Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. Juli 2019

Endstation Volksdorf

9. Juli: Hamburgs Westen bekommt neue S-Bahnlinie und 8. Juli: Warum der Weg in die City oft so lange dauert

Was soll eine U 5, die am Volkspark endet und keinen Anschluss an die S 32 in Lurup hat? Was soll eine U 5, die am Bramfelder Dorfplatz endet? Diese Linie gehört gleich weiter geführt bis zur Haltestelle Farmsen oder besser noch bis Billstedt. Was soll eine U 5 ohne Umsteigemöglichkeit zur S-Bahn am Rübenkamp? Wann kommt endlich der 5-Minuten-Takt ganztägig auf der S 11 (zwischen Ohlsdorf und Blankenese)? Zu Ihrem gestrigen Artikel über die Reisezeiten: Niemand fährt von Sasel mit dem 24er-Bus bis Meiendorfer Weg. Jeder steigt bereits in Volksdorf in die U 1. Auch die anderen Verbindungen zum Hauptbahnhof wurden laienhaft dargestellt und recherchiert.

Ulrich Flamme

Kalt duschen, weniger atmen

6./7. Juli: Schulze: Wer sich klimafreundlich verhält, wird belohnt. Damit es im Klimaschutz vorangeht, soll der Ausstoß von CO2 teurer werden. Wie das aussehen könnte, hat die Umweltministerin nun vorgestellt

Mit wie viel Politiker-Gen muss man eigentlich ausgestattet sein, um zu verstehen, dass durch massive Verteuerung von Brenn- und Treibstoffen sowie durch Umfahren von Messstationen (Dieselfahrverbot), die Luft um uns herum sauberer wird? Werden jetzt Pendler ohne ÖPNV nicht mehr jeden Tag zur Arbeit fahren, Speditionen ihre Fahrten reduzieren oder einstellen und umweltfreundliche Bürger im Winter weniger oder nicht mehr heizen, kalt duschen, versuchen weniger zu atmen, also keinen Sport mehr treiben? Auch durch die jetzt verbreitete, vorgeblich ja wissenschaftlich abgesegnete Aktion der Umweltministerin gibt es dazu keine Fakten. Alles teuer, für viele bald unbezahlbar und schon wird alles gut? Eine Flasche Champagner für den, der auf überzeugende Weise beantworten und erläutern kann: Wie reduziert sich durch die neue Steuer die Schadstoffbelastung, wie wird das zu beweisen sein und bei welchem Nachweis gibt es Rückzahlungen?

Gerhard Klußmeier, Rosengarten

Mieten haben sich angepasst

6./7. Juli: ,Enteignungen können das richtige Mittel sein.‘ Die neue Justiz- und Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) über steigende Mieten, Hass im Internet – und den Streit in der großen Koalition

Die neue Justizministerin schwadroniert genau wie ihre Vorgängerin mit wissenschaftlich abstrahierten Binsenweisheiten. Ein Blick ins Gesetz, und das sollte eine Justizministerin wenigstens können, hätte diese Erkenntnis auch hervorgebracht. Die Frage, warum Wohnungspolitik immer nur zu Lasten der Vermieter betrieben wird, bleibt offen. Wozu Sozialwohnungen bauen, wenn diese kurz nach Bezug von Mietern genutzt werden, die dann aufgrund ihres Einkommens auch auf dem üblichen Wohnungsmarkt zurechtkommen würden. Eine Fehlbelegungsabgabe würde helfen. Der Staat hätte ebenfalls die Möglichkeit, den Wohnraum preiswerter zu gestalten. Er könnte z. B. bei Vermietern, die ihre Wohnung unter acht Euro pro Quadratmeter anbieten, auf die Einkommensteuer dieser Mieten verzichten. Wir hätten Wohnraum in Hülle und Fülle. Nur würde der Flächenverbrauch jedes Einzelnen noch mehr in die Höhe steigen. In Hamburg hat zwischenzeitlich jeder Einwohner im Durchschnitt über 40 m² Wohnfläche zur Verfügung, im Bundesdurchschnitt sogar knapp 50 m², und der Anspruch wächst dank des Gießkannenprinzips unserer Politik maßlos weiter. Dagegen geht kein Naturschützer und keine „fridays-for-future-Generation“ auf die Straße. Einziger Maßstab für die „Horrormieten“ in Hamburg ist und bleibt der wissenschaftlich erstellte Mietenspiegel. Danach ist die Durchschnittsmiete von 1995 bis 2017 um 41,1 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum betrug die Inflationsrate 39,8 Prozent. Die Mieten haben sich damit lediglich der Inflation angepasst. Nur die vielfältigen Anforderungen des Gesetzgebers an den Gebäudebestand leider nicht. Durch ständiges Wiederholen von populistischen Behauptungen werden diese nicht besser und ersetzen auch nicht die Argumentation. Etwas mehr Information und Sachlichkeit wären angebracht.

Heinrich Stüven

Nützt wenig, fühlt sich gut an

5. Juli: Hamburg spart eine Million Wegwerfbecher ein. Das private Pfandsystem Recup ist ein Erfolg. Auch viele Behördenkantinen bieten nur noch Mehrwegtassen an

Der vermeintliche Ökovorteil der Polypropylen-Becher wäscht sich schnell ab, wenn es ans Reinigen geht. Denn gespült werden die Recups in Gastronomiespülmaschinen, die mit Starkstrom betrieben werden, damit in kürzester Zeit Geschirr wieder sauber wird. Dabei verbrauchen diese Geräte so viel Strom, dass sie im Fall der Mehrwegbecher den Nutzen zunichte machen, der durch die Einsparung der Pappbecher entsteht. Fazit: Nützt wenig, fühlt sich aber gut an. Schade, dass dieser Aspekt des Ressourceneinsatzes unter den Tisch fällt und die Cups trotz fragwürdiger Ökobilanz weiter als Erfolgsmodell verkauft werden – dafür ist wohl schon zu viel Geld und politische Energie in die Becher geflossen. Darauf einen Schluck Kaffee aus meinem unkaputtbaren Edelstahl-Thermosbecher von zu Hause.

Charlotte Althammer, Harburg

Wissen Kritiker etwas besser?

6./7. Juli: Hamburger KRITiken: Der deutsche Hochmut. Medienschaffende und Politiker gefallen sich als Moralisierer und Besserwisser – mit fatalen Folgen in Europa

Wer wollte Matthias Iken widersprechen? Recht hat er mit seiner Analyse. Und dennoch ist ein „Aber“ angebracht: Denn das mediale Zeitalter verlockt und verleitet, sich öffentlich zu positionieren. Das offenbart ein Ausmaß an gedanklicher Vielfalt und ist auch Ausdruck eines gut verstandenen Pluralismus. Zurzeit erleben wir eine Blüte der Meinungsäußerung auf Facebook oder Twitter. Ein Begriff wie „shitstorm“ ist zum gängigen Terminus einer Gesellschaft geworden, die das Zeitgeschehen kritisch begleitet und auch den Mut hat, sich zu äußern. Ihr Kern ist immer Kritik, und wer wollte ihre Berechtigung bezweifeln! In Anbetracht einer menschenverachtenden Politik, wie sie der italienische Innenminister Salvini zurzeit praktiziert, kann Schweigen kein probates Mittel sein. Eine solche inhumane Politik muss mit einem Aufschrei der Empörung beantwortet werden. Mit anderen Worten: mit Kritik! Insofern hinkt der Vergleich, den Matthias Iken in seinem Artikel zieht: Ein solches Drama, wie es sich im Mittelmeer vor dem Hafen von Lampedusa abgespielt hat, hätte es in der Nordsee niemals gegeben! Wäre es geschehen, hätte sich jeder humanitär denkende Mensch über italienische Aktivisten gefreut, die Hamburger Hafengesetze gebrochen hätten. Man kann die öffentlichen Aktionen und Äußerungen, die es in Deutschland gegeben hat, zwar als Besserwisserei betiteln. Aber ist das nicht ein Wesenszug der Kritik, dass der Kritiker glaubt, etwas besser zu wissen? Ulrich Kulicke, Stade

Wie man in den Wald ruft...

4. Juli: ,Die Hamburger machen sich nicht gern nackig‘

Ich habe noch nie in meinem Leben einen Leserbrief geschrieben, aber jetzt muss ich es tun! Ich bin Schweizerin, in der Nähe von Zürich geboren und aufgewachsen, und ich lebe schon seit fast 40 Jahren in Hamburg, seit 20 Jahren sogar in dem Multikulti-Stadtteil Harburg und wehre mich vehement gegen die Meinung von Herrn Maurer. Es ist geradezu lächerlich, Zürich mit Hamburg vergleichen zu wollen. Beide Städte haben ihren Charme, in Zürich geht alles etwas gemächlicher zu und das Bergpanorama in der Ferne ist wirklich schön und alles ist unfassbar teuer. Hamburg ist viel größer, hat viel mehr Probleme, vieles ist noch zu tun. Es ist eine wunderbare weltoffene Stadt, in der ich mich zu Hause fühle. Das Kulturangebot ist sehr, sehr groß und vielfältig auch außerhalb der Elbphilharmonie oder gerade da, man muss halt die Augen und Ohren aufmachen. Ich habe sehr viele nette Menschen kennengelernt und viele Freundschaften geschlossen mit Menschen aus allen Stadtteilen. Wenn ich mal in Eppendorf bin, finde ich, dass viele Hamburgerinnen sehr hübsch gekleidet sind. Vielleicht ist das so: Wie man in den Wald hineinruft...

Monique Grote-Aeschmann, Harburg