmeister gekündigt, um nicht mal ein Jahr später wieder mit westlicher „Besatzung“ aufzumachen? Statt Integration gab es Kolonisation. In seinem Kommentar hat Herr Quoos richtig empfohlen, dass West- und Ostleute endlich mal offen miteinander reden.

Danielle Kühne-Lessard

Wermutstropfen an der Elbe

2. September: Hamburgs bester Stadtteil ist – Othmarschen. Die Serie. Wo ist es in der Stadt am schönsten?

Ja, so schön kann es in Hamburg an der Elbe sein. Zum Verlieben! Aber wenn man bei der Strandperle einmal das WC aufsucht und benutzt, dann ist das einfach nur unerfreulich und zum Schämen. Man überlegt sich, mit Gästen dort noch hinzugehen. Warum ändert sich das nicht? Ich hoffe also weiter auf eine Besserung, allerdings hoffe ich darauf schon sehr lange.

Barbara Seefeld