Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. Juli 2019

Gigantischer Trümmerhaufen

4. Juli: Von der Leyens schwierige Mission

Mit dem rustikalen Abräumen der bis­herigen Spitzenkandidaten und der Nominierung­ einer Last-minute-Überraschungskandidatin haben die handelnden EU-Regierungschefs den EU-Gegnern, allen voran den britischen Brexit- Befürwortern, eine Steilvorlage geliefert. Politische Hinterzimmer-Kungelei vom Allerfeinsten! Fremdsprachenkenntnisse scheinen für eines der höchsten politischen Ämter, das die EU zu vergeben hat, wichtiger zu sein als politische Qualifikation: Von der Leyen würde als derzeitige Verteidigungsministerin in der Bundeswehr einen gigantischen Trümmerhaufen ungelöster Probleme hinterlassen: dramatischer Personalmangel, Flugzeuge und Hubschrauber, die nicht fliegen, Schiffe und U-Boote, die im Hafen bleiben müssen, Kampfgewehre, die nicht treffen, Verdacht auf Korruption bei externen Beraterverträgen, rechtsradikale Erscheinungsformen in der Truppe, amateurhafte Vertragsgestaltung bei der Renovierung der „Gorch Fock“ mit unfassbarer Kostenexplosion usw. Lösungsansätze? Politische Verantwortung? Fehlanzeige! Offenbar ist die derartige „Erfolgsbilanz“ einer Ministerin die richtige Empfehlung für eines der höchsten Ämter innerhalb der EU.

Michael Deil, Bargteheide

Immer Abenteuer und Event

4. Juli: Kletterwald will weiter wachsen. Anlage in Volksdorf plant neue Attraktionen

Der Kletterpark ist jetzt schon für die Natur und Erholung suchenden Spaziergänger eine Zumutung. Zugeparkter Waldparkplatz und Straßenrand, Müllberge, stinkende Plastiktoiletten. Die Mehrheit der Besucher kommt eben nicht mit Bus und Bahn. Man könnte den Waldspielplatz ja zum Parkplatz umwidmen. Die johlenden und schreienden Erwachsenen und Kinder hört man durch den halben Wald bis zum Mellenberg. Da flüchtet auch das letzte Wild. Erholungswald ist anders. Nützen tut es nur einem: dem Betreiber. Aber es spiegelt eben auch die Politik des Bezirksamtes Wandsbek wider. Man sieht es an der Bebauung und den geplanten Bauvorhaben. Der Verkehr wird behindert, aber die Grünflächen verschwinden oder werden anders genutzt. In diesem Fall muss für das Vergnügen wohl der Wald herhalten. Man kann sich nicht anders bewegen oder seine Freizeit gestalten – es muss immer Abenteuer oder Event sein.

Robert Häger

Brauchbare Tipps, aber ...

5. Juli: So gelingen Urlaubsfotos mit dem Handy

Ihre Anleitung für bessere Handy-Fotos ist gut gemeint und enthält brauchbare Tipps. Ich als (Ex-)Profi benutze gelegentlich ebenfalls das Handy. Qualität und Möglichkeiten reichen in vielen Situationen tatsächlich aus. Allerdings beobachte ich bei vielen Anwendern immer wieder dieselben Fehler und Missverständnisse. Hier zwei Beispiele: Die Möglichkeit, Bildausschnitte zu wählen, wird oft mit der Zoomfunktion einer Kamera verwechselt. Die meisten Anwender wissen nicht, dass beim „Herauszoomen“ mit dem Handy die Bildauflösung stark reduziert wird. Und wer pro Motiv möglichst viele Aufnahmen macht, um sich sicher zu wähnen, macht oft genug x-mal das gleiche schlechte Foto. Letzteres beobachte ich aber auch oft beim Gebrauch von Kameras. In diesem Sinne: gut Licht!

Hans-Jürgen Kuc

Alles andere ist Flickschusterei

5. Juli: Kampf gegen Staus: Hamburg setzt 2000 Wärmebildkameras ein

Ich bin der Meinung, dass es wenig Nutzen hat, Wärmebildkameras aufzubauen, um festzustellen, wie viel an Verkehr durch Hamburg läuft. Es wäre sinnvoll, ein Konzept zu erarbeiten, wie viel Verkehr ich aus der Stadt heraushalte. In Bergen (Norwegen) habe ich eine fast verkehrsfreie Innenstadt erlebt mit guter Infrastruktur für Fahrräder und Lieferverkehr. Die haben Folgendes gemacht: eine Tunnellösung quer unter die Stadt, durch den Fels von einem Ende zum anderen, und sie haben dadurch 70 Prozent des Durchgangsverkehrs aus der Stadt geholt. Es war richtig teuer, aber hat sich gelohnt, und es wurde für alle Beteiligten eine hohe Lebensqualität erreicht. Ich stelle mir das auch für Hamburg vor. Entweder einen geschlossenen Ring oder eine gigantische Tunnellösung ab Schnelsen-Nord quer unter die Stadt bis unter die Elbe Richtung Elbbrücken und Anbindung an die A 7/ A 1. Alles andere ist Flickschusterei und bringt nichts. Es erfordert Mut und auch ein wenig Pioniergeist, um solch ein sehr teures Projekt zu verwirklichen.

Heinrich Beck, Ahrensburg

Neue Wegwerfbecherflut

5. Juli: Hamburg spart eine Million Wegwerfbecher ein. Das private Pfandsystem Recup ist ein Erfolg. Auch viele Behördenkantinen bieten nur noch Mehrwegtassen an

Wie schön, dass nun die Wegwerf­becherflut durch das Pfandsystem Recup eingedämmt wird. Aber nebenbei hat sich ja eine neue Wegwerfbecherflut ausgebreitet: In vielen Eisdielen werden außer essbaren Waffeltüten und Pappbechern auch Plastikbecher kostenlos angeboten. Diese werden nach dem Eisessen in oder neben den oft überquellenden Abfallbehältern, neben den provisorischen Sitzgelegenheiten, entsorgt. Zu besichtigen an jedem warmen Wochenende z. B. in der sonst recht gepflegten „Weißen Rose“ in Volksdorf.

Monika Malchau