Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Juli 2019

Schwer verdaulicher Inhalt

12. Juli: Haspa-Kunden können nun mit Handy zahlen. Für 700.000 Hamburger mit einem Joker-Konto der Sparkasse ist die neue Technik nutzbar. Andere Banken waren schneller

Neben der guten Nachricht im Hamburger Abendblatt für 700.000 Haspa-Kunden nun auch kontaktlos mit dem Smartphone bezahlen zu können, informiert die Sparkasse zeitgleich per Post ihre Kunden auf insgesamt 20 Seiten umständlich mit schwer verdaulichem Inhalt zur „Änderung der Bedingungen für das Online-Banking und Einführung ergänzender Bedingungen für digitale Karten mit individualisierten Authentifizierungsverfahren zum 14. September 2019“. Eine Zumutung vor allem für viele ältere und weniger mit Bürokratie vertraute Kunden. Die Haspa-Entscheider hätten stattdessen eine für alle schnell nachvollziehbare „Light“-Version auf zwei bis drei Seiten mit den wichtigsten Inhalten der neuen Bestimmungen zusammenfassen (lassen) sollen. Zugleich hätte es genügt, wenn nur auf die ausführlichen und natürlich kleingedruckten Bedingungen zum detaillierten Nachlesen hingewiesen worden wäre. So darf der geneigte Kunde unter anderem auf vier Seiten die Bedingungen für das Online-Banking in der Fassung vom 13. Januar 2018 mit allen Streichungen, Ergänzungen und Änderungen mit denen zum 14. September 2019 gültigen vergleichen. Wohl dem, der sonst nichts zu tun hat. Außerdem sind ja Ferien. Da ist die ausführliche Haspa-Lektüre ganz bestimmt ein Hochgenuss.

Frank Binder, Ahrensburg

Keine politische Kategorie

3. Juli: Leitartikel: Deutscher und weiblicher. Ursula von der Leyen bringt als EU-Kommissionspräsidentin alle Fähigkeiten mit

Wir halten den Begriff Ihres Leitartikels „deutsch und weiblich“ für keine politische Kategorie. Diese scheint eher geeignet für die Leitung eines überörtlichen Heimatvereins u. ä. zu sein. Mit dieser sehr eigenwilligen Sichtweise Ihres Leitartiklers, Herrn Quoos könnten sich ca. zehn Millionen deutsche Frauen berufen fühlen, die Leitung der EU-Kommission in Brüssel zu übernehmen. Dass die derzeitige Bewerberin, ausschließlich aus beruflichen Gründen des Vaters, Herrn Ernst Albrecht in Brüssel geboren wurde, mag für Journalisten eine bedeutsame Metapher sein, für uns „Wähler und Normalbürger in der EU“ eher nicht. Für uns zählt Leistung und Integrität und Glaubwürdigkeit; unabhängig von Geschlecht und Staatszugehörigkeit.

Wolfgang Meier, Pinneberg

Ein markantes Original!

13. Juli: Ist die Cremonbrücke noch zu retten? Willy-Brandt-Straße: Denkmalverein macht sich stark für den bedrohten Bau. Designerin Ulrike Krages schlägt neue Farbgebung vor

Ich mag skurrile Bauten. Sie widersetzen sich dem gängigen Schönheitsideal, stehen eigenartig herum, bleiben aber im Gedächtnis und schaffen Orientierung. Ein solches Ding ist diese Brücke, die wie eine Krake die Straße quert, entstanden Anfang der 80er-Jahre, um die Menschen der „autogerechten Stadt“ heil von A nach B zu bringen. Ich benutze sie immer wieder gerne, die „höhere Ebene“ bietet eine andere Perspektive. Das berechtigte Streben nach besseren Stadtmodellen kann nicht bedeuten, solche originellen Zeitzeugen nach und nach zu beseitigen. Wir entledigen uns ihrer aus vermeintlich wirtschaftlichen oder ästhetischen Gründen. Dabei spiegeln sie doch die Gesellschaft ihrer Zeit wieder und vermitteln damit ganz unangestrengt Geschichte. Man sollte sich eine Weile Zeit nehmen, ihren Stellenwert zu prüfen, denn: wie armselig sind durchoptimierte Stadträume ohne markante Originale! Hamburg kann zeigen, dass es einen anderen Weg gibt. Die Cremonbrücke muss bleiben.

Ingrid Spengler, Hamburg

Bessere Lösung als ein Tunnel

Fast täglich erfährt man über geplante Abrisse für irgendwelche gesichtslosen Neubauten, die weitgehend auf Ablehnung stoßen. Jetzt ist die Cremonbrücke im Visier der „Abreißer“. Sie mag ja „in die Jahre gekommen“ zu sein, aber ob ein Tunnel in der Nähe einen bessere Option ist, bezweifle ich. Dieser würde sehr lang werden und in Kürze durch Graffiti unansehnlich werden. Im Gegenteil: Es müssten mehr derartige Querungen geschaffen werden, in der City Nord z. B. ist das gut gelöst, leider lässt sich auch hier die Instandhaltung nicht erkennen. Die Vorteile, die der Behördensprecher sieht, also die ebenerdige Querung, kann ich nicht erkennen, steigt doch die Gefahr an den Ampelübergängen erheblich, gerade durch den Abbiegeverkehr. Die Rolltreppen, die wegen fehlender Überdachung der Witterung ausgesetzt sind, könnten ja durch Rampen ersetzt werden – ausreichend Platz dafür vorausgesetzt.

Ulrich Hornig

Therapievielfalt und -freiheit

12. Juli: Wie lange zahlen die Kassen noch? Die Wirksamkeit von Homöopathie ist wissenschaftlich nicht nachweisbar. Andere Länder ziehen daraus Konsequenzen

Nach einer Krankenkassen-Umfrage bei den Versicherten steht der Wunsch nach Homöopathie ganz weit oben. Nun wäre es doch sicher leicht festzustellen, ob Homöopathie-Patienten insgesamt weniger Kosten verursachen und gesünder sind – wie große Beobachtungsstudien das nahelegen. Bereits vor Jahren wurden Erkältungs- und homöopathische Abwehrmittel aus der Erstattung genommen – mit dem Ergebnis, dass noch mehr Antibiotika verschrieben wurden. Das ist so aber keine bessere oder billigere Medizin, zumal es nicht an der Homöopathie liegt, dass unser Gesundheitssystem jeden Tag eine Milliarde Euro kostet. Wir sind Weltmeister im Gelenkersatz, bei Stents und Herzklappenoperationen, leisten uns einen Krankenhaus-Bettenberg, inflationäre Arzneimittelverordnungen bei Antibiotika und Magensäureblockern sowie üppige Honorare für Chefärzte und Kieferorthopäden, die mit fraglich sinnvollen Zahnklammern das Solidarsystem schröpfen dürfen. Gesünder sind die Deutschen deswegen aber nicht. Populismus über Homöopathie ist zwar modern, aber auch meistens Zeichen medizinischer Unwissenheit. Freuen wir uns doch über die medizinische Therapievielfalt und -freiheit.

Nikolas Reichert, Kiel

Kenntnis für den Aktienmarkt

13. Juli: Hamburger KRITiken: Wie die Deutschen verarmen. Der Staat profitiert vom Nullzins, der Sparer zahlt drauf. Langfristig gefährdet diese Umverteilung den Wohlstand

Wieder einmal ein hervorragender Beitrag von Matthias Iken. Dennoch möchte ich in einem Punkt widersprechen. Wer sich am Aktienmarkt nicht auskennt, sollte die Finger davonlassen. Ein Beispiel: Wer vor einiger Zeit BASF oder Deutsche Bank gekauft hat, sieht heute „alt“ aus, weil das jeweilige Management schwere Fehler gemacht hat. Da wohl die meisten Anleger nicht über ausreichend Geld verfügen, um ihre Anlagen breit zu streuen, erhöht sich ihr Risiko und aus Nullzinsen werden reale Verluste. Der Italiener Mario Draghi agiert allein pro domo, da Italien so gut wie Pleite ist. Dass die Regierungen der EU ihn gewähren lassen, hat, wie von Herrn Iken richtig beschrieben, alleine den Grund ihre eigenen Haushalte zu sanieren.

Henning Balasus

Politiker ohne Verantwortung

13. Juli: G-20-Desaster – und niemand musste gehen

In der Politik zu arbeiten, ist nicht immer einfach. Es ist zeitaufwendig und deshalb familienunfreundlich und eine – wie ich bislang glaubte – verantwortungsvolle Aufgabe. Inzwischen bin ich eines Besseren belehrt worden. Verantwortung trägt der Politiker eher wenig oder nicht! Minister Scheuer sitzt weiter fest im Sessel trotz der horrenden Summen, die für die missglückte Maut geflossen sind. Persönlich wird er nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Fehler beim G-20-Gipfel in Hamburg haben den Senatsmitgliedern Scholz (SPD) und Grote (SPD) und den Polizeichefs keine Nachteile eingebracht. Freiwillig ist keiner zurückgetreten; im Gegenteil: Herr Scholz ist ins Bundesministerium gewechselt und hat sich so der Verantwortung entzogen.

Gisela Paulsen