Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. Juni 2019

Zum Nachteil für die Patienten

13. Juni: Hamburgs Krankenhäuser drohen Senat mit Schließung von Stationen

Die Auseinandersetzung um die Not der Krankenhäuser aufgrund der bürokratischen Vorgaben einerseits und des Mangels an Arbeitskräften in der Pflege andererseits zeigt die direkten und indirekten negativen Auswirkungen der überbordenden Bürokratie. Da sitzen Zehntausende an Schreibtischen und verwalten das Gesundheitswesen und schikanieren die in den Krankenhäusern tätigen Ärzte, Pflegekräfte und das dortige Verwaltungspersonal. Die hierfür verbrauchten Gelder für Lohn- und Lohnnebenkosten, EDV und Raumkosten fehlen für anständige Gehälter in den Pflegeberufen. Aus gutem Grund fehlt es an Pflegekräften, nicht nur wegen unangemessen niedriger Bezahlung, auch ganz wesentlich aufgrund der Arbeitsbedingungen. Auf der Strecke bleiben Patienten durch lange Wartezeiten und High-Speed-Betreuung. Die Beitragszahler müssen diese Fehlentwicklung einerseits finanzieren und sind als Patienten anderseits von den negativen Auswirkungen betroffen.

Manfred Berger, Lübeck

Niveau und Qualität sinken

6. Juni: Das Problem mit der Mathe-Klausur

In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der Abiturienten nahezu verzehnfacht. Eine denkbare Erklärung läge in dem entsprechend gestiegenen Niveau an Intelligenz und Fleiß bei den Absolventen. Das wäre eine erfreuliche, aber wohl wenig wahrscheinliche Nachricht. Ein weniger erfreulicher, gleichwohl realistischerer Grund für diese Entwicklung könnte neben den gewaltigen und begrüßenswerten Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung der schulischen Lernprozesse in den dramatisch gesunkenen Leistungsanforderungen liegen. Dafür sprechen die drastisch gestiegenen Abbrecherquoten an den Universitäten, obwohl das Abitur qua definitionem die Studierfähigkeit dokumentieren soll. Auch die sich in den letzten Jahren häufenden Klagen von Arbeitgebern in Wirtschaft und Verwaltung über den Mangel an grundlegenden Kenntnissen und Fähigkeiten bei Bewerbern mit Abitur sind ein beredtes Indiz für das Absinken der Qualität des höchsten deutschen Schulabschlusses. Statt die Anforderungen zu reduzieren, wie aktuell geschehen, und damit einen Präzedenzfall für weitere Aktionen dieser Art zu schaffen, die das Abitur weiter entwerten, sollten die Verantwortlichen in Bildungspolitik und -verwaltung dringend darüber nachdenken, ob der eingeschlagene Weg der Steigerung der Abiturientenquote um jeden Preis geeignet ist, den größtmöglichen Nutzen für Absolventen und Gesellschaft zu generieren.

Dr. Gerold Schmidt-Callsen

Gemeinsame Verantwortung

Ihrer Berichterstattung zufolge macht der Schulsenator Experten der Kultusministerkonferenz (KMK) bzw. des „Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ (IQB) dafür verantwortlich, dass die übertriebene Schwierigkeit der Mathematik-Aufgaben zu spät erkannt wurde. Dazu muss man wissen, dass diese Experten weder dem IQB noch der KMK angehören, sondern von allen Bundesländern, die an dem zentralen Aufgaben-Pool beteiligt sind, entsandt werden. Auch Hamburg hatte also Mathematik-Experten benannt, die an der Entwicklung und Bewilligung der Aufgaben mitwirkten. Die Behauptung, dass Experten des IQB oder der KMK an der Fehleinschätzung der Aufgabenschwierigkeit schuld sind, wirkt daher in etwa so, als hätte man eine Gruppe Schüler bei einem Streich erwischt, und einer von ihnen würde beteuern, dass nur die anderen Schuld waren, nicht er. Im Übrigen wurden sehr wohl auch in Bayern Mathematik-Aufgaben aus dem gemeinsamen Pool verwendet, jedoch versetzt mit landeseigenen Aufgabenelementen. Es handelt sich in jeder Hinsicht um ein gemeinsames Problem der Bundesländer, das nur mit gemeinsamer Verantwortung gelöst werden kann.

Prof. Dr. Thomas Zabka, Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft und Didaktik, Hamburg

Weniger Wohnfläche pro Kopf

13. Juni: Wir dürfen die Städte, die wir lieben, nicht mehr bauen

Es ist sehr erfreulich, dass sich jetzt auch der BDA als Sprachrohr der freischaffenden Architekten zu Wort meldet. Der Wohnungsbau der letzten Jahre hat weitgehend Masse statt Klasse hervorgebracht. Es geht dem BDA offensichtlich nicht nur um die Ästhetik, sondern auch um die Kosten des Wohnungsbaus und des Wohnens. Bezahlbare Mieten sind möglich, zum einen durch die Reduzierung von überzogenen Standards im Wohnungsbau, zum anderen durch weniger Wohnflächenkonsum pro Kopf. Kleinere Wohnungen für 54 Prozent der Single-Haushalte statt im Schnitt 85 bis 95 qm große Wohnungen, sind das Gebot der Stunde.

Helgo Klatt, Hamburg