Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. August 2019

EU: nicht nachgeben!

22. August: Boris Johnson sagt: Wir schaffen das. Der britische Premier macht seinen Antrittsbesuch in Deutschland – und will seine Brexit-Pläne durchdrücken

Das Verhältnis von Großbritannien zur EU ist auch durch die Lügenpropaganda von Menschen wie Herrn Farage und Johnson sowie dem ständig lavierenden Herrn Corbyn hoch belastet. Mit welcher Chuzpe jetzt aber Boris Johnson versucht, seine Politik der „kalten Schulter“ in Verhandlungspoker umzuwandeln, zeigt die ganze Wertfreiheit dieses Mannes, den nur sein eigenes Ego treibt. Wenn die EU-Verantwortlichen jetzt nachgeben, trotz der Komplexität und Bedeutung der Situation für Europa, ist meines Erachtens die internationale Bedeutung der Achtundzwanzig kaum noch einen Pfifferling wert.

Volker Deising

Tierfutter aus Südamerika

22. August: Brasilianischer Regenwald steht in Flammen

Was in Brasilien passiert, steht auch mit unserer Lebensweise in Zusammenhang. Es wird immer mehr Soja als Nahrungs- und Futtermittel verbraucht, deshalb weiten südamerikanische Staaten ihre Anbauflächen aus. Wer das beklagt, sollte überlegen, wie viele Ackerflächen bei uns nicht mehr für Nahrungs- und Futtermittelproduktion genutzt werden, sondern für Biogasanlagen, weil das lukrativer ist. In der Massentierhaltung ist das Prinzip der eigenen Futtermittelproduktion eines Landwirts aufgegeben worden, die Ställe beherbergen mehr Tiere als die Flächen ernähren können. Deshalb muss das Futter woanders produziert werden. Auch dies ist Globalisierung. Verändern lässt sich diese Entwicklung nur, wenn wir einerseits verstehen, dass unsere Lebensweise Auswirkungen auf andere Staaten hat, und andererseits die Informationen über die Haltung von Tieren und die Herkunft von Futter- und Nahrungsmitteln tatsächlich der Wirklichkeit entsprechen und verständlich sind. Wenn der Verbraucher entscheiden soll, wie Nahrungsmittel produziert werden, dann muss die Politik vernünftige Rahmenbedingungen schaffen und nicht ständig auf die Bedenken der Nahrungsmittel- industrie und der Landwirtschaft hören.

Rüdiger Ramm

CYCEL hilft Müll zu vermeiden

20. August: Ab in die Tonne – aber in die richtige! Wohin mit alter Farbe, blauem Glas und Batterien? Die wichtigsten Tipps für den Umgang mit Müll – und wie man ihn vermeidet

Hamburg ist eine der vier Teilnehmerstädte des EU-Projektes Force. Im Rahmen des Projektes wurde für Hamburg CYCEL (www.cycel.de) entwickelt. Auf CYCEL kann für alle möglichen gebrauchten Elektrogeräte nachgesehen werden, wie der aktuelle Marktpreis ist. Das Ergebnis hilft der Bevölkerung bei der Entscheidung, ob ein altes Gerät entsorgt (es gibt keinen Markt dafür) oder aber verkauft bzw. gespendet werden kann, denn die Lagerung im Keller oder in der Schublade nützt niemandem. Neben weiteren Informationen über Repair-Cafés in Hamburg, Spendenorganisationen und Reparaturanleitungen, gibt es auch Hinweise zur Entsorgung. Neben den im Artikel genannten Sammelstellen der Stadtreinigung müssen übrigens auch große Geschäfte (ab 400 m2 Verkaufsfläche für Elektrogeräte) kleine gebrauchte Elektrogeräte annehmen und nicht nur diejenigen, die sie verkaufen. Größere Geräte müssen beim Kauf eines neuen angenommen werden. CYCEL verlinkt daher auch auf die Suche nach den Rücknahmestellen.

Ute Müller

Jeder zahlt zwei Prozent

21. August: Die Deutschen wollen die Verkehrswende. In Zukunft möchten die Menschen anders ans Ziel kommen – aber nicht um jeden Preis, belegt eine Studie

Die Umfrage zeigt: Die Menschen wollen die Verkehrswende. Dazu brauchen wir Geld, viel Geld, dann können wir folgendes lösen: keine Autoabgase mehr, kein Autolärm, keine Verkehrsstaus, keine Parkplatzprobleme. Nur noch E-Mobile, aber bitte mit Brennstoffzellen/Wasserstoffbetrieb, umweltneutral und nicht mit umweltschädlichen Lithiumbatterien. Damit ist Lärm und Abgas gelöst. Verkehrsstau vermeiden durch Hochfahrbahnen wie in Singapur, Hongkong, New York. Parkplätze unter die Erde und den ÖPNV verbessern. Woher kommt das Geld? Da wir alle auf diesem einen Planeten leben und alle die Umwelt belasten, das Ganze aber sozial verträglich gestalten wollen, zahlt jeder von seinem verfügbaren Einkommen zwei Prozent in einen zweckgebundenen Umweltfond. Und jeder heißt: vom Schüler über den Azubi, Angestellten, Freischaffenden, Unternehmer, Beamten und Rentner bis zum Millionär. Der Schüler zahlt wohl nur 20 Cent, aber beim Millionär wären es dann schon 40.000 Euro. Und dann hört die Neiddebatte auf und die vielen Vorschläge wie der „Andere“ eben sparen soll, und die Lippenbekenntnisse in Umfragen werden in Taten verwandelt. Dann haben wir auch das Geld, den Kohleausstieg und die Elektromobilität zu beschleunigen, indem Umschulungen und Arbeitslosenunterstützung finanziert werden können. Fangen wir also an, was hindert uns?

Hans Negle, Nahe

Eindrucksvolles Hamburg

20. August: Hamburger Widersprüche. Zehn Jahre hat die Erfolgsautorin Dörte Hansen in Altona gewohnt. Hier beschreibt sie, warum ihr die Stadt vertraut und zugleich fremd geblieben ist

Vielen Dank für die Veröffentlichung des wunderbaren Textes von Dörte Hansen. Ich habe mehrere Exemplare des Abendblattes gekauft, um einige Freunde im Süden mit einem Faible für Hamburg damit zu beglücken. „Hochmut und Bescheidenheit passen hier zusammen“, schreibt Dörte Hansen. Großzügigkeit und Knickrigkeit, Understatement und Übertreibung, noch viele Begriffspaare könnte man benennen. Als der Erste Bürgermeister verlauten ließ, dass man die Spieler des kriselnden HSV im Falle des Wiederaufstiegs auf dem Rathausbalkon feiern wolle, schrieb ein wohlwollender Sportredakteur der Süddeutschen Zeitung: „Hamburg zu lieben und Hamburg zu verstehen, sind zwei verschiedene Dinge“. Der Mann sprach mir aus dem Herzen. Dörte Hansen ebenso. Insgesamt aber schon eindrucksvoll diese Stadt. Und das ist nun wirklich ein hanseatisches Understatement.

Achim Weers, Hamburg

Vorschrift zu Ende lesen...

20. August: Dieses Formular hat der Teufel gemacht. Wie die EU die Beschäftigung im Ausland regeln will – und wie die Bundesregierung empfiehlt, das zu ignorieren

Danke für die schöne Glosse über das A1-Formular. Leider reitet sie auf dem Klischee der EU-Bürokratie herum, weil niemand den Text der Entsenderichtlinie liest. Dort heißt es: „Diese Richtlinie gilt nur für Dienstleistungen, die für eine wirtschaftliche Gegenleistung erbracht werden“ – mithin nicht für Tagungen, Besprechungen etc. Dass einige Bürokraten im EU-Ausland dies anders handhaben, ist Tatsache. Dies ist aber nicht der EU anzulasten, sondern dem – gerade in Deutschland (Entschuldigung) – vorausschleimenden Gehorsam gegenüber behaupteten, aber nicht existenten Vorschriften.

Frank Toussaint

Ein einfühlsamer Bericht

17./18. August: Unterwegs zu Hamburgs Höhe-Punkt. In den Ötztaler Alpen betreibt die hanseatische Sektion des Alpenvereins das Ramolhaus

Danke für diesen wunderbaren Bericht über das Ramolhaus. Wie einfühlsam hat Matthias Iken seine Wanderung geschildert. Ich fühle mich zurückversetzt in unsere aktive Bergwanderzeit. Wir waren ca. 30 Jahre Mitglied der Sektion Niederelbe des Deutschen Alpenvereins und sind jedes Jahr drei Wochen mit der Bahn zum Wandern in die Alpen gefahren, zuerst noch mit dem Alpen-See-Express. Nun sind wir weit über 80 Jahre alt und müssen von den Erinnerungen zehren. 1961 war ich drei Wochen in Sölden und habe von Vent aus mit Führer die Wildspitze (3770 m) bestiegen. Mein erster großer Gipfel und ein tolles Erlebnis. Wenn ich jetzt an Sölden denke, möchte ich den Ort nicht wiedersehen.

Elsbeth und Jürgen Nordmeyer,

Hamburg-Oldenfelde