Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Juli 2019

Pflanzliche Nahrung reicht aus

1. Juli: Studie: Landwirtschaft ist der größte Feind der Artenvielfalt

In Ihrem Artikel erwähnen Sie leider nicht, dass schon die derzeitig erzeugte pflanzliche Nahrung ausreichen würde, um ca. zwölf Milliarden Menschen zu ernähren. Wir brauchen also weder eine Ausweitung noch eine Intensivierung der Landwirtschaft, wenn wir nicht einen so großen Teil der pflanzlichen Nahrung an die sogenannten „Nutztiere“ verfüttern würden. Mit anderen Worten: Der derzeitige Fleischkonsum müsste verringert werden, um zur Rettung nicht nur der Artenvielfalt, sondern auch von Umwelt, Klima und hungernden Menschen beizutragen.

Ingrid Wendt, Stelle

Messdaten schaffen Abhilfe

1. Juli: Bürger klagen: Senat verschleppt Dutzende Anträge auf Tempo 30. Hamburger fordern schnellere Maßnahmen wegen zu hoher Lärm- und Abgasbelastung an ihren Wohnstraßen

Gerade zur Luftverschmutzung und deren Erfassung gab es letzte Woche auch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, die besagt, dass es eine Verpflichtung gibt, Messstationen so einzurichten, dass diese Daten von den am stärksten belasteten Orten liefern. Ebenso dass betroffene Bürger, die sich oft an solchen Orten aufhalten, diese Messpunkte auch rechtlich einfordern können. Dieses gewonnene Wissen soll dann natürlich dazu dienen, Abhilfe zu schaffen. Ein solcher Schwerpunkt der Luftbelastung scheinen die Landungsbrücken zu sein, wie unterschiedliche unabhängige Messungen gezeigt haben. Aber auch in etlichen engen Straßenzügen mit Durchgangsverkehr oder an großen Hauptverkehrsstrecken gibt es vermutete oder auch schon bekannte Belastungen mit Grenzwertüberschreitungen. Es wird interessant sein zu sehen, ob sich die Behörden hier ebenso zögerlich, sperrig und lange abwartend verhalten, wenn betroffene Bürger für sich und ihre Kinder mehr Gewissheit über die Luftqualität in ihrem Wohn-, Arbeits- oder Aufenthaltsumfeld haben möchten.

Andreas Gutmann, Hamburg-Altona

Rennstrecke im Wohngebiet

Und was nützt es, wenn die gewünschte Tempo-30-Zone endlich eingerichtet ist und keine Kontrollen erfolgen? Der Schleichweg von Horn nach Wandsbek über Oktaviostraße/Kielmannseggstraße durchs Wohngebiet mit Schulweg und Altenheimen ist morgens und abends eine Rennstrecke. Kontrollen? Fehlanzeige.

Rolf Lange

Wachrütteln nennt man das

29./30. Juni: Aufregung um Tierschutz-Aktion des Miniatur Wunderlands. Touristenattraktion zeigt Menschen in der Rolle von Küken und Kühen in der Massenhaltung. Bauern protestieren

Wieder einmal steht der Tierschutz im Fokus. Wieder einmal distanziert sich der Bauernverband als Vertreter aller Bauern vollkommen zu Recht von tierschutzwidrigen Praktiken einiger seiner Mitglieder. Wieder einmal werden die regelwidrigen Praktiken einiger Bauern jedoch vollkommen zu Recht angeprangert. Diesmal öffentlichkeitswirksam durch Frederik und Gerrit Braun vom Miniatur Wunderland. Zielgruppe sind die Besucher des Wunderlands. Und genau hier, bei Kindern, deren Eltern und bei Erwachsenen muss ein Umdenken stattfinden. Wachrütteln nennt man das, wenn alle Hinweise, Bitten und sonstige Aktionen hinsichtlich artgerechter Tierhaltung ohne Nachwirkung bleiben. Wenn der Bauernverband seine Mitglieder nicht motivieren kann, den Tierschutz ausnahmslos in den Vordergrund zu stellen und es zulässt, dass einige wenige Bauern, Transporteure oder Schlachthöfe nur aus Profitdenken das Wohl der Tiere missachten, dann muss dies der Öffentlichkeit wieder einmal, im wahrsten Sinne des Wortes, „vor Augen geführt werden“. Nichts anderes hat das Miniatur Wunderland getan. Was ist zu tun? EU-einheitliche, klare und nicht interpretierbare Vorschriften müssen es jedem Landwirt, jedem Viehtransporteur und jedem Schlachthof ermöglichen, artgerecht und gleichzeitig profitabel zu arbeiten. Und wenn dies nicht ohne Preiserhöhungen geht, dann lernen wir Verbraucher endlich, dass Tierschutz nicht zum Minimaltarif zu haben ist. Nur gemeinsam können wir den beschrieben Missstand endlich abstellen. Und zwar sofort und nicht erst in drei bis fünf Jahren.

Hannes Westphal

Hat der Bauer kein Internet?

Der Bauernverband ruft zu einem Shitstorm auf, wegen ein paar Plakaten, die im Miniaturland Hamburg ausgestellt sind? Die Bauern sehen sich dadurch verunglimpflicht? Im Ernst? Entschuldigung, aber hat der Bauer von heute kein Internet oder Fernsehen? Mindestens einmal die Woche kann man da ganz andere Bilder sehen. Schreckliche Bilder von Sauen in Kastenständen, Ferkel, denen die Schwänze kupiert, oder die kastriert werden, ohne Betäubung. Mindestens einmal die Woche ist auch ein verunfallter oder liegen gebliebener Tiertransporter in den Nachrichten zu sehen, an sich schon fragwürdig, bei den aktuellen Temperaturen kaum mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. Was also bringt die Bauern dazu, auf diese dagegen harmlosen Plakate völlig überzogen zu reagieren? Die Angst davor, der Verbraucher könnte die Wahrheit hinter der industriellen Nutztierhaltung erkennen? Dank Internet und Fernsehen, ist das längst geschehen! Der Bauernverband sollte seine Energie besser in seine Tiere und dessen Wohl investieren.

Daniela Hohler, Rheinfelden

Respekt für diese Aktion!

Nein, Herr Braun, Sie brauchen sich für gar nichts zu entschuldigen, Sie haben alles richtig gemacht und verdienen Respekt für diese Aktion! Interessant ist doch, dass sich die Bauern sofort den Schuh anziehen – was sie zu recht auch tun sollten, denn wann immer es politische und gesellschaftliche Vorstöße gab, die zu einer Verbesserung des Tierwohls oder der Minderung von Giften und Nitratverseuchung der Ackerflächen führen sollten, wurde massiv gemauert, gejammert und sich Zynismen bedient. Es wurde Lobbyarbeit intensiviert, die wichtige Fortschritte in der moralischen Sensibilität und ethischen Reife verwässert, verschoben oder abgeschmettert hat, die einer (angeblich) so modernen, „hochentwickelten“ Gesellschaft endlich gut zu Gesicht gestanden hätte. Solange diejenigen, die sich für eine anständige Behandlung von Tier und Natur einsetzen als Gutmenschen verspottet werden und von bauernverbandsnahen Parteien weiterhin auch auf EU-Basis eine Reform in der Förderstruktur der Agrarwirtschaft verhindert wird, bei der zur Zeit pauschal die größten Betriebe die meisten Fördergelder beziehen, anstatt die ökologischen Betriebe, die sich für Naturschutz, Tierwohl und Klima einsetzen – was auch einer Preisminderung von Bioprodukten und damit einer Vergrößerung dieser Käuferschaft zugute kommen würde, wird der grauenhafte Umgang mit Tier und Umwelt weitergehen. Daher sind diese „krassen“ Aktionen so wichtig, weil sie diese schockierenden Umstände nicht hinter Stall- und Hallenmauern versteckt lassen, was zum gesellschaftlichen Verdrängen einlädt, sondern Aufmerksamkeit für diese moralische Wunde entwickeln.

Tanja Lüder, Lemsahl-Mellingstedt

Versorgung mit Mineralien

1. Juli: Halbmarathon endet für 57 Läufer in Klinik

Ihrem Artikel entnehme ich, dass auf der Strecke nur Wasser gereicht wurde. Vielleicht sollte man die Veranstalter auf das Phänomen der Hyponatriämie hinweisen, die übermäßige Verdünnung der Elektrolyte im Blut durch exzessive Wasserzufuhr. Bei Marathonläufen in den USA gab es bereits mehrere Todesfälle, da Teilnehmer an den Verpflegungsstellen lediglich Wasser zu sich genommen hatten. Der Ergebnisliste kann man entnehmen, dass Tausende Läufer länger als zwei Stunden benötigten, um die Ziellinie zu überqueren, sie also allein durch diese Zeitspanne Probleme mit der Mineralstoffversorgung bekommen mussten! Als langjähriger Läufer, der bei ausgedehnten Trainingseinheiten zwischen zwei und drei Stunden stets eine mit isotonischem Getränk gefüllte Flasche mit sich führt, kenne ich das Phänomen der Dehydrierung leider nur zu gut.

Jens-Uwe Dierk