Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. September 2019

Warum hat die AfD Erfolg?

3. September: Warum die AfD in Grenzregionen besonders stark ist

Anstatt Partei und Wähler der AfD zu verurteilen und als politische Kraft zu ignorieren, sollten die sogenannten „Volksparteien“ sich fragen, welche Eltern dieser Erfolg hat. Es ist ja nicht die tolle Performance die CDU und SPD im Osten geliefert haben, sondern das Ignorieren der Sorgen des „kleinen Mannes“. Vielleicht sollte man sich auch daran erinnern, wie Ole von Beust damals die Schill-Partei entzauberte. Er holte sie in den Senat. Aber heute gilt es ja schon als unverzeihliche Entgleisung einer Reporterin, die die CDU und AfD als eine Art „bürgerliche Koalition“ anfragt. So wird das nie was. Also werden wir auch in Thüringen den Niedergang der einst großen Parteien kopfschüttelnd beobachten können.

Mathias Pregartbauer

Migrationsthema anpacken

Die wichtigen Themen Klimaschutz und Grundrente sollen als Reaktion auf die Wahlerfolge der AfD angepackt werden. Meine Frage: Wählt man die AfD, wenn man diese beiden Themen weiterbringen will? Nein! Man wählt die AfD, damit die Migrationsproblematik endlich angepackt wird. Wann gestehen sich das die regierenden Parteien endlich ein und handeln entsprechend? Dann erst werden die AfD-Protestwähler zurückkommen.

Werner Jens

Volksparteien ohne Visionen

Die AfD fordert, polarisiert, setzt auf Populismus pur, schürt Ängste und tut so, als ob sie in vielen politischen Fragen bessere Antworten als die etablierten Parteien hätte. Leider lässt die AfD aber konkrete Antworten und Vorschläge vermissen. Sie haben nur Negativ-Botschaften wie zum Beispiel „Raus aus dem Euro“. Auf der anderen Seite die „Noch-Volksparteien“ SPD und CDU, die via GroKo leider nur noch verwalten aber immer weniger Visionen für unser Land und dessen Zukunft erkennen lassen. Das ist der perfekte Nährboden für eine Partei wie die AfD, denn sie setzt auf die Wähler, die sich abgehängt fühlen, nicht mehr von der GroKo verstanden werden oder die einfach aus Protest AfD wählen, als eine Form des Denkzettels, ohne sich inhaltlich mit der AfD überhaupt auseinander gesetzt zu haben. Zwar ist jedes Bundesland individuell zu bewerten, aber die GroKo liefert perfekte Angriffsflächen. Ich sehe da Parallelen zu einigen US-Bundesstaaten in den USA aus dem Rust- und Bibel-Belt, die auf Trump setzen und allmählich begreifen, dass sich seine Heilsversprechen immer mehr als Luftnummer entpuppen.

Sven Jösting

Kostenlose Werbung für AfD

2. September: CDU und SPD verlieren stark. AfD ist der große Gewinner und Die Gespenster bleiben. Der Vormarsch der AfD zeigt: Die deutsche Einheit ist in den Köpfen noch nicht vollendet

Ich hätte sehr gerne folgende Hauptschlagzeile bei Ihnen gelesen: „CDU und SPD gingen als stärkste Kraft aus den Wahlen in Sachsen und Brandenburg hervor“. Ebenso hätten gut zweidrittel der Wähler es verdient, dass Ihnen der erste Absatz des Kommentars gewidmet worden wäre. Etwa so: „Es ist ein Wahlausgang mit Ansage. Bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen hat entgegen aller Prophezeiungen die Demokratie einen großen Sieg eingefahren“. Wie viel Raum wollen Sie immer wieder der AfD als kostenlosen Werbeplatz einräumen?

Jutta Wieters-Schrader

Immer mehr Plastikprodukte

3. September: Mit Pfandbechern gegen den Plastikmüll. Auf dem Kiez startet ein bislang weltweit einmaliges Projekt: Ein ganzes Amüsierviertel will sich auf ein einheitliches System einigen

So erfreulich solche Aktionen auch sind, verschleiern sie die Tatsache, dass nicht weniger, sondern immer mehr Produkte, besonders im sogenannten Convenience-Bereich, wie kleine Obsthappen oder Frühstücksmüslis zum Mitnehmen für unterwegs und in Plastik verpackt, angeboten werden. Hier muss ein klares Verbot her. Sonst werden diese Produkte produziert und leider auch gekauft.

Irene Köster

Handwerk macht glücklich

3. September: Handwerker verzweifelt gesucht. Der Boom der Baubranche führt zu langen Wartezeiten bei Reparaturen und Neuanschaffungen

Es ist doch nun seit Jahren bekannt, dass das Handwerk Nachwuchssorgen hat. Warum denken nicht viele Familien um und lassen ihren Sprössling erst mal ein solides Handwerk lernen? Wenn sie später meinen, dass sie doch eher zu Theorie und Führungsposition neigen, können sie immer ein Studium draufsatteln. Ganz nebenbei: Eine klare handwerkliche Aufgabe macht oft bedeutend glücklicher und zufriedener als viele Studienberufe. Am Abend weiß man, was man geleistet hat und kann stolz darauf sein. Mark Gudow

Der Park als Bühne

2. September: Hamburgs bester Stadtteil ist – Othmarschen. Die Serie. Wo ist es in der Stadt am schönsten? Schwere Frage. Wir versuchen sie zu beantworten. Mit 50 leidenschaftlichen Plädoyers

Mit Interesse habe ich den Stadtteilbericht über Othmarschen gelesen. Ich habe von 1974 bis 2006 am Gymnasium Othmarschen Kunst unterrichtet, ich habe meinen Beruf geliebt. Der Einzugsbereich war hervorragend geeignet, den Unterricht auch außerhalb des Schulgebäudes durchzuführen. Der Jenischpark mit seinem alten Baumbestand war ein idealer Ort, den Schülern und Schülerinnen die Natur nahezubringen und ihre Kreativität anzuregen und zu fördern: Ob es ein „surreales Frühstück“ war, das gemeinsam unter der 500-jährigem Eiche mit ungewöhnlichen Dingen arrangiert werden musste, oder der aufgesammelte Müll, der in Müllsäcken, als Mahnung mit einem entsprechenden Plakat, für jedermann sichtbar, in einen Baum gehängt wurde. Es gab viele Möglichkeiten, den Park als Bühne zu nutzen!

Karin Bechstein

Wunderschönes Rahlstedt

Unmöglich, den besten Stadtteil zu benennen. Jeder Stadtteil hat unterschiedliche Menschen, Möglichkeiten, Voraussetzungen. Auch die Menschen in ihren Stadtteilen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Ich lebe seid fast 62 Jahren im wunderschön grünen Rahlstedt und fühle mich sehr wohl hier. Im Grünen und doch schnell mit der Regionalbahn in der Innenstadt mit ihren vielen Angeboten.

Gabriela Möller

Emissionshandel anpassen

31. August/1. September:Sie fliegen nach Mallorca? Kein schlechtes Gewissen! Die Wahrheit ist: Selbst wenn Sie und alle anderen Passagiere zu Hause blieben, würde kein Gramm CO2 weniger freigesetzt

Bei allem Respekt: Das durch das Fliegen freigesetzte CO2 ist real und kein theoretischer Wert in einem Rechenmodell. Und sollte es so sein, dass durch Flugausfälle in Europa, mehr Flugverkehr an anderer Stelle entsteht, so sollte der Emissionshandel dringend angepasst werden. Ein fröhliches „Weiter so“, wie es der Autor zum Schluss empfiehlt, ist mit Sicherheit der falsche Ansatz.

Hans-Joachim Bull, Quickborn

Der Diskurs wird zerstört

31. August/1. September: Gewerbe statt Biotop: Bau geht weiter. Verwaltungsgericht lässt Bagger am „Victoriapark“ in Rahlstedt weiterrollen

Es ärgert mich, mit anzusehen, wie ein Stück Natur auf Hamburger Boden zerstört wird. Noch ärgerlicher ist, mit welchen Methoden ein aufrichtiges Anliegen Hamburger Bürger und des BUND zu Fall gebracht wird. Wie kann es angehen, dass für Erschließungsmaßnahmen und Zuwegungen Vorabgenehmigungen erteilt werden, bevor das Bauvorhaben in trockenen Tüchern ist. Ganz zu schweigen von den üblichen Verzögerungen bei der Veröffentlichung von Bebauungsplänen. Hier wird in Bereichen, die den Bürger am meisten betreffen, der gesellschaftliche Diskurs bewusst behindert und damit zerstört.

Bruno Brandi