Leserbriefe

Briefe an die Redaktion 4. Juli 2019

EU Verdrossenheit

3. Juli: Von der Leyen soll EU-Chefin werden. Paukenschlag: Die Staats- und Regierungschefs schlagen die deutsche Verteidigungsministerin als erste Frau für den Top-Job in Europa vor / Leitartikel: Deutscher und weiblicher. Ursula von der Leyen bringt als EU-Kommissionspräsidentin alle Fähigkeiten mit

Der Postenschacher um den neuen EU Kommissionspräsidenten ist nicht nur erbärmlich, sondern auch dazu geeignet die EU Verdrossenheit weiter zu fördern. Da wird eine Kandidatin aus dem Hut gezaubert, die zuvor am ganzen Wahlprozedere überhaupt nicht beteiligt war, und auch als Verteidigungsministerin bislang nicht gerade eine gute Figur abgegeben hat (Gorch Fock, Berateraffäre, Ausrüstung der Bundeswehr etc.). Und ausgerechnet die Staaten, welche die EU eher als Zugewinngemeinschaft betrachten, und sich z.B. der solidarischen Verteilung von Migranten verweigern, bestimmen die Agenda. Wenn das EU Parlament seine Würde und Glaubwürdigkeit bewahren möchte, dürfen sie diesem Possenspiel keinesfalls zustimmen, ansonsten werden sie nur noch als willfähriges Stimmvieh wahrgenommen. Und dem Verfasser des Leitartikels sei gesagt: der oder die EU Kommissionspräsident/in hat die Belange der EU zu vertreten und nicht die seines oder ihres Heimatlandes. Das große Problem dieser Gemeinschaft sind ja die nationalen Alleingänge und Befindlichkeiten, und hier muss er oder sie moderieren und einen Ausgleich herbeiführen.

Peter Westendorf

Altparteien nicht wählen

Ich frage mich warum wir Kandidaten wählen und man einfach jemanden als Kandidatin aussucht die absolut nur durch Negativschlagzeilen auffällt. Klüngelei bei Beraterverträgen und der desolate Zustand der Bundeswehr sind wahrscheinlich ein gutes Zeugnis für dieses Amt. Und wieder ein Grund mehr die Altparteien nicht zu wählen. Ich bin absolut gegen die Kandidatur.

Hendrik Külß

Europäischer Gedanke

Ich habe mich gefragt, ob der Artikel eine Satire sein sollte. Denn wer das wirklich meint, hat den Europäischen Gedanken nicht verstanden. Wer meint, dass Europa in erster Linie dazu dient, deutsche Interessen durchzusetzen, politisch „Beute zu machen“, der muss sich nicht wundern, dass andere, insbesondere kleinere Partner, sich von Europa abwenden. Ein solches Denken spielt der AFD in die Hände, es ist die Mutter aller Kriege.

Dr. med. Klaus Franke

Verstärkt die Spaltung der EU

Der Autor vernachlässigt völlig die problematischen Umstände, unter denen die Nominierung Ursula von der Leyens zustande gekommen ist. Deshalb ist ihre Wahl alles andere als ein Knüller. Diese Wahl bedroht den Bestand der „Wertegemeinschaft“ EU. Denn die osteuropäischen Länder lehnten den vorgesehenen Kandidaten ab, weil er auf der Grundlage des Rechtsstaatsprinzips und im Auftrag der EU-Führung gegen sie notwendigerweise ein Rechtsstaatsverfahren eingeleitet hat. Die destruktiven Kräfte wurden also nicht kontrolliert, sie haben sich vielmehr durchgesetzt. Das heißt zugleich, dass sich diese Länder in ihrer Politik der Aushöhlung des Rechtsstaates bestätigt fühlen können und diesen Weg weiter verfolgen. Das verstärkt die Spaltung der EU und bedroht ihre Existenz.

Dr. Ernst Niemeier, Wentorf

Das ist Wahlbetrug

Sollte Frau von der Leyen tatsächlich EU-Kommissionschefin werden, ist Europa für mich gestorben! Das ist Wahlbetrug! Ich fühle mich hochgradig verhohnepipelt. Frau von der Leyen stand doch überhaupt nicht zur Wahl! Dieses Postengeschiebe ist die Axt an der Wurzel Europas!

Dr. Helmut Klingenfeld, Ahrensburg

Die Plakataktion war überfällig

3. Juli: Nach Plakataktion: Bald alles Bio im Miniatur Wunderland? Massive Proteste der Bauernverbände gegen provokative Tierschutzkampagne: Jetzt soll sich das gastronomische Angebot wandeln

Wer Internet oder Fernsehen hat, könnte informiert sein: Die Lebensbedingungen von Tieren in der Massenhaltung schreien zum Himmel. Unsere Landwirtschaftsminister ermöglichen fragwürdigen Giftmitteleinsatz in Europa, werben ungeniert für umstrittene Lebensmittelkonzerne und verhindern fortgesetzt effektiven Tierschutz, jüngst für Ferkel und Küken. Die Plakataktion war überfällig, endlich hatte jemand den Mut dazu. Es gibt eine Verantwortung nicht nur für Klima oder Mitmenschen, sondern auch für die Tiere, wenn wir sie denn verzehren wollen. Die Bundesministerin ist längst angeschlagen, die Bauernfunktionäre haben ihren ehrenwerten Berufsstand schlecht vertreten und sich mit ihrem Protest in die falsche Richtung endgültig ins Aus geschossen. Es ist Zeit für eine Agrarwende.

Johannes Zink, Norderstedt

Verbraucher Verlangen

Die Aussage der Betreiber, dass nicht einmal zehn Prozent der Gäste bereit sind einen Euro mehr für ein Bio-Produkt zu zahlen, zeigt doch ganz deutlich, wen man hier (wenn überhaupt) an den Pranger stellen müsste: Die Verbraucher die nach immer mehr und immer billigerem Fleisch verlangen. Wäre da nicht passend, eine Imbissbude zu zeigen, vor denen die Käufer Burger mit Menschen belegt verzehren?

S. Hartung

Ins Schwarze getroffen

Die Aufregung der Bauernverbände zeigt doch nur, dass die Brauns mit dieser Aktion absolut ins Schwarze getroffen haben. Zu begrüßen ist es, nur noch Bio anzubieten. Andererseits ist es ein Zeichen für die Heuchelei in unserer Gesellschaft wenn nur zehn Prozent das ja vorhandene Bio-Angebot nutzen, nur weil es nun mal etwas teurer ist.

Jürgen Jeschke, Norderstedt

Scheinheilig

1. Juli: Zwischenruf: Hamburger Harley-Irrsinn

Der Zwischenruf von Herrn Iken über den Harley-Irrsinn fand meinen Beifall. Ergänzen möchte ich diesen Ruf um die Info, dass kürzlich auch ein Motorrad-Gottesdienst (MOGO) stattfand, zu dem tausende Biker kamen. Andererseits veröffentlicht die Kirche im Internet einen Eintrag „Kirche für Klima“ - Informationen über den Klimaschutz und über die Bewahrung der Schöpfung. Die Abkürzung für den von der Kirche veranstalteten Biker-Gottesdienst sollte deshalb beim nächsten Mal besser lauten „BiGott“ , was scheinheilig bedeutet.

Heiko Gerdau

1000 Fahrzeuge mehr

3. Juli: Sieg vor Gericht: Hunderte neue Moia-Großraumtaxis für Hamburg. VW-Tochterfirma darf bis zu 500 Fahrzeuge in der Hansestadt einsetzen. Taxenverband spricht von einem Skandal

Das Gericht hat den Beschluss zur Beschränkung der zugelassen Moia-Fahrzeuge gekippt. Das heißt, Moia wird die Stadt jetzt mit 500-1000 Fahrzeugen fluten. Das bedeutet, dass bis zu 1000 Fahrzeuge mehr die Straßen in Hamburg verstopfen werden, denn wer jetzt glaubt, dass im Gegenzug 1000 privat PKW’s wegfallen werden, der ist wohl mehr als blauäugig. Das ganze wird einem dann noch als Mobilitätsvorteil verkauft, nur weil ein paar Leute nicht ein paar Meter zu einer Haltestelle des ÖPNV laufen wollen. Dazu wird einem dann noch der „grüne“ Aspekt vorgegaukelt, aber irgendwie muß der Individualverkehr ja zum Erliegen gebracht werden.

Holger Karstens, Ottensen

Auf Moia ausweichen

Ich habe schon öfter mal in den besten Abendstunden versucht ein Taxi von der Innenstadt nach Hause zu bekommen. Bei den beiden größten Taxizentralen waren keine Wagen frei, alle ausgebucht für die nächsten Stunden. So geht es vielen potenziellen Fahrgästen. So muss ich wohl in Zukunft auf Moia ausweichen. Es ist also nicht nur eine Frage des Preises.

Wolfgang Kany