Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Juli 2019

Endlich ohne Ohrenstöpsel!

4. Juli: Open-Air-Konzerte: Wie laut darf es sein?

Endlich ein Konzert ohne Ohrenstöpsel! Vorgestern war ich im Stadtpark bei dem Konzert von Beth Hart. Die Ohrenstöpsel blieben diesmal in der Tasche, wie angenehm. Immer wieder sehe ich, dass bei Konzerten die meisten Leute Ohrenstöpsel tragen, weil die Musik einfach zu laut ist. Das ist doch alles irrsinnig. In Amerika habe ich gerade gemerkt, wie schön es ist, Musik von der Lautstärke her erträglich zu präsentieren. In unseren Clubs funktioniert das weiterhin nicht, und die Pegel werden fast jedesmal gesetzeswidrig überzogen. Da prüft niemand! Denkt denn keiner der jungen Menschen an einen späteren Ohrenschaden? Also: Macht es etwas leiser, es bringt genauso viel Spaß!

Gerald Staschke

Die Leute wollen feiern

Es ist doch vollkommen absurd und unverständlich – aus Sicht des Konzertbesuchers – wenn Konzerte im Stadtpark (Freilichtbühne) nur maximal mit 70 Dezibel beschallt/laut gefahren werden dürfen, so dass man sich wie im Wohnzimmer unterhalten kann. Unter diesen Voraussetzungen braucht man dann auch gar keine Konzerte mehr dort stattfinden lassen. Die Leute wollen schließlich feiern! Und der Künstler/die Band entschuldigt sich auch noch für das „leise“ Konzert. Verkehrte Welt.

Oliver Seitz

Kein Flughafen in der Stadt

2. Juli: Entscheider treffen Haider – heute ist Michael Eggenschwiler, der Chef des Flughafen, zu Gast. ,In Hamburg zu spät kommen, ist teuer‘

Wegen der Flugzeuge, die in Hamburg durch Wirbelschleppen immer wieder Ziegel von den Dächern reißen, hatte Herr Eggenschwiler eine Antwort, die rechtlich so nicht in Ordnung ist. Auch wenn Wirbelschleppen heutzutage noch nicht so häufig sind, ist dies aber jedes Mal eine Gefahr für Leib und Leben, wenn jemandem der Dachziegel auf den Kopf fällt. Auch wenn die Airlines die Rechnung bezahlen müssen und der Flughafen den Schaden finanzieren muss, ist das nach dem Grundgesetz kein Ausgleich für Leben und Gesundheit. Dem kann nur aus dem Weg gegangen werden, indem es keine Flughäfen mehr innerhalb einer Stadt gibt! Und die andere wichtige Frage an ihn wegen der „Fridays-for-Future-Bewegung“ traf mit seiner Antwort auch nicht das eigentliche Problem. Denn es geht nicht mehr darum, dass die Menschen sich jetzt überlegen können, ob sie auf ein bestimmtes Verkehrsmittel verzichten wollen oder nicht, da die Klimasituation dies gar nicht mehr zulässt. Und das ist auch der Sinn dieser Bewegung: Unsere Jugend möchte in der nahen Zukunft noch ein lebenswertes Leben haben – und das ist ihr gutes Recht! Eine drastische Reduzierung der Flüge ist daher die richtige Antwort. Was das Fliegen angeht, bezogen auf den Einzelnen, gibt es keine andere Aktivität, die in so kurzer Zeit so hohe Emissionen verursacht wie die Luftfahrt.

Karin Wagner

Keine Reaktion von Behörde

1. Juli: Bürger klagen: Senat verschleppt Dutzende Anträge auf Tempo 30. Hamburger fordern schnellere Maßnahmen wegen zu hoher Lärm- und Abgasbelastung an ihren Wohnstraßen

Im Herbst 2017 beschloss die Mitgliederversammlung des Kommunalvereins Groß Borstel von 1889 r. V. (größter Hamburger Bürgerverein mit über 1000 Mitgliedern) den Senat aufzufordern, die gesetzlich berechtigten Anträge auf Tempo 30 umgehend zu bearbeiten und die Gebühren von 360 Euro zu streichen. So wie in anderen Städten Deutschlands. Als Vorsitzende des Kommunalvereins habe ich den Beschluss an die einschlägigen Senatoren für Wirtschaft und Verkehr sowie Inneres geschickt sowie an alle Fraktionen der Bürgerschaft. Antwort und Unterstützung kam umgehend von der Fraktion Die LINKE. Ansonsten bis heute: Keine Reaktion, insbesondere kein Wort von der Wirtschafts- und Innenbehörde. Danke an Jens Meyer-Wellmann, der die ignorante und arrogante Haltung des Senats uns Bürgern gegenüber so klar benennt!

Ulrike Zeising, 1. Vorsitzender des Kommunalverein Groß Borstel von 1889 r. V.

Ein Kind ist ein Geschenk

29./30 Juni: Serie: Die 100 Fragen des Lebens: Welche Bedeutung hat Familie heutzutage und Leserbrief vom 3. Juli

Herr Koch trifft mit seinem Leserbrief den Nagel auf den Kopf! Die ersten Lebensjahre prägen das Kind. Die ersten Worte, die ersten Schritte des Kindes zu erleben, sollte den Eltern vorbehalten sein und nicht den Erziehern in der Kita. Aber heute werden Forderungen an den Staat gestellt, insbesondere nach kostenlosen Kitas. Ich habe häufig das Gefühl, dass, wenn beide Partner arbeiten, dies finanziell dazu dient, weiterhin den gleichen Lebensstil zu pflegen wie vorher (regelmäßiger Urlaub, zwei Autos etc). Aber ist ein Kind nicht ein Geschenk, für das man gerne Opfer bringen sollte?

Kerstin Lafrentz

Das geht zu weit

2. Juli: ,Die Kapitänin, die Deutschland und Italien spaltet‘ und Kindernachrichten: Heldin oder Kriminelle?

Was für eine irritierende Überschrift! Um Menschenleben zu retten, verstößt die Kapitänin Carola Rackete gegen ein Verbot des italienischen Innenministers: Die aus Seenot geretteten Menschen dürfen nicht ins Land. 14 Tage lang mussten die aus dem Schlauchboot Geretteten vor der italienischen Küste ausharren. Anstatt Verständnis für die schwierige Situation der Kapitänin Carola Rackete zu haben, wird sie vom Hamburger Abendblatt als Spalterin von Deutschland-Italien dargestellt. Ich frage mich, wer hier eigentlich spaltet. Zu einfach wäre es, den Innenminister Italiens mit seiner Wutbürger-Politik als solchen zu bezeichnen. Eher sind es wohl mehrere EU-Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge ins Land zu lassen. In den „Kindernachrichten“ der gleichen Ausgabe wird gefragt, ob die Kapitänin eine „Heldin oder Kriminelle“ sei. Man muss nicht unbedingt eine Heldin aus ihr machen. Aber sie als mögliche „Kriminelle“ zu bezeichnen, geht zu weit. Auch die Frage, ob Carola Rackete möglicherweise eine „Schlepperin“ sein könne, geht nicht nur an den Fakten vorbei, sondern ist auch noch eine Bestätigung für Menschen, die bei der Flüchtlingsproblematik lediglich schwarz-weiß sehen können.

Winfried Krahwinkel

Sie verstopfen die Straßen

3. Juli: Sieg vor Gericht: Hunderte neue Moia-Großraumtaxis für Hamburg. VW-Tochterfirma darf bis zu 500 Fahrzeuge in der Hansestadt einsetzen. Taxenverband spricht von einem Skandal

Bin heute Morgen mit dem 183er-Bus von der Kieler Straße zur Holstenstraße gefahren. Es sind in Hamburg die großen Ferien und um 9.11 Uhr brauchte der Bus für diese Strecke fast 35 Minuten. Davon an der Ecke Kieler Straße/Stresemannstraße fast zwölf Minuten Wartezeit. Der Bus viel zu klein, voll mit Müttern und Vätern mit ihren Kindern zur Kita und mit Kinderkarre. Eine junge Frau mit Zwillingen in der Kinderkarre wurde abgewiesen, da der Bus zu voll war. Der Senat kümmert sich rührend um Moia und seine Interessen. Ich sehe diese Fahrzeuge immer leer durch die Gegend fahren. Sie sind überhaupt keine Alternative zu mehr und größeren Bussen, für besseren Bus- und Bahnverkehr. Sie verstopfen nur noch mehr die Straßen.

Andreas Müller-Goldenstedt

Rette sich, wer kann

Willkommen in der Realität: Hamburger Taxen, bzw. Taxifahrer werden immer weniger, sie sterben aus. Das ist politisch so gewollt. Auch die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation schützt das Gewerbe nicht, sie zerstört es mit. Durch Moia, Clevershuttle und Co. wird das Stück Kuchen für den Taxifahrer/Unternehmer noch kleiner. Ohne eine Perspektive auf Wachstum und ohne ein Auskommen mit dem Einkommen gibt es für Hamburger Taxifahrer/Unternehmer eigentlich nur eine Option: Rette sich, wer kann, aufhören und sich was anderes suchen. Na ja, Hamburg soll ja auch Fahrradstadt werden.

Gunnar Kroll,

selbstständiger Taxifahrer