Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. September 2019

Gespräche statt Bauchgefühl

4. September: Gesetzesinitiative: Hamburg will Mietsteigerungen stärker begrenzen

Nahezu reflexartig beginnt der Senat in angemessenem Abstand zu den Bürgerschaftswahlen, an den gesetzlichen Vorschriften des Mietrechts zu drehen. Das war bereits 2015 mit Einführung der Mietpreisbremse so und auch 2020 ändert sich daran nichts. Dass Mieten und Inflation sich in den vergangenen 25 Jahren in Hamburg völlig parallel entwickelt haben, interessiert niemanden, obwohl es mit den wissenschaftlichen Daten der jeweiligen Mietenspiegel belegt ist. Die versprochene Überprüfung der Auswirkungen der Mietpreisbremse ist nie erfolgt. Offensichtlich reicht das Bauchgefühl unserer Politiker schon aus, weitere Eingriffe in das Eigentum vorzunehmen. Wie wäre es, wenn die Politik nicht für alle gesellschaftlichen Probleme sofort eine Lösung in Form einer Gesetzesänderung parat hätte, sondern in breitem Konsens mit den Bürgern nach Lösungen sucht. Die Frage, wieso der Eigentümer eines Gebäudes und nicht der Staat dafür zu sorgen hat, dass auch Geringverdiener sich eine Wohnung leisten können, wird überhaupt nicht diskutiert. Der Staat erwirtschaftet Milliarden an Steuerüberschüssen und ist offensichtlich nicht bereit, den Ärmsten in der Gesellschaft mit einem angemessenem Wohngeld zu unterstützen.

Heinrich Stüven

Eltern in Erklärungsnot

4. September: 77 Bäume für Velorouten gefällt. In Jenfeld und Stellingen wird Platz für Radwege geschaffen und Kommentar: Hamburg muss die Bäume opfern

Da zerstören verheerende Brände die grüne Lunge der Welt und Hamburg schaufelt sich schon mal sein eigenes Klima-Grab. Da werden wegen schädlicher Schadstoffe Straßenzüge für bestimmte Dieselfahrzeuge gesperrt, und vom selben Senat gesunde, alte Bäume gefällt, damit das „Prestige“-Projekt „Velorouten“ umgesetzt werden kann. Entschuldigung, aber das entbehrt jeglicher Vernunft und Logik. Dafür neue Bäume zu pflanzen, ist zwar schön und gut, aber die werden bei weitem nicht so viel Sauerstoff produzieren wie die alten. Außerdem bedürfen sie weitaus mehr Wasser in den heißen Sommermonaten, da sie noch nicht so tief im Erdreich verwurzelt sind. Jetzt sind wieder wir Eltern an der Reihe, unseren heranwachsenden Kindern zu erklären, warum es nötig ist, Bäume zu fällen, damit man in Hamburg Fahrrad fahren kann. Ich kann es nicht!

Birgitta Müller, Hamburg

Erbärmliche Abholzaktion

Fassungslosigkeit beschreibt meine Gefühle nur begrenzt. Angesichts der Bedeutung der Bäume für unser Klima, werden sie für eine zumindest umstrittene „Fahrradstadt“-Ideologie geopfert. Die Umweltbehörde weiß nicht einmal, welchen Umfang diese Abholzaktion annimmt. Wie erbärmlich ist das denn?

Manfred Calsow

Hinweisschilder reichen aus

46 Millionen Euro für Velorouten? Fahrradstadt Hamburg? Mag ja alles schön und gut sein. Dass man das Radfahren auf stark befahrenen Straßen erleichtern will, ist vernünftig. Aber Sie schreiben in Ihrem Kommentar, dass die Routen auch durch verkehrsarme Straßen führen, in denen Bäume gefällt wurden. Was sollen in verkehrsarmen Straßen extra eingerichtete Velorouten? Ich wohne selber in einer verkehrsarmen Straße, die veloroutengerecht gestaltet werden soll. Ich halte das in solchen Straßen für völlig unnötig. Das Geld kann man besser ausgeben. Bisher bin ich hier auch so ganz gut und sicher mit dem Fahrrad vorwärts gekommen, ohne das Bäume gefällt werden mussten. Ein paar Hinweisschilder über die Streckenführung reichen meiner Meinung nach völlig aus.

Malte Gumpricht, Hamburg

„Grüner“ Widerspruch

Wer wirklich grün denkt, kann das nicht tolerieren. Niemand, der hier alte Bäume aus nichtigen Gründen opfert, darf sich über die Brandrodungen im Amazonasgebiet ereifern, hier läuft das Gleiche vor der eigenen Haustür. Und hier muss man handeln, während man gleichzeitig woanders zu Recht verurteilt. Ein neu gepflanzter Baum braucht Jahrzehnte, bevor er Sauerstoff und Lebensqualität in nennenswertem Maß „erwirtschaftet“, sofern er überhaupt hier alt werden kann und darf. Fahrrad statt Baum – was für ein „grüner“ Widerspruch.

Regina Dix-Heyder

Rissen ist alles

4. September: Hamburgs bester Stadtteil ist – Rissen. Die Serie: Wo ist es in der Stadt am schönsten? Schwere Frage. Wir versuchen sie zu beantworten. Mit 50 leidenschaftlichen Plädoyers

Ich bin erst letztes Jahr aus der Nordheide nach Rissen gezogen und war/bin von diesem Stadtteil begeistert. Auf dem Weg mit der S 1 nach Hamburg habe ich einmal ein riesiges Werbeplakat für Immobilien in Rissen gesehen - und ich finde, der Slogan darauf trifft es auf den Punkt: Stadt – Land – Fluss. Rissen ist alles! Was mir in Ihrem Artikel etwas fehlt, ist der Teil: Stadt. Es stimmt zwar, dass eine nette Musikkneipe für den abendlichen Drink fehlt, aber es gibt jede Menge Restaurants und Cafés und fast alle mit Mittagstischangebot zu erschwinglichen Preisen. Außerdem finde ich die Vielfalt inhabergeführter kleiner Läden, alle versammelt in einer Straße, großartig. Nicht zu vergessen: Bereits seit 1990 gibt es in Rissen auch einen Weltladen, in dem fair gehandelte Produkte vertrieben und Aufklärungsarbeit geleistet wird. Auch zu erwähnen wäre noch das Johannesnetzwerk mit einem großen Spektrum an nachbarschaftlicher Hilfe und viel ehrenamtlichem Engagement. Dazu findet man auch kulturelles, politisches und sportliches Engagement. Es gibt z.B. die Rissen-Art, den Bürgerverein mit einem breitgefächerten Angebot, den Rissener Sportverein mit vielfältigen Aktivitäten, auch für Nicht-Mitglieder, einen Tennisverein, einen Golfclub, eben alles, was zu einem bunten, städtischen Leben dazugehört.

Karin Wachtel

Heine in Ottensen

2. September: Hamburgs bester Stadtteil ist – Ottensen. Die Serie. Wo ist es in der Stadt am schönsten? Schwere Frage. Wir versuchen sie zu beantworten. Mit 50 leidenschaftlichen Plädoyers

Ich bin seit 1994 Ottensener und kann die Erfahrungen des Autors bezüglich der Entwicklung dieses Stadtteil vom Arbeiter- zum Szeneviertel mit vielen Gentrifizierungsopfern bestätigen. Aber noch gibt es ein sehr gestreutes, „buntes“ Publikum hier, das man beim Gang durch die Ottensener Hauptstraße beobachten kann. Ich möchte diesen Stadtteil aber noch durch eine Person bereichern, die schon 1816 Ottensen in einem Gedicht zu Ehren Klopstocks erwähnt: Heinrich Heine, der mehrfach im Hause seines Onkels Salomon Heine an der Elbchaussee weilte, hat Klopstock, dessen Grab sich auf dem Friedhof an der Christianskirche befindet, ein kurzes Grabgedicht gewidmet. Und Ottensen kann sich rühmen, eines der ältesten Heinrich-Heine-Denkmäler von 1927 bis 1939 im Donners Park, am Elbhöhenwanderweg, ausgestellt zu haben. Jetzt befindet sich das Denkmal in Toulon. So kann der berühmte Dichter und Poet nachträglich noch dazu beitragen, den Elbhöhenwanderweg und den Stadtteil Ottensen kulturhistorisch aufzuwerten. Dazu bedürfte es allenthalben eine entsprechende Ehrung am Tag des Denkmals und z.B. der Aufstellung einer Hinweistafel am einstigen Standort dieses Denkmals im Donners Park an der Elbe.

Dr. Theo Jasper

Nur drei Jahre Bauzeit

2. September: Digital Art Museum: Ein Magnet für Hamburg?

Da muss man nicht nach Tokio reisen, um ein solches Museum zu erleben. Seit dem August 2018 gibt es in der finnischen Hauptstadt Helsinki schon das AMOS REX mit einem ähnlich wechselnden Angebot und riesigem Besucheransturm. Wurde nach drei Jahren Bauzeit für 50 Millionen Euro von privaten Investoren auf 2200 qm groß mitten in der Innenstadt nicht nur für die Generation Internet eröffnet. Sowas wäre natürlich auch in Hamburg möglich. Aber innerhalb von drei Jahren?

Wolfgang Ketelsen