Leserbriefe

Briefe an die Redaktion 13. Juli 2019

An Spekulanten verkauft

11. Juli: Bahn will wieder Wohnungen bauen

170.000 Wohnungen besaß die Deutsche Bahn einst. Diese wurden im Vorfelde der geplanten Bahnprivatisierung vom Bahnvorstand unter Führung von Hartmut Mehdorn und mit tatkräftiger Unterstützung der rot/grünen Bundesregierung Anfang der 2000er-Jahre zu teilweise lächerlich geringen Preise von weniger als 600 Euro/m² an private Immobilienspekulanten verkauft, die heute Deutsche Wohnen und Vonovia heißen. Was damals Trennung von nicht bahnbetriebsnotwendigen Geschäftsfeldern hieß, führt heute dazu, dass die Bahn ihre Kerngeschäftsfelder nicht mehr ordnungsgemäß betreiben kann, weil ihr die Mitarbeiter fehlen – genau aufgrund dieser falschen Politik. Die Frage ist, kann man die Akteure von damals heute noch zur Rechenschaft ziehen oder die Geschäfte rückabwickeln? Gleiches gilt für die Filetgrundstücke der Bahn in den Innenstädten, die die DB AG für einen Pauschalpreis von 60 Euro an Immobilieninvestoren verhökerte und heute von der Stadt, wenn sie dann Sozialwohnungen darauf bauen will, zu Preisen von mehr als EUR 3500 Euro/Quadratmeter zurückkaufen muss, so in der neuen Mitte Altona in Hamburg. Daher muss einem Verkauf weiterer Bahngrundstücke an Private umgehend Einhalt geboten werden.“

Michael Jung, Hamburg

Daraus wurde eine Biermeile

10. Juli: Aus für das Alstervergnügen. Hamburg ist um eine Tradition ärmer

Diese Nachricht löst keine Wehmut bei einem aus, der sich noch an den Gründungsgedanken des Alstervergnügens erinnert, der in diesem Artikel nur unzureichend dargestellt wird. Das Bedauern setzte bereits 1979 ein, als sich das Ursprungskonzept änderte. Das Alstervergnügen war ein Teil des Kulturkonzepts, verantwortet vom Zweiten Bürgermeister und Präses der Behörde für Wissenschaft und Kunst, Dieter Biallas. Im Paket von „Theater der Nationen“ und „Literaturtrubel“. Diese Veranstaltungen rund um das Rathaus dienten dem Zweck, Kultur auf die Straße und dem Bürger nahezubringen. Das Theaterfestival zog auch auswärtige Bühnen an. Unvergessen beim Literaturtrubel die Lesungen im „Spiegelzelt“ auf dem Rathausplatz direkt vor dem Haupteingang, einschließlich der Konzerte von prominenten Liedermachern, deren Texte lyrisches Gewicht hatten. Das Alstervergnügen: auch eine Bühne für Hamburger Theater- und Kultureinrichtungen, die im Zentrum dieses einstigen Projekts standen. Die Gastronomie war der begleitende Rahmen. (...) Aus dem Alstervergnügen als Kulturveranstaltung wurde bald eine Biermeile.

Peter Schmidt, Wedel

Mehr Sportveranstaltungen

Das traditionelle Alstervergnügen überlagerte über Jahre vergleichbare Veranstaltungen in der Innenstadt, explizit an der Binnenalster. Das Bezirksamt verweigerte so zum Beispiel 2013 die weitere Genehmigung für die parallel stattfindende Ruder-Bundesliga-Veranstaltung am Neuen Jungfernstieg. Zu viel ist zu viel, so die Meinung des Bezirksamtes Mitte, das war das Aus. Aufgrund der hohen Sicherheitskosten und der berechtigten Angst vor einem Attentat fand sich nun kein Großinvestor für die Mammutveranstaltung „Alstervergnügen“. Dies bietet die Chance für einen Neuanfang rund um die Binnenalster. Der Hamburger Landesruderverband AAC feiert in diesem Jahr das 175. Gründungsjahr, der Deutsche Ruderverband sucht für das Jahr 2020 dringend einen geeigneten Austragungsort für die Ruder-Bundesliga. Hamburg und der Ruderverband sollten die Chance ergreifen und die Ruder-Bundesliga zurück nach Hamburg holen. Das Bezirksamt sollte dann um diese Veranstaltung herum weitere Wassersport-Aktivitäten genehmigen, zum Beispiel Kanu-Rennen, Schwimmwettkämpfe oder Stand-Up-Paddling.

Gert-Rüdiger Wüstney

Wesentliche Elemente fehlen

10. Juli: 2025 soll die HafenCity (fast) vollendet sein

Die „Vollendung“ der HafenCity kann nicht überzeugen. Zum einen passt der Elbtower in seiner Konzeption nicht mehr in die heutige Zeit, da in anderen Städten wie zum Beispiel New York es mittlerweile aus Klimaschutzgründen verboten ist, derartige Wolkenkratzer mit Glasfassaden zu bauen. Zum anderen bleibt ebenfalls das Problem, dass es den sozialen Zusammenhalt eher schwächt, wenn man direkt neben einem ärmeren Quartier wie der Veddel einen abgeschotteten Prunkbau in symbolischer Form eines Raumschiffes vornehmlich nur für ein reicheres Publikum, wie etwa nach dem Vorbild der Londoner City, errichtet. Deshalb führt die Vision von Hamburgs jüngstem Stadtteil leider in eine komplett falsche Richtung, zumal nach wie vor wesentliche Elemente fehlen, die einen Ort lebenswert machen, wie echte Fußballplätze.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg