Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. August 2019

Bei Verspätung Geld fürs Taxi

15. August: HVV-Kunden erhalten Geld bei Verspätung einfacher zurück. Handy-App soll Formular ersetzen. Bei mehr als 20 Minuten Verzögerung wird die Hälfte des Fahrpreises erstattet

Ich nutze regelmäßig die Linie S3 auf dem südlichen Streckenabschnitt. Immer wieder ist die Frage spannend, wie viel Verspätung der Zug hat, bzw. ob er überhaupt kommt. Und dann das Erlebnis beim Busanschluss: Obwohl der Fahrer die einfahrende S-Bahn sehen kann, fährt er oft sekundengenau ab und transportiert dann nur warme Luft. Nein, nicht immer: Wenn die Bahn pünktlich ist und man an der Haltestelle im Regen steht, wird gerne noch die Zeitungslektüre zu Ende gelesen, auch wenn der Bus dadurch dann einige Minuten Verspätung bekommt. Nur wenige Busfahrer sind so nett, bei Verspätungen zu warten. Ich habe es inzwischen aufgegeben, jedesmal die Erstattung (ein Euro für Zeitkarteninhaber) zu beantragen. Der Vorgang ist momentan viel zu kompliziert. Insofern könnte da die angekündigte App tatsächlich eine Verbesserung bringen. Noch besser wäre es allerdings, wenn man sich ernsthaft um mehr Pünktlichkeit bemühen würde. Zum Vergleich: Ich bin ab und zu in Oslo, dort gibt es ebenfalls eine Pünktlichkeitsgarantie. Bei einer Verspätung von mehr als 20 Minuten oder bei verpasstem Anschluss aufgrund einer Verspätung hat man das Recht, im Wert von 550 Kronen (zurzeit ca. 55 Euro) eine Taxifahrt zu beanspruchen.

Jens Plawer, Neu Wulmstorf

Kinderlied mit neuem Text

15. August: Vom Kinderlied zum Koffein-Junkie. ,C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Caffee!‘ sangen wir einst im Chor. Genützt hat es nichts

Die Melodie, vor allem als Kanon gesungen, ist wunderschön, der Text unerträglich. Nicht mehr singen? Wäre schade. Ich habe umgedichtet und so singt mein Chor nun ohne rassistischen Beigeschmack:

„C-a-f-f-e-e

Wer trinkt nicht gern Kaffee?!

Steht die Kanne auf dem Frühstückstisch

und der Kaffee duftet herrlich frisch,

schenk dir ein Tässchen ein,

gleich wirst du munter sein.“

Na bitte, geht doch!

Dr. Irene Strenge, Hamburg

Radfahrer fahren ohne Regeln

14. August: Autofrei-Projekt startet mit Fest. Am 1. September gibt es ein Picknick rund um den Spritzenplatz in Ottensen

Schon in der heutigen Fußgängerzone der Ottensener Hauptstraße fahren viele Radfahrer ohne irgendwelche Regeln zu beachten mitten durch die Fußgänger. Auch als in den letzten Tagen jeweils eine Gruppe von fünf oder sechs Polizisten durch die Straße ging, stiegen nur die Radfahrer ab, denen die Beamten ein Handzeichen gaben und auch das nur, wenn es wahrgenommen wurde. Führten die Polizisten ein Gespräch mit einem Passanten oder untereinander, so fuhren Radler unbehelligt vorbei, oftmals ziemlich nahe. Wenn das schon in dem jetzigen kleinen Bereich so zugeht, wie will man die ausgeweitete „Flaniermeile“ sichern? Hier liegt es wohl auch daran, dass viele Radfahrer die Verkehrsschilder nicht wahrnehmen. Sie sind nämlich an der jetzigen Fußgängerzone nicht gut zu erkennen. Aber auch an anderen Stellen werden Regeln nicht beachtet, die eigentlich klar sein müssten: Auf Fußwegen fahren Räder in beiden Fahrtrichtungen, Ampeln werden nicht beachtet, an Bushaltestellen fahren manche Radler weiter, statt für das Aus- und Einsteigen anzuhalten. Das sind leider nicht nur Einzelfälle. Neuerdings beteiligen sich auch die meisten E-Roller-Fahrer daran. Ein Projekt wie „Ottensen macht Platz“ ist nur weiterführend, wenn die Achtung der grundlegenden Verkehrsregeln durchgesetzt werden kann.

Ulf Priemer

Frische Luft schafft Qualität

14. August: Leserbrief: Qualvolle Busfahrt und 12. August: Pro und Kontra: Soll die Hamburger Innenstadt autofrei werden?

Ich kann die Meinung des Lesers nicht nachvollziehen. Wieso bedeutet Zufußgehen keine Lebensqualität? Man ist an der frischen Luft, tut sehr viel für die Gesundheit (wird jeder Arzt bestätigen), schont das Klima, und es macht Spaß. Besser jedenfalls, als jede Strecke mit dem Auto zurückzulegen.

Thomas Albrecht

Grüne opfern ihre Ideale

14. August: So wollen die Grünen den Wald retten. Eine Milliarde Euro als erste Finanzspritze

Den Wald zu retten, ist ein großes Ziel. Er trägt nicht nur zur Umwandlung von CO² bei, sondern hilft zusätzlich auch noch, die ohnehin schon gefährdete Artenvielfalt unserer heimischen Tierwelt in den Wäldern zu schützen. Hierfür einen „Waldzukunftsfond“ von einer Milliarde Euro aufzulegen, ist eine tolle Idee. Jedoch stelle ich mir die Frage, warum denn gerade alter Waldbestand, der ja eine Menge Kohlenstoff gespeichert hat, für einen Windpark im Reinhardswald in Hessen geopfert werden muss. Es kann doch nicht sein, dass auf der einen Seite der subventionierte Ausbau der Windkraft zu Lasten des Waldes und der darin befindlichen Tierwelt geht und auf der anderen Seite nach subventionierter Aufforstung an anderer Stelle geschrien wird. Unsere mittlerweile „weichgespülten“ grünen Politiker sollten sich auf die Werte besinnen, für die sie einmal angetreten sind, aber so ist die „große Politik“ eben, ohne Mehrheit darf man nicht mitspielen, dafür opfert man schon gerne mal seine Werte, wie im Fall der geplanten Abholzungen im Reinhardswald. Zur Not regelt man die „Wiedergutmachung“ am Ende über Subventionen aus dem Steuersäckchen, nur dass dann die Steuerzahler zweimal zur Kasse gebeten wurden. Noch stehen die Bäume im Reinhardswald. Das Geld für diese Aufforstung könnte also gespart werden.

Stefan Horwege

Steuerschlupflöcher stopfen

12. August: Wer jetzt noch Soli zahlen muss. Finanzminister Scholz will aus einer Abgabe für den Osten eine Reichensteuer machen. Kommt er damit durch?

Als 1991 nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Solidaritätszuschlag eingeführt wurde, waren die Menschen gerne bereit, für einen bestimmten Zeitraum eine Extra-Steuer zu entrichten, um den Aufbau in den neuen Bundesländern zu unterstützen. Dieser Zeitraum ist längst überschritten und die Milliardeneinnahmen dafür werden längst zweckentfremdet verwendet. Nun verspricht der Finanzminister Olaf Scholz auf Druck anderer Parteien und längst überfällig, den „Soli“ langsam teilweise abzubauen und nur noch von den Besserverdienenden zu erheben. Wohl auch, weil die Umfragewerte der SPD im Keller sind. Diese Ungleichbehandlung der Steuerzahler ist wohl kaum verfassungskonform. Wie wäre es, wenn der Finanzminister endlich dazu käme, Steuerschlupflöcher zu stopfen, die es seit Jahren multinationalen Konzernen ermöglichen, mit Hilfe von internationalen Beraterfirmen die Steuerkassen zu plündern und die Steuerzahler um Milliarden zu erleichtern? Dass diese Firmen auch die Politik beraten und diese Plünderei unter den Augen der Politiker stattfindet, ist besonders perfide.

Karin Lesser, Hamburg-Rissen

Frieden durch Gleichgewicht

10./11. August: Zieht Trump US-Truppen aus Deutschland ab?

Ich habe 1962 als Heranwachsender die Kubakrise miterlebt. Die Welt stand damals wirklich kurz vor dem Ausbruch eines Atomkrieges, es fehlte lediglich der Zündfunke. Die Großmächte haben sich mit einem Gemisch aus Drohungen und Diplomatie aus dieser bedrohlichen Lage herausmanövriert. Insbesondere Nikita Chruschtschow dürfte erkannt haben, dass er zu weit gegangen war. Von dieser Zeit an haben sich die USA und die UdSSR nie wieder so weit vorgewagt, sondern das atomare Gleichgewicht hat uns über 70 Jahre lang den Frieden in Mitteleuropa bewahrt – abgesehen vom Balkankrieg, den Serbien vom Zaun brechen konnte, weil klar war, dass keine Atomwaffen zum Einsatz kommen würden. Ich halte es für einen Fehler, auf die Atomwaffen der USA verzichten zu wollen, auch bei uns in Deutschland-

Dr. Gerhard Diercks