Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. August 2019

E-Scooter sind eher harmlos

19. August: E-Scooter: Polizei plant große Kontrollen. Seit Juni wurden 150 Verstöße geahndet – meist wegen Fahrens auf Gehwegen und in Fußgängerzonen

Was ist das für ein Quatsch. Jetzt hat die Polizei es auf die E-Scooter abgesehen. Aber wie die Radfahrer fahren, nämlich auf Fußwegen, auf der falschen Seite, mit hoher Geschwindigkeit und mit Handy vor der Nase, das interessiert auf einmal niemanden mehr? Dagegen sind die E-Scooter total harmlos. Mit einem normalen Roller bin ich vielleicht sogar noch schneller unterwegs. Soll ich jetzt etwa auch auf Radfahrwegen fahren, auf denen sich hier in Hamburg eh niemand mehr sicher fühlt?

Birgit Kraft aus Hamburg

Greta macht kein Theater

17./18. August: Großes Öko-Theater auf einem Haufen Sondermüll

Ich finde nicht, dass Greta „Theater“ macht, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen zur Klimakonferenz fährt, während Donald Trump dabei ist, die Kohleindustrie neu zu beleben und die meisten Menschen nur tatenlos auf dem Sofa zusehen. Aber dieser Artikel ist „Theater“, der Versuch einen Skandal herbeizuschreiben, wo keiner ist und trägt so zu einem Klima der Aggressivität bei, anstatt sich mit den Lösungen der wirklich drängenden Fragen zu beschäftigen.

Nicole Andres

Unlogische Argumentation

Die Argumentation des Autors ergäbe nur Sinn, wenn das Boot für Gretas Reise ausschließlich dafür gebaut worden wäre und danach entsorgt werden würde. Es ist aber ein Rennboot, bereits vier Jahre alt und wird anschließend wieder an großen Regatten teilnehmen. Keine Umweltbelastung also durch die Reise. Mit der gleichen (Un-)Logik könnte man auch der Bahn die Produktionsbelastungen für Loks und Waggons oder dem Fahrrad die Umweltsünden beim chinesischen Hersteller und die Transportkosten anlasten. Das ist alles relativ.

Klaus Mölln

Regionale Versorgung fördern

17./18. August: Wir sind zu satt und selbstzufrieden. Die Wirtschaftsschwäche muss Politik, Gesellschaft und Unternehmen alarmieren – und ist Aufforderung zum Handeln

Es wird Probleme geben, so oder so. Wenn wir schon jetzt, bei den ersten Rettungsversuchen des Weltklimas, die nahende Wirtschaftsschwäche fürchten, gibt es kein Entrinnen mehr. Eigentlich dürfte uns gar nichts weiter übrig bleiben, als nach Manier von Trump den Welthandel zurückzufahren. Die weltweite Wirtschaft mit Produktion und Handel sind mit dem Weltklima ganz einfach nicht unter einen Hut zu bringen. Solange wir täglich tonnenweise Joghurt vom Allgäu nach Ostfriesland und von dort ins Allgäu schicken, können wir nicht mehr guter Hoffnung sein. Das gilt für alle Verbrauchsgüter und Verbrauchsstoffe. Sich Autos und andere Handelsgüter aus Amerika, Europa und Ostasien gegenseitig über die Ozeane zu senden, kann für die Klimabilanz nur negativ sein. Man muss einfach dazu zurückkehren, die Menschen wieder aus ihren Nahbereichen zu versorgen, um wenigstens die gewaltigen Seetransporte zu vermeiden. Ex- und Import sollte es nur für solche Waren geben, die es anderswo nicht gibt.

Helmut von Binzer, Hamburg

Ramolhaus vor dreißig Jahren

17./18. August: Unterwegs zu Hamburgs Höhe-Punkt. In den Ötztaler Alpen betreibt die hanseatische Sektion des Alpenvereins das Ramolhaus

Ihr Artikel über das Ramolhaus hat meinen Mann und mich über 30 Jahre zurück in den Urlaub gebeamt. Wir hatten schwere Lederstiefel an den Füßen und mit Stöcken hätte sich niemand auf den Weg getraut. Damals war das peinlich! Wir sind vom Hochwildehaus kommend mit einer Wandergruppe, die sich zufällig am Fuße des Gletschers gefunden hatte, losgegangen. Es war unsere schönste und aufregendste Wanderung überhaupt. Heute gibt es eine Hängebrücke zu bestaunen, wir staunten über den Gletscher. Über uns thronte das Ramolhaus, dass damals noch 3002 Meter hoch lag. Als wir nach Hause kamen, belächelte man uns, wir waren ja nur wandern, was war das schon...

Renate Vogel

Fairer Handel hilft den Armen

16. August: Wie Nespresso beim Kaffeekapsel-Rad mogelt. Unternehmen stellt das Re:cycle in Hamburg vor

Ein schöner Werbegag: Trinkt mehr Kaffee aus Alukapseln, dann tut ihr was für die Umwelt und die armen Kinder in der „Dritten Welt“. Doch Lügen haben kurze Beine: Am gleichen Tag, als Nespresso sein Re:cycle vorstellte, waren wir als Besuchergruppe in der MVB Borsigstraße Zeuge, wie eine komplette Lkw-Ladung Kaffeepads in den Müllbunker abgekippt wurde. Von dort ging es in den Ofen, wo das Metall samt Inhalt bei ca. 1100 Grad eingeschmolzen wurde. Auch im Recycling für das Fahrrad müssen Kaffeemehl und Kapseln voneinander getrennt und das Aluminium geschmolzen werden, was viel Energie kostet. Und: Wenn der Kaffee in Ghana zu fairen Bedingungen produziert und verkauft werden kann, dann wären die ghanaischen Schulmädchen nicht auf milde Gaben (Kinderfahrräder) der multinationalen Kaffeekonzerne angewiesen. Fazit: Der Kauf von fair gehandeltem Kaffee in Beuteln dient Umwelt und „Dritter Welt“ mehr als Mogelpackungen.

Jürgen Beeck, Hamburg

Kosten spielen keine Rolle

16. August: Eine Straße für 295 Millionen Euro. Nach elf Jahren Planung soll am 7. Oktober der Verkehr über die neue Wilhelmsburger Reichsstraße rollen

Wenn es um Straßen geht, spielen Kosten keine Rolle. Auch wenn eine Bündelung von Straßen- und Schienenwegen Sinn macht, ein Ausbau der neuen Wilhelmsburger Reichsstraße auf vollen Autobahnstandard war nicht nötig. So wird nur Stauumfahrungsverkehr von der A1 angezogen und angesichts der notorischen Probleme auf der S3 neuer (Auto-)Pendlerverkehr generiert. Aber eine Kostensteigerung um nahezu das Fünffache ist ein Skandal. Für eine Verlängerung der U4 nach Wilhelmsburg ist kein Geld vorhanden, für überdimensionierten Straßenbau aber schon. So wird nun heute wieder ein Dinosaurier-Projekt von vorgestern eingeweiht, was nicht so recht in die Zeiten des Klimawandels passt.

Michael Jung, Hamburg

Realität sieht anders aus

16. August: Scheuers Verkehrswende. Der Minister ändert die Straßenverkehrsordnung: Höhere Bußgelder für Autofahrer und mehr Platz fürs Rad

Nun reicht es mit Herrn Scheuer. Busbeschleunigung sieht anders aus. Ich stelle mir die Realität z.B. am Dammtor von der Edmund-Siemers-Allee aus vor: Die Roller fahren mit 20 km/h von der mittigen Busspur auf den rechtsseitigen Radweg, quer durch zwei belegte Kfz-Fahrspuren. Dieser ausgemachte Blödsinn sollte überhaupt nicht diskutiert werden. Und ebenso auch die Freigabe für Pkw mit drei Insassen. In der USA ging bei einer derartigen Beschränkung auf den Highways der Umsatz an Schaufensterpuppen o. ä. als „Mitfahrer“ nach oben, bis der Unsinn eingestellt wurde.

Dr. Jürgen Koch, Holm

SUVs sichern Arbeitsplätze

7. August: Umweltamt will SUV verteuern und 8. August: Leserbrief: Der Protest ist überfällig

Der Schreiber hat Probleme zwischen einem SUV und einem Geländewagen zu unterscheiden. (KBA Flensburg gibt Auskunft) Ich fahre seit Jahren einen Audi Q5 . Dieser Wagen hat eine ganz normale Maschine wie andere Audi Modelle auch. Ich finde es nicht richtig, dass das Hamburger Abendblatt teilweise in Berichten oder in Leserbriefen gegen diese Autos, die viele Arbeitsplätze sichern, wettert. Ich wünsche mir vom Hamburger Abendblatt doch mehr Objektivität und Sachlichkeit bei der Berichterstattung.

Wolfgang Köbke