Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 19. Juni 2019

Hamburg zubetonieren?

18. Juni: Neuer Plan: Sportplätze aus Dach! FDP fordert Senat auf, neue Nutzungsmöglichkeiten vorhandener Flächen zu prüfen.

Eine Superidee! Warum ist man nicht schon früher darauf gekommen? Dann verlagern wir gleich alle Grünflächen und Stadtparks auf die Dächer und schon können wir Hamburg zubetonieren.

Petra Lueth, Lokstedt

Rücksicht und Umsicht

17. Juni: ,Schützt Hamburgs Radfahrer!‘ Nach dem Tod eines Familienvaters Protestaktion an der Unfallstelle – 30.000 beteiligen sich an Sternfahrt

Vorab möchte ich sagen, dass jeder Verkehrsunfall schlimm ist, und wenn er auch noch ein so tragisches Ende wie im Falle des 52-jährigen Familienvaters nimmt, dann ist es richtig, mittels einer Protestaktion auf die dringend notwendige Sicherheit im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Und dies ist kein Fall für eine Schuldzuweisung. Aber wer schützt uns Fußgänger, Autofahrer und auch Radfahrer vor den rücksichtslosen Radfahrern? Ich arbeite in St. Georg/Uhlenhorst und bin dort meistens zu Fuß unterwegs. Es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht das rücksichtslose Verhalten von Radfahrern mitbekomme oder selbst erlebe. Wenn andere Radfahrer nicht schnell genug fahren, dann wird auf Fußwegen überholt, der Fußgänger kann ja zur Seite gehen. Kinder werden auf dem Gepäckträger zur Schule gebracht – von Eltern, die auf dem Fußweg fahren. Es gibt unzählige solcher Situationen, die ich schon erlebt habe. Rücksicht und Umsicht sind Türen, die in beide Richtungen schwingen!

Martina Milewski, Hamburg

Schützt Hamburgs Autofahrer!

Auch ich bin Radfahrer. In meiner Freizeit. Als zwangsläufiger Autofahrer schreibe ich jedoch „Schützt Hamburgs Autofahrer!“ und das meine ich sehr ernst. Täglich, und das ist nicht gelogen, auf dem Weg zur Arbeit und immer an der gleichen Stelle und immer unterschiedliche Radfahrer: Ampel rot. Ich halte bewusst relativ weit rechts, damit der/die Radfahrer/in sich nicht dazwischen drängeln kann (Verkehrsführung leicht rechts abknickend hinter der Ampel). Radfahrer von weit hinten kommend, fährt direkt auf den Fußweg, um die Ecke, bei „rot“ über die Fußgängerampel und dahinter rein in den fließenden Lkw-Verkehr. Dieser kommt mit „grün“ von links und hat keine Chance ohne eine Notbremsung. Der Lkw oder Pkw hat null Chance. Wer wäre der Dumme? Weil der Grün-Ökonaive-Radfahrende Richter von Gefährdungshaftung sprechen würde. Will sagen, wenn RadfahrerInnen sich genauso an Regeln (StVO) halten würden, wie sie es einfordern, müssten wir diese Diskussion überhaupt nicht mehr führen.

Holger Lange, Seevetal

Sekunden für Reaktionszeit

Für mich als Autofahrer sind Radfahrer, die in hohem Tempo parallel zu meiner Fahrtrichtung fahren besonders dann gefährlich, wenn sie in nur geringem Abstand vor mir an einem Zebrastreifen den Lenker nach links herumziehen, um diesen direkt vor mir fahrend zu überqueren. Da bleiben dem Autofahrer nur wenige Sekunden um zu reagieren. Das passierte vor einiger Zeit am Zebrastreifen am Blomkamp/Richtung Flurstraße in Höhe des Grubenstiegs sogar einem direkt vor mir fahrenden Streifenwagen der dortigen Polizeiwache.

Helmut von Binzer

Ich fühle mich unsicher

Ich selbst bezeichne mich als Hamburger Verkehrsteilnehmer, denn ich benutze die Öffentlichen, das Auto und vor allem die Fußwege! Ein Fahrrad benutze ich in Hamburg nicht mehr. Denn sowohl als Radfahrer, besonders aber auch als Fußgänger, fühle ich mich unsicher, bedrängt und in unzulässiger Weise, aufgrund der hochriskanten Fahrweise sehr vieler Radfahrer, gefährdet. Nicht selten wird man auf Gehwegen von rasend schnell fahrenden Radlern, die man natürlich nicht hört, überholt oder auf den Straßen von Rennradfahrern bedrängt. Solange nicht alle Verkehrsteilnehmer ihre Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit dem allgemeinen Verkehr anpassen und sich an die Verkehrsregeln halten, wird sich auf Hamburgs Straßen wohl wenig ändern.

Angelika Evers

Ist die Frage ernst gemeint?

17. Juni: Ein Haus zu 100 Prozent auf Kredit kaufen – wie riskant ist das?

Wie riskant ist das, fragen Sie. Ist die Frage ernst gemeint? Bei solch einer Finanzierung „auf Pump“ besteht das größte Kreditrisiko überhaupt. Dabei ist es fast egal, wie lange die Laufzeit des Kredites ist. Um das zu realisieren, brauche ich auch keine Ausbildung als Banker. Bisher sind uns solche unverantwortlichen Finanzierungsinstrumente zum Großteil erspart geblieben. Der Absturz der verbrieften Subprime-Kredite im Jahr 2007/2008 aus den USA sind doch noch in bester Erinnerung. Eine der größten Welt-Wirtschaftskrisen hatte ihren Ursprung durch die unverantwortliche und unkontrollierte Vergabe von Krediten an Hauskäufer in den USA. Oft Menschen mit kleinem oder sogar gar keinem Einkommen bzw. schwacher Bonität. Diese hatten dann in Folge oft auf steigende Immobilienpreise gesetzt und sich hoch verschuldet. Die Blase platzte dann – wie wir alle wissen – mit weitreichenden Folgen. Nur die kluge Politik von Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück haben damals Schlimmeres für Deutschland verhindert. Die Folgen der Krise aber spüren wir heute noch (u. a. Niedrigzinsen). Also, wenn wir jetzt nicht daraus gelernt haben. Wann dann?

Christian Lamberti, Hamburg

Eine Signalfarbe wäre hilfreich

15./16. Juni: Kreisverkehr als Patentlösung? CDU-Bürgerschaftsantrag fordert grundsätzlichen Vorrang vor Ampeln – Senat sieht das problematisch

Dass sich der Kreisverkehr Heußweg/Stellinger Weg bewährt haben soll, mag ja vielleicht stimmen, die Bauweise halte ich aber für bedenklich, da der Kreisverkehr auch bei angemessener Fahrweise erst sehr spät zu erkennen ist. Eine Signalfarbe statt des Grüns wäre sicherlich hilfreich und ein ungewolltes Befahren der Mittelinsel fände nicht statt.​​​​​​​ Der Umbau der Osterstraße ist eine einzige Katastrophe. Fehlende Parkplätze spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Die Behinderung der Linienbusse ist aber nicht hinnehmbar. Wenn erst die Neuregelung mit den 1,50 Metern Abstand zu Radfahrern greift, kann der Busverkehr dort ganz eingestellt werden.

​​​​​​​Rainer Block, Hamburg

“Mehr Demokratie wagen“

4. Juni: Ein deutsches Drama. Keine Partei hat dieses Land so zum Guten verändert, wie die Sozialdemokraten. Eine politische Liebeserklärung von Matthias Iken. Und 8. Juni: Leserbrief der Woche: Eine trostlose Partei.

Auch ich, tatsächlich noch im Dritten Reich geboren (Jahrgang 1945) habe als Student in Tübingen in den 60er-Jahren und als Mitglied einer katholischen, farbentragenden Verbindung (ab 1973 beruflich in Stuttgart), die „68er“ und die Auswirkungen des Spruches von Willy Brandt: „Mehr Demokratie wagen“, in der Regierungserklärung von 1969, erlebt. Als Gewerkschaftsarbeitsjurist hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen meiner Rechtssekretärstätigkeit, u. a. Betriebsräte der DGB-Gewerkschaften zu beraten und vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht vertreten zu können. Die Rechtsgrundlage für meine Arbeit bildete die neue Fassung des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) von 1972. Ein Vergleich, z. B. mit dem BetrVG von 1952 verdeutlicht: Es wurde keine Novelle des BetrVG von 1952 verabschiedet, aber der Ausbau der Beteiligungsrechte des Betriebsrats in sozialen und personellen Angelegenheiten und erstmals Individualrechte der Arbeitnehmer. Das Gesetz trat nach drei Jahren, also nach 1969 in Kraft, als Willy Brandt zum Bundeskanzler gewählt worden war. Der Satz „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ aus der ersten Regierungserklärung des Kanzlers Willy Brandt von 1969 gilt als Leitspruch für die Phase der Reformen und der „Fundamentalliberalisierung“ der alten Bundesrepublik.

Gerhard Becker, Ammersbek