Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Juni 2019

Subtile Form des Verbots

11. Juni: Grüne fordern Umbau der Esplanade zur Flaniermeile

Das erklärte Ziel der Grünen ist es ja bekanntlich, den Lkw- und Pkw-Verkehr zumindest zu reduzieren, wenn nicht gar abzuschaffen. Verbote kommen nicht so gut an, also macht man es subtiler, indem das Autofahren teurer, umständlicher und „nerviger“ gemacht wird. Das durch die Staus dann mehr Abgase produziert werden, nimmt man als Kollateralschaden in Kauf. In nicht mehr ferner Zukunft wird man geächtet und als Ausgestoßener behandelt, wenn man mit dem SUV unterwegs ist und vielleicht sogar noch den Einkauf in Plastiktüten im Kofferraum verstaut hat. Das geht gar nicht....

Gerhard Maack, Hamburg

Irreales Verkehrskonzept

Ja, es stimmt, der Radverkehr hat zugenommen. Und zwar um ca. drei Prozent in den letzten neun Jahren. Das ist nachzulesen im Kurzreport der Mobilität in Deutschland für Hamburg und Metropolregion, Stand November 2018. Hier hilft ein Blick auf die absoluten Zahlen, um die richtigen Größenordnungen zu erkennen. Demnach hat der Radverkehr, gemessen in gefahrenen Kilometern im selben Report, einen Anteil von 4,9 Prozent am Gesamtverkehr. Der Anteil des Autoverkehrs beträgt dagegen 36,6 Prozent am Gesamtverkehr. Die täglichen 342.000 Einpendler sind in dem Report überhaupt noch nicht berücksichtigt, das wird erst in der nächsten Erhebung geschehen. Da die wenigsten Pendler mit dem Fahrrad in die City fahren, ist mit einer deutlichen Verschiebung der Anteile zugunsten des Fahrradverkehrs kaum zu rechnen. Eher trifft das Gegenteil zu. Man kann ja politisch ein anderes Verkehrskonzept wollen, es sollte sich aber weitestgehend an einer realistischen Ausgangslage orientieren.

Heinz Günter Oetting, Hamburg

Berechtigte Blockade

11. Juni: Umweltgruppe blockiert stundenlang ein Kreuzfahrtschiff

Die Ökobilanz der Aktion der Umweltgruppe mit Blockade des Kreuzfahrtschiffes in Kiel mag verheerend und vorher nicht ausreichend „berechnet“ worden sein. Die Bilanz der Kreuzfahrtschiffe ist aber der eigentliche Skandal, auch in Hamburg. Wir stehen hier trotz einer Grünen Vizebürgermeisterin nicht viel besser da. Die Aktion der jungen Leute, die den Finger mal wieder auf die offene Wunde der Luftverpestung durch diese Großschiffe legen, ist mehr als berechtigt. Die wohl überwiegend Erwachsenen unter den Passagieren des Klotzes sollten zumindest so etwas wie eine „Kreuzfahrtscham“ entwickeln, analog zur Flugscham.

Dr. Sigmund L. Blank, Hamburg

Irrsinnige Aktionen verhindern

Was für ein Land: Antifaschisten (G20) schlagen alles kurz und klein, Schüler schwänzen die Schule und eine sogenannte „Umweltgruppe Smash Cruiseshit“, erzeugt durch ihre Aktion nicht unerhebliche Verschmutzung der Umwelt (Bordstromerzeugung, Luftverschmutzung durch Polizeifahrzeuge, erhöhter Treibstoffeinsatz des Schiffes, um die Verspätung aufzuholen) sowie schlecht bezahlte notwendig gewordene Überstunden bei den prekär Beschäftigten, Feiertagseinsatz von Polizisten, gefährlicher Einsatz von Höhenrettern und letztendlich auch Urlaubsfreudenminderung (Frust) bei den Kreuzfahrern. Das erfordert doch wohl ein Riesenpaket an Strafanzeigen und Schadensersatzforderungen an die Umweltgruppe. Aber auch an die politisch darüber stehenden Parteien (Grüne und Linke), von denen erwartet werden kann, dass sie diesen ihnen letztendlich irgendwie zuzuordnende Umweltgruppen von derartig aktionistischem Irrsinn abraten.

Hans-Peter Hansen, Hamburg

Alles hat seine Zeit...

8./9. Juni: Der letzte Umzug. Wenn Eltern alt werden, ist ein Abschied vom Haus manchmal unumgänglich

Danke für dieses sehr aktuelle und brisante Thema. Auch ich habe eine sehr schöne Vier-Zimmer-Altbauwohnung nach über 40 Jahren geräumt. Alles hat eben seine Zeit wie schon in Prediger Kap. 3 geschrieben steht. So viele junge Familien suchen Wohnraum und scheitern oft, weil alte, egoistische Menschen, die ja immer mehr werden, nicht loslassen können und sich an Dingen festhalten. Mir hat geholfen, dass Flüchtlinge vor 70 Jahren bis heute alles zurücklassen mussten. Wir können doch noch bestimmen, was wir behalten wollen. Auch ich habe Kinder, Enkel, Freunde aussuchen lassen und der große Rest, den weder Organisationen, noch Flüchtlinge, noch Alleinerziehende etc. haben wollten – viele Sachen haben eben nur für einen selber Wert – wurde mit der Haushaltsauflösung verrechnet. Auch alte Menschen brauchen mal einen Schubs, um für den letzten Lebensabschnitt frei zu werden.

Antje Netz, Hamburg

Immer mehr Abiturienten

6. Juni: Das Problem mit der Mathe-Klausur

In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der Abiturienten nahezu verzehnfacht. Wie war das möglich? Eine denkbare Erklärung läge in dem entsprechend gestiegenen Niveau an Intelligenz und Fleiß bei den Absolventen. Das wäre eine erfreuliche aber wohl wenig wahrscheinliche Nachricht. Ein weniger erfreulicher, aber realistischerer Grund für diese Entwicklung könnte neben den begrüßenswerten Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung der schulischen Lernprozesse in den dramatisch gesunkenen Leistungsanforderungen liegen. Dafür sprechen die drastisch gestiegenen Abbrecherquoten an den Universitäten und das, obwohl das Abitur qua definitionem die Studierfähigkeit dokumentieren soll. Auch die sich häufenden Klagen von Arbeitgebern in Wirtschaft und Verwaltung über den Mangel an grundlegenden Fähigkeiten bei Bewerbern mit Abitur sind ein beredtes Indiz für das Absinken der Qualität des höchsten deutschen Schulabschlusses. Statt die Anforderungen nach Protest der Schüler zu reduzieren, wie aktuell geschehen, und damit einen Präzedenzfall für weitere Aktionen dieser Art zu schaffen, die das Abitur weiter entwerten, sollten die Verantwortlichen in Bildungspolitik und -verwaltung dringend darüber nachdenken, ob der eingeschlagene Weg der Steigerung der Abiturientenquote um jeden Preis dazu geeignet ist, den größtmöglichen Nutzen für Absolventen und Gesellschaft zu generieren.

Dr. Gerold Schmidt-Callsen

Chance zur Korrektur

Ihrer Berichterstattung zufolge macht der Schulsenator Experten der Kultusministerkonferenz (KMK) bzw. des „Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ (IQB) dafür verantwortlich, dass die übertriebene Schwierigkeit der Mathematik-Aufgaben zu spät erkannt wurde. Dazu muss man wissen, dass diese Experten weder dem IQB noch der KMK angehören, sondern von allen Bundesländern, die an dem zentralen Aufgaben-Pool beteiligt sind, entsandt werden. Auch Hamburg hatte also Mathematik-Experten benannt, die an der Entwicklung und Bewilligung der Aufgaben mitwirkten. Die Behauptung, dass Experten des IQB oder der KMK an der Fehleinschätzung der Aufgabenschwierigkeit schuld sind, wirkt daher in etwa so, als hätte man eine Gruppe Schüler bei einem Streich erwischt, und einer von ihnen würde beteuern, dass nur die anderen Schuld waren, nicht er. Im Übrigen wurden sehr wohl auch in Bayern Mathematik-Aufgaben aus dem gemeinsamen Pool verwendet, jedoch versetzt mit landeseigenen Aufgabenelementen. In Bayern entzündete sich – wie später auch in Hamburg und anderswo – zuerst der Protest gegen die langen Textaufgaben. Es handelt sich in jeder Hinsicht um ein gemeinsames Problem der Bundesländer, das nur mit einem gemeinsamen Bekenntnis zur Verantwortung gelöst werden kann. Dabei darf man nicht vergessen: In den Expertenkommissionen treffen unterschiedliche Aufgabenstile und Überzeugungen der Bundesländer aufeinander. Man muss den Kommissionen die Chance geben, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Auch im Fach Deutsch gibt es mittlerweile Aufgaben, die durch viel zu viel Lektüre die Bearbeitungszeit unangemessen beschneiden, und auch diese Fehlentwicklung wird hoffentlich bald korrigiert.

Prof. Dr. Thomas Zabka