Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. Juni 2019

Wichtig und dringend nötig

20. Juni: Kommentar:Auch Worte sind Waffen. Wer im Internet hetzt, ist für Gewalt mitverantwortlich

„Stellen wir uns Hetze entgegen – denn Hass ist keine Meinung“, so Ihr Aufruf, der wichtig ist und dringend nötig. Aber hören ihn auch die Manager von YouTube und Co.? Die reagieren oft nur auf formgerechte Beschwerden und unter dem Druck möglicher Sanktionen nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. In ihren digitalen Kiosken werden auch nach schrecklichen Taten immer noch hetzerische Blogs und verhöhnende Kommentare ebenso geduldet wie Spendenaufrufe mit IBAN-Nummer von Rechtsextremisten, auch bezahlte Firmenwerbung im Vorprogramm konnte man da schon sehen. Selbst wenn unser Bundespräsident dies rügt, kommt dazu von diesen Medienkonzernen seltsam wenig. Da wäre doch mal eine Nachfrage lohnend: Die Deutschland-Zentralen dieser milliardenschweren Unternehmen haben ihren Sitz in Hamburg.

Günter Beling

Eine bodenlose Frechheit

18. Juni: Krankenkassen wollen Grundrente nicht finanzieren. Verband: ,Nicht angemessene‘ Quersubventionierung. Warnung vor neuen Belastungen

Millionen Rentner tragen zur Sicherung der Ausgaben der Krankenkassen bei, indem sie auf ihre Renten (neben steigenden Steuern) volle Krankenkassenbeiträge zahlen und viele dazu auf Betriebsrenten und auf die mit viel Werbe-Tamtam staatlich geförderte betriebliche Altersvorsorge den vollen Krankenkassenbeitrag zuzüglich Arbeitgeberbeitrag zahlen müssen. Dadurch tragen viele Rentner doch in relativ weit höherem Umfang zur Rücklagenbildung der Krankenkassen und Gesundheitsfonds bei. Diese Praxis ist seit Jahren strittig und hat den Krankenkassen viele Milliarden in ihre Kassen gespült. Wenn der Spitzenverband der Krankenversicherung jetzt im Zusammenhang mit einer Beitragsentlastung für diese Rentner von einer „Umverteilung zu Lasten der anderen Beitragszahler“ spricht, dann ist das eine bodenlose Frechheit, die die Leistung vieler Rentner verkennt.

Michael Mühlhaus, Hamburg

So geht Vorverkauf!

21. Juni: Elbphilharmonie-Karten: Erste Konzerte mittags ausgebucht

Die Elbphilharmonie lernt es einfach nicht. Ein versetzter Online-Verkauf, der es Arbeitnehmern, älteren und kranken Menschen so gut wie unmöglich macht, an Karten heran zu kommen. Entspannung? Wenn die Schlange vor der Kasse bei 30 Personen liegt und man von durchschnittlich zehn Minuten pro Person ausgeht, so kann man bei drei geöffneten Plätzen schon einmal von mindestens 1,5 Stunden Wartezeit ausgehen. Ein Beispiel sollte man sich an Berlin nehmen. Eine Überlastung des Servers beim Vorverkauf für die Berliner Philharmoniker habe ich noch nicht erlebt. Vor drei Wochen erst: Teodor Currentzis dirigiert im November das Verdi-Requiem. Start war 14 Uhr. Ich war Nr. 352 im virtuellen Warteraum. Nach gerade einmal drei Minuten war ich dran. Karte gebucht und zwei Tage später hatte ich sie im Briefkasten. Das war kein Einzelfall.

Bernd Weiher, Quickborn

Es ist einfach nur ärgerlich

„Same procedure as every year“: Vorverkaufsbeginn für die ganze Elbphilharmonie-Saison und natürlich sind alle Server hoffnungslos überlastet. Lange Wartezeiten wären ja noch akzeptabel, wenn die Bestellungen schließlich fehlerfrei durchgeführt werden könnten. Aber dass am Schluss dann regelmäßig die Fehlermeldungen „Der Onlineshop ist derzeit nicht erreichbar“ oder „500 – Internal server error“ erscheinen und die ganze Prozedur noch einmal (und meist erfolglos) von vorne begonnen werden muss... Es ist einfach nur ärgerlich. Ist es wirklich nicht möglich, dass im Jahre 2019 in einer Stadt wie Hamburg eine IT installiert wird, die so einen Vorgang relativ reibungslos abwickeln kann? Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihre Zeitung (wie dankenswerterweise auch schon in der Vergangenheit geschehen) auf diesen Missstand weiterhin hinweisen könnte. Mir scheint, dass nur öffentlicher Druck (wenn überhaupt) die Verantwortlichen dazu bringt, hier endlich die notwendigen Verbesserungen durchzusetzen. Bisher ist dieser unzulängliche Bestellprozess für deutsche und auch für internationale Kunden einfach nur peinlich. Ich werde jetzt (30 Minuten nach Beginn des Online-Verkaufs) weiterhin probieren, meine erste Karte in den Warenkorb zu bekommen... Nach über 3,5 Stunden, die ich durchgehend vor dem Rechner verbracht habe, konnte ich mit Mühe ein Ticket „durchbekommen“, ein weiteres, mir ebenfalls wichtiges, zweites Ticket allerdings noch nicht.

Jan Schlotthus, Oststeinbek

So vergrault man Kunden!

Ich bin darüber empört, dass immer noch der Vorverkauf für eine ganze Saison in der Elbphilharmonie an einem einzigen Tag beginnt. Ich habe heute viel Zeit investiert, weil ich im Glauben gehalten wurde, dass ich in absehbarer Zeit zu der von mir gewünschten Konzertkarte kommen würde. Doch alle Angaben im Internet erwiesen sich als falsch. Sind es denn blutige Anfänger, die den Vorverkauf für die Elbphilharmonie organisieren? Glauben sie wirklich, es könnte funktionieren, wenn am 20. Juni 2019 der Vorverkauf für ein ganzes Jahr beginnt? Warum wird dieses Jahr nicht so aufgeteilt, dass der Computer „zum Durchatmen“ kommt und in der Lage ist, alle Kartenaspiranten angemessen zu bedienen? So vergrault man seine Kunden!

Hans-Christian Merzyn

Es war unser kleines Paradies

19. Juni: Billighäuser für Hamburg und Leserbrief vom 20. Juni

Mein Mann und ich haben einige Jahre in einem 24 Quadratmeter großen Gartenhaus gewohnt. Bei Frost fror die Wasserleitung zu. Aber es war unser kleines Paradies, in dem wir uns frei entfalten konnten und das wir niemals gegen eine noch so große und schöne Etagenwohnung eingetauscht hätten. Für uns sind Tiny-Houses eine attraktive Wohnform.

Nicola Schneider

Wo ist da die Menschlichkeit?

19. Juni: Sorge um Merkel überschattet Staatsbesuch. Kanzlerin zittert beim Empfang des ukrainischen Präsidenten – fühlt sich aber nach drei Gläsern Wasser wieder fit.

Dass es Frau Merkel schnell wieder besser ging, nachdem sie bei großer Hitze, im Korsett eines unbarmherzig straffen Terminplanes und unter dem Druck der feierlichen und öffentlichkeitspräsenten Situation offensichtlich einen Schwächeanfall hatte, ist sehr erfreulich. Frau Merkel ist alles Gute zu wünschen und Erholung zu gönnen. Unverständlich ist, dass die Bundeskanzlerin deutlich sichtbar zu leiden hatte und – wie Videoaufnahmen dokumentieren und die Situation es vermuten lässt – viele anwesende Personen die Symptome sehen, aber niemand couragiert genug ist, einzugreifen und Frau Merkel zu Hilfe zu eilen. Da waren Politiker, Soldaten, Sicherheitspersonal, Protokollpersonal, Assistenten, Fotografen, Kameraleute usw. , die – zum Teil per Video dokumentiert – Frau Merkels Unwohlsein beobachtet haben und dennoch kam niemand Frau Merkel zu Hilfe, stützte sie oder bot ihr einen Stuhl oder Wasser an. Natürlich war es eine streng protokollarische Situation, aber wo ist da die Menschlichkeit?

Stefan Hoffmann, Hamburg

Er schreibt mir aus der Seele

8./9. Juni: Schumachers Woche: Baywatch am Baggersee? Retter in Not! Warum die DLRG bessere Spendenwerber verdient hat als hinterlistige Geldeintreiber mit ihren Geschenken und Bettelbriefen

Er schreibt mir aus der Seele. Ich habe mich auch schon immer gefragt, warum in den Bettelbriefen stets kleine bis große Geschenke beiliegen. Ich spende seit Jahren SOS-Kinderdorf, DLRG, Vier Pfoten, Ärzte ohne Grenzen usw. und kann mich vor Kugelschreibern, Glückwunschkarten, Einkaufsbeuteln, Holzkreuzen, Aufklebebildern, Absende-Adressaufkleber nicht mehr retten. Die Herstellung dieser Artikel kostet doch auch Geld! Oder spenden die Menschen eher, wenn sie ein Geschenk bekommen? Ricarda Kleinke