Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. Juli 2019

Den Stadtrand vergessen

25. Juli: Moia braucht 800 weitere Sammeltaxi-Fahrer. Werden die Straßen dadurch entlastet?

Alle Hamburger können jetzt ganz einfach per Leihrad, E-Scooter, Carsharing oder Ridesharing jederzeit von A nach B kommen. Leider haben die Planer anscheinend den Rand der Stadt vergessen, oder ganz bewusst nicht eingeplant. Von Billstedt bis nach Ohlstedt ist kaum eines dieser tollen neuen Angebote zu nutzen. Im Bereich um die Innenstadt zwischen Altona und Wandsbek stolpert man dagegen alle paar Meter über ein Mietrad oder einen E-Scooter. Das Potenzial der ca. 200.000 Bürger (etwa 15 Prozent) dieser Stadt bleibt einfach ungenutzt. Aber gerade hier würden sich Alternativen zum eigenen Auto und dem dünnen HVV-Netz lohnen. Die täglichen Entfernungen sind hier in der Regel so groß, dass viele dann doch ein zweites Auto haben. Hier könnte es einen größeren Anreize geben, diese zu kompensieren. Zuletzt bezahlen ja auch diese Bürger der Stadt Hamburg mit ihren Gebühren, Steuern und HVV-Tickets die Subventionen für diese Angebote ohne die realistische Möglichkeit der eigenen Nutzung. Ein Mobilitätskonzept für die ganze Stadt Hamburg sieht jedenfalls anders aus.

Stephan Klöckner, Rahlstedt

AKK braucht Zeit

25. Juli: Was AKK uns sagen will. Nach ihrer Vereidigung umgarnt die neue Verteidigungsministerin die Bundeswehr und fordert die SPD heraus

Tolles Foto! Die Begeisterung über diese Personalentscheidung steht in allen Gesichtern geschrieben. Vor allem die Minister Scholz und Heil schauen besonders „erfreut“ aus. Lasst AKK doch erst mal die Zeit, in der Bundeswehr und deren Verwaltung die Ordnung zu schaffen, die für eine produktive Arbeit nötig ist. Eingefahrene Gleise von Missmanagement lassen sich nicht kurzfristig in Ordnung bringen. Packen wir es an!

Dr. Jürgen Koch, Holm

Gebühr bei Flugantritt

24. Juli: ,Wir nehmen den Klimaschutz ernst‘. Der Präsident des Bundesverbands der Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Dieter Scheurle, über Flugscham und den Kampf gegen die Erderwärmung

Wenn nach Aussage des Präsidenten der Luftverkehrsgesellschaft Scheurle nur ein verschwindend geringer Anteil der Passagiere bereit ist, bei einen Aufpreis für die Klimawirkung ihrer Flüge auf das Fliegen zu verzichten, dann sollte man daraus schnellstmöglich einen finanziellen Nutzen ziehen. Und zwar nicht durch langes herumbasteln an einer Co2-Steuer für alle möglichen Verursacher, bei der dann wieder nur die mit dem geringsten Ausstoß wegen ihrer Zahlenmäßigkeit am meisten belastet werden, sondern nur die direkten Verursacher. Und das könnte ohne zeitlichen und bürokratischen Aufwand am besten durch eine Abgabe bei Antritt der Flüge erreicht werden. In Anlehnung an die einmal erhobene Praxisgebühr im Gesundheitswesen, zu zahlen beim Abflug. Für einen Inlandsflug zehn Euro, einen Europaflug 20 Euro und alle Flüge darüber hinaus 50 Euro pro Passagier. Dafür würden, wie schon vorhergesagt, nur wenige Passagiere auf Flüge verzichten, aber mit diesen direkten Einnahmen wäre im Bereich Klimaschutz schon etwas zu bewirken. Das sollte zumindest solange geschehen, bis der Bundesfinanzminister endlich bereit wäre, Flugbenzin wie Autobenzin zu besteuern.

Helmut von Binzer, Hamburg

Urlaub und Klimaschutz

Neulich in bester Hamburger Wohnlage, Gartenkaffee mit Blick auf Schwanenteich. Die Familie sitzt bei einem Salat und einem Kaltgetränk, plaudert mit den Teenager-Kindern über dies und das und vor allem über die nächsten Monate. Zur Freundin nach Griechenland geht es, zum Shoppen und Sightseeing nach Paris und natürlich im Sommer nach USA, das ist doch klar. Und Sylvester? Da wäre es doch toll, wenn sich die ganze Familie auf Mallorca trifft. Ich überlege noch, mich mit der Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Reisetätigkeiten unbeliebt zu machen, steige auf mein Rad und fahre grübelnd nach Hause. Sie nehmen den Klimaschutz ernst, bestimmt. Nur eben nicht bei sich selbst.

Sven Jürisch

Millionen versenkt

24. Juli: Nach 17 Jahren Streit – jetzt startet die Elbvertiefung. Bauprojekt kostet etwa so viel wie Elbphilharmonie‘

Es wäre so einfach gewesen, ohne Umweltschäden, Baggern und ohne jahrelange Beeinträchtigung des Schifffahrtverkehrs auch weiterhin den Hafen Hamburg „nach vorne“ zu bringen. Und wer da an 2021 glaubt, der hat auch an die Elbphilharmonie geglaubt. Man kann es kaum glauben, dass man einem Verkehrsminister derartige Narrenfreiheit gibt, Millionen Steuergelder zu versenken. Sinnvoller wäre es gewesen, die Infrastruktur vom JadeWeserPort auszubauen, der für die großen Containerschiffe ideal gelegen ist. Von dort aus kann man den Hafen Hamburg anbinden, Duisburg würde davon profitieren und Feederschiffe erreichen Skandinavien, Ostdeutschland und die Baltischen Staaten. Langfristig ist das die bessere Lösung, denn die Größe der Containerschiffe lässt sich nicht aufhalten und in zwei Jahren ist die Elbvertiefung schon wieder überholt.

Peter B. Sanden, Oldenburg

Noch ein Umweltproblem

24. Juli: Hamburg sollte dem Spuk mit den E-Scootern ein Ende machen

Was für ein Schwachsinn, für die bisher erkennbaren Kurzstrecken nun auf E-Scooter zu setzen, anstatt die umweltfreundlichste aller Fortbewegungsarten zu nutzen und zu Fuß zu gehen. Wem das zu anstrengend ist, kann immerhin auf das ökologisch ähnlich sinnvolle Fortbewegungsmittel Fahrrad zurückgreifen – hier haben wir zwar schon einen gewissen Materialeinsatz mit entsprechendem Ressourcenverbrauch, aber das Fahrrad erreicht eine deutlich höhere Standzeit als die E-Scooter, die bereits nach wenigen Wochen Betriebszeit ausgetauscht werden müssen. Wem auch das Fahrrad zu anstrengend ist, dem steht zumindest im Innenstadtbereich und Einzugsbereich touristischer Ziele, eine Vielzahl von öffentlichen Verkehrsmitteln zur Verfügung, die ein bequemes Erreichen der Ziele ermöglichen. Ich kann den so oft reklamierten positiven Effekt für unsere Umwelt nicht erkennen – mit jedem neuen E-Scooter werden wieder wertvolle und knappe Rohstoffe verbraucht, die zum größten Teil unter katastrophalen Bedingungen gefördert werden. Hinzu kommt, dass ein Großteil der E-Scooter nach Produktion um die halbe Welt transportiert werden, bevor sie ihren Bestimmungsort erreichen. Es wäre schön, wenn in der Thematik am Ende nicht nur eine weitere Vermüllung der Stadt erkennbar wird. Bis zur Erkenntnis der sinnvollen Nutzung von E-Scootern wird es wohl noch etwas Zeit brauchen – wenn der E-Scooter allerdings nur den Weg zu Fuß ersetzt, dann haben wir uns ein zusätzliches Umweltproblem geschaffen.

Peter Lenk, Hamburg

Vorbefunde nur in Papierform

19. Juli: Asklepios attackiert das UKE. Streit geht um gemeinsame digitale Plattform zum Austausch von Patientendaten

Bei Asklepios in Rissen war es in diesem Jahr immer noch nicht möglich, von einer Station (Chirurgie) auf die Akten einer anderen (Innere) zuzugreifen. Vorbefunde sollten bitte in Papierform mitgebracht werden. Eine Vollmacht für ein Elternteil, die ich im Januar 2019 und noch mal im Februar vorgelegt habe, ist im April nicht im System. Einige Pfleger haben mich wiedererkannt und mit Namen angesprochen – aber ohne Vollmacht dürften sie keine Auskünfte geben. Obwohl ich direkt vor dem Pflegepersonal stand und sämtliche persönliche Daten, einschließlich vorheriger Aufenthalte/Diagnosen, nennen konnte und einen Perso vorlegt habe, wurde mir die Auskunft verweigert, bis ich von Zuhause (hin und zurück 14 km) die Papier-Vollmacht geholt habe und sie zum dritten Mal in diesem Jahr eingescannt und ausgedruckt wurde. Meine Vollmacht vom Smartphone an die Station zu senden, war leider nicht möglich, die Ausreden: Mailadresse der Station nicht bekannt, Mails können nicht in die EDV integriert werden. Kein Wunder, dass Deutschland in der Digitalisierung hinterherhinkt.

Nanea Taylor