Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. Juli 2019

Sanktionen vermeiden Unfälle

30. Juli: Viele Stellen unbesetzt: Polizei hat zu wenig Personal für Verkehrskontrollen. Überhöhte Geschwindigkeit, rote Ampeln missachtet – kommen Hamburger Autofahrer davon, weil Beamte fehlen?

Es ist ein Graus, was man allein in einer Stunde an einem normalen Verkehrsknotenpunkt etwa in Eppendorf erleben kann. Und wann sieht man jemals einen Polizisten auf der Straße? Gern auch mal in Zivil. Die wirkliche Ursache liegt in einem eklatanten Behördenversagen, bis hinauf zum Senat. So wird sogar intern die Altersstruktur bei der Polizei beklagt. Unbekannt? Konnte seit vielen Jahren mit dem kleinen Einmaleins erkannt werden. Polizeiabordnung zu den Verkehrsunfalldiensten hat Vorrang? Nicht nötig, wenn durch Kontrollen und harte Sanktionen Unfälle verhindert werden würden, durch ein hohes Bußgeld und Führerscheinentzug, der niemals kontrolliert wird. In der Vermeidung von Unfällen und Verstößen liegt doch die Aufgabe der Verkehrspolizei. Alles unbekannt in Behörden und Politik?

Dieter Brandes, Hamburg

Bahnfahrt dauert zu lang

30. Juli: Timmendorf – das Nizza des Nordens. Erste Station des Strandreporters: Ein trubeliges, modebewusstes Ostseebad, das stolz auf Promis ist – und genervt von Falschparkern

Ich kann gut verstehen, dass die Timmendorfer von Falschparkern genervt sind. Wir wollten schon mehrmals mit der Bahn von Hamburg aus dorthin fahren. Als wir aber festgestellt haben, dass die Fahrzeit eine gute halbe Stunde länger ist als mit dem Auto, haben wir es wieder verworfen. Warum bietet die Bahn nicht eine Verbindung ohne Umsteigen an? Dann würden sicherlich mehr Besucher auf das Auto verzichten. Wir sofort!

Nils-Christian Cremer, Hamburg

Es wird immer nur geredet...

30. Juli: Klimaschutz ins Grundgesetz? Schulze unterstützt Söder. Bahnchef Lutz verspricht: Würden Senkung der Mehrwertsteuer für Zugtickets an die Kunden weitergeben

Es ist richtig, dass wir das Klima schützen müssen. Aber unsere Regierungen – auch die Grünen – reden und reden seit Jahren bzw Jahrzehnten (siehe Bundesdelegierten-Versammlung der Grünen von 1998). Solange Staaten wie Brasilien, China, Russland, Indien, Indonesien Wälder und Regenwälder abholzen oder brandroden, Industriestaaten das veränderte Klima leugnen, in deutschen Städten zu Gunsten des Wohnungsbaus und der Infrastruktur große gesunde Bäume gefällt und Grünflächen versiegelt werden, weltweit Müll nicht korrekt entsorgt, sondern einfach nur woanders hin verfrachtet wird und der ÖPNV nicht attraktiver wird, so lange können wir soviel Steuern oder Abgaben zahlen wie wir wollen, die Luft wird nicht besser, der CO2-Gehalt nicht weniger. Da nützt auch kein Grundgesetz.

Natascha Althoff

Gift fürs menschliche Klima

29. Juli: Modegefühl ,Flugscham‘. Debatte über das Reisen geht an wichtigen Fragen vorbei

Vielen Dank für diesen Kommentar! Aufgewachsen in den 50er-Jahren, in denen das „Schäm dich!“ ein verbreitetes Erziehungsmittel war, löst die Aufforderung, mich für ein Verhalten schämen zu sollen, eher Aversionen aus. Aus den diversen Dilemmas und Fallen der Klimaproblematik werden wir nicht herausfinden, wenn wir mit Fingern aufeinander zeigen, weil der andere etwas tut, worauf ich ohnehin gut verzichten kann. Diese Herangehensweise verdeckt eher das wirkliche Ausmaß der anstehenden Fragen: Welche Energieformen reduzieren die Klimaschäden und wie kann Energie effizienter genutzt werden – und zwar ohne erst jetzt aufstrebende Länder zum Dauerverzicht zu verurteilen? Wie verändern wir unsere Produktionsweise? Welche Klimafolgen hat die Digitalisierung, deren Hardware zum großen Teil in Ländern mit geringeren Umwelt- und Arbeitsstandards produziert, über weite Strecken transportiert und in immer kürzeren Zyklen erneuert wird? Wie kommen wir zu anderen Prioritäten als Fleischgewinnung in der Nahrungsmittelproduktion? Und nicht zuletzt: Wie viel Zeit vergeht, ehe neue umweltfreundliche Infrastrukturen CO2 einsparen, wenn man die Emissionen ihrer Herstellung mit einrechnet? Dies sind nur ein paar von etlichen Fragen, die zeigen: Die wirklich wirksamen Stellschrauben werden tiefgreifende Auswirkungen auf uns alle haben, denen sich niemand entziehen kann. Dazu sind politisch verantwortete Strukturwandel erheblichen Ausmaßes erforderlich. Diese einzufordern und nach Möglichkeiten eigene – immer unvollkommene – Zeichen zu setzen, ist richtig. Auf den Nachbarn wegen seiner Flugreise zu zeigen, vergiftet nur unser eigenes – menschliches – Klima.

Thomas Brandes

Verbote sind sinnlos

29. Juli: Kommt jetzt das Ende der Inlandsflüge? Politiker von Grünen, Union und SPD wollen das Bahnfahren unschlagbar günstig machen. Kritik an Linken-Chef Riexingers Vorschlag, Fluggesellschaften zu verstaatlichen

Hysterie pur! Inlandsflüge spielen eine so geringe Rolle in der CO2-Bilanz und dafür so eine Aufregung, so viele Äußerungen von so vielen Politikern, entlarvend und beschämend. Wie wäre es denn, wenn man erst einmal damit anfangen würde, das Bahnfahren attraktiver zu machen, zum Beispiel durch Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, funktionierende Klimaanlagen und Bordrestaurants? Da es heute schon nicht funktioniert, wie soll die Bahn die zusätzlichen Passagiere, die heute fliegen, befördern? Inlandsflüge zu verbieten ist nicht sinnvoll, da es nichts bringt. Hört sich aber gut an. Die Krönung ist die Forderung der Linken nach Verstaatlichung. Nicht zu fassen. Übrigens – wie allgemein bekannt, beträgt der Anteil der Bundesrepublik Deutschland am Gesamt-CO2-Ausstoß der Welt gerade einmal zwei Prozent. Selbst wenn also die gesamte BRD klimaneutral leben würde, würde es sich so gut wie nicht bemerkbar machen. Noch Fragen?

Gerhard Maack, Hamburg

Schluss mit Harley Days

27./28. Juli: Tourismus-Chef: Harley Days und Schlagermove müssen bleiben – Michael Otremba verteidigt Großveranstaltungen in Hamburg

Für Herrn Otremba ist Hamburg eine Spielwiese für den Tourismus. Das ist falsch. Hamburg ist für die Anwohnerinnen und Anwohner immer noch eine liebens- und lebenswerte Stadt. Ich würde mich freuen, wenn viele Menschen sich zusammenfinden würden, um Herrn Otremba mal klar zu machen, dass seine Ansichten für uns, die wir hier leben, arbeiten und wohnen, völlig irrelevant sind. Deshalb sollte nun Schluss sein mit Harley Days und anderen Veranstaltungen, die sich vor dem Hintergrund von Lärm- und Umweltbelastungen, einfach überlebt haben. Auch sollten zukünftig freie und freiwerdende Grundstücke für den Wohnungsbau genutzt werden. Hotels gibt es in ausreichender Anzahl.

Jutta Kodrzynski

Macht die Stadt liebenswert!

29. Juli: Grüne Fassaden sollen Hitze entgegenwirken

Das Rad muss nicht noch einmal erfunden werden. Es gibt viele Beispiele in Europa, wo die Idee der „Green Walls“ realisiert wurde, unterlegt mit sachdienlichen Informationen. Man schaue zum Beispiel nach Wien, Mailand, Madrid. Namen wie Hundertwasser, Patrick Blanc, Stefano Boeri, Matteo Thun – Kapazitäten im Bereich der „Grünen Architektur“ – zeigen auf, wie gesunde Architektur (auch einschließlich der vertikalen Gärten) den stupiden Ideen von Architekturschaffenden entgegenstehen kann. Man denke dabei in Hamburg an die Klötzchenbauweise, an langweilige und an Ästhetik arme Gestaltungen aus Stahl und Beton, einfältige Glaseinbauten. Werte Politiker und Politikerinnen, Entscheider, Planer und Wohnungsbaugesellschaften, trennt Euch von dem stupiden Häuserbau. Macht die Stadt liebenswert – die Menschen sollen sich freuen über eine schöne Stadt mit entsprechend erfüllender Architektur – auf dass die Seelen der Menschen sich wohlfühlen mögen.

Erich Meyer, Hamburg-Mitte