Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Juni 2019

Strom-Überangebot nutzen

8./9. Juni: Das Reiten auf der E-Welle. Elektromobilität und Elektroroller werden das Klima kaum retten – mitunter verschärfen sie sogar das Problem

Matthias Ikens kritische Gedanken zur Elektromobilität könnten von notorischen Klimawandel-Leugnern und „Freie Fahrt für freie Bürger“-Fans als Plädoyer für den Fortbestand des Verbrennungsmotors freudig begrüßt werden. Dieses wäre fatal und entspricht sicher nicht der Intention des Autors. Vor dem Hintergrund sehr hoffnungsvoller Perspektiven aus Wissenschaft und Forschung stellt Matthias Iken die Nachteile der Elektromobilität meines Erachtens zu gravierend dar. Dazu einige Argumente: Vielfach wird übersehen, dass auch die Brennstoffzellen-Technologie („power to gas“), für die Hajo Schumacher kürzlich so überzeugend im Hamburger Abendblatt argumentierte, ihre Energie letztlich über einen E-Motor auf die Straße bringt. Auch das Lithium-Dilemma wird demnächst durch andere, leistungsstarke Batterie-Techniken überwunden sein. Und schließlich: Natürlich sollte die in die Elektroantriebe fließende Energie überwiegend aus erneuerbaren Quellen stammen, d.h.: Autobatterien werden geladen bzw. Wasserstoff wird erzeugt, wenn Photovoltaik-Anlagen und Windräder Überkapazitäten produzieren, die im Netz gerade nicht anderweitig gebraucht werden. Stattdessen werden heutzutage Windräder bei einem Strom-Überangebot abgestellt und die Betreiber aus Steuergeldern entschädigt – was für eine groteske Verschwendung.

Hans-Jörg Bieger, Hamburg

Beamte sollten selbst zahlen

8./9. Juni: Noch mehr Bio, bitte! Der rot-grüne Vorstoß für regionale und Öko-Produkte dürfte gern etwas kräftiger ausfallen

Ja, ein größeres Bioangebot verbunden mit mehr regionalen und saisonalen Produkten in Kantinen wäre zu begrüßen. Aber was will uns der Autor damit sagen, dass die Stadt hierfür Geld in die Hand nehmen muss? In der privatwirtschaftlichen Firmenkantine muss ich selbst tiefer in die Tasche greifen, um gesundes Essen zu bekommen, weil der steuerliche Essensgeldzuschuss bundesweit gedeckelt ist. Warum also sollte ich mit meinen Steuern das Mittagessen für gut bezahlte Beamte subventionieren?

Eike Oldenburg

Subventionen für Bio-Anbau

Herr Dey schreibt mir aus dem Herzen. Ja, unbedingt benötigen wir viel mehr Bio, vor allem in der Kita- und Schulverpflegung. Doch eines muss noch viel klarer betont werden: Regionales Obst und Gemüse aus dem Alten Land und den Vier- und Marschlanden ist zum größten Teil noch nicht in Bio-Qualität erhältlich. Aus wirtschaftlichen Gründen haben die meisten Betriebe, dazu gehören auch Massentierhaltungsbetriebe, noch nicht auf Bio-Anbau bzw. artgerechte Haltung umgestellt. Deshalb müssen im Sinne der aufkeimenden Bio-Metropole Hamburg mehr Investitionen bzw. Subventionen seitens der Stadt/Politik zur Verfügung gestellt werden.

Christa Krumm

Unwürdige Beförderung

8./9. Juni: Gefährdet Moia Busse und Bahnen?

Aktuell sollten sich DB/HVV über jeden Kunden freuen, den sie nicht noch zusätzlich befördern müssen. Die Bahnen fahren teilweise gar nicht oder verspätet und sind obendrein brechend voll. Die Taktung ist einer modernen Großstadt unwürdig. So beginnt die großartig angekündigte Taktverdichtung auf der Strecke von Norderstedt-Mitte Richtung Innenstadt erst um kurz vor acht Uhr, wenn auch der letzte Schüler schon im Unterricht sitzt. Wer also gerne morgens frühzeitig im Büro ist, darf sich mit unzähligen Schülern in die Waggons quetschen. Dafür fährt die U1 nach Geschäftsschluss von der Innenstadt nach Fuhlsbüttel dann nur noch alle zehn Minuten. Wem der Weg zur U-Bahn zu weit oder zu unbequem ist, kann theoretisch den Bus nehmen. In Fuhlsbüttel fährt der allerdings im morgendlichen Berufsverkehr teilweise nur alle 20 Minuten. Und das zu Fahrpreisen, die im Vergleich zu anderen Städten im oberen Bereich liegen. Moia und Car Sharing sind hier sehr gute Zusatzangebote. Allerdings ist aufgrund der Reglementierung auf 100 Fahrzeuge nur selten ein Moia-Shuttle zu bekommen und Car Sharing wird in Fuhlsbüttel gleich gar nicht erst angeboten. Den Grünen, die ja nun demnächst im Bezirk Nord das Sagen haben werden, sei gesagt: Nicht jeder möchte Fahrrad fahren. Vielmehr sind sie aufgefordert für alle Bewohner dieser Stadt sinnvolle Alternativen zum Pkw-Verkehr zu fördern und diesen nicht gleich in den Ansätzen wieder das Wasser abzugraben.

Beate Reimann

Baustellen sind Schuld

7. Juni: Chaos ,nicht akzeptabel‘: Senator droht S-Bahn mit Millionenstrafe

Es klingt wie Ironie, wenn der Verkehrssenator Hamburgs, Deutschlands Staustadt Nummer eins, der S-Bahn aufgrund von Störungen und Bahn-Ausfällen mit einer Millionenstrafe droht. Genau der Senator, der dem Ressort vorsteht, das für das tägliche und zum sehr großen Teil hausgemachte Chaos auf Hamburgs Straßen zuständig ist. Wen können eigentlich die tausenden täglich im Stau stehenden Autofahrer für unnötig verlorene Zeit in Regress nehmen? Denn trotz der groß angekündigten neuen Verkehrskoordinatoren wird das Chaos auf den Straßen immer perfekter. Und das liegt nicht am zunehmenden Pkw/Lkw-Verkehr, sondern eindeutig an den willkürlichen und völlig unkoordinierten Baustellen und Sperrungen. Denn mit Vorliebe wird auf diversen Einfuhrstraßen und Autobahnen gleichzeitig gesperrt oder eingeengt. Ausweichstrecken Fehlanzeige. Um es mal mit den Worten von Verkehrssenator Westhagemann auszudrücken: „Das ist so nicht akzeptabel“.

Frank Offermann, Stelle

Konsequente Reaktion

7. Juni: Pinneberg schießt Rehe vom Friedhof. Schon zwei Böcke erlegt

Anders als die ca. eine Million Stück Rehwild, die jährlich im Rahmen der nachhaltigen Bejagung in der freien Landschaft entnommen werden, hat Rehwild auf Friedhöfen nichts zu suchen. Friedhöfe und ihre Verwaltungen haben traditionell die Aufgabe, eine würdige Trauer und ein achtendes Gedenken an die Verstorbenen zu ermöglichen. Dies ist ein Bestandteil unserer christlich-abendländischen Kultur. Friedhofsgärtner haben dabei mit der Anlage und Pflege von Gräbern mit Blumen und Gehölzen eine wichtige Aufgabe. Rehwild ist sogenannter Konzentratselektierer, das meint, dass Rehwild das Besondere in der Vegetation auch besonders mag: Es verbeißt Blüten und Knospen, reißt Zierpflanzen heraus, scharrt auf den Gräbern und zerstört so mit Kostenaufwand angelegte Gräber. Die Nutzungsberechtigten in Pinneberg beschweren sich seit Jahren bei den Friedhofsgärtnern, die aber vor Ort nichts ausrichten können. Warum soll man eine Grabnutzungsgebühr zahlen, wenn die Grabanlage im Bestand nicht geschützt wird? In Folge führt dies zur Abkehr von der Friedhofskultur, defizitären Friedhofsverwaltungen und verödenden Friedhöfen. Ursache der erforderlichen Bejagung auf dem Pinneberger Friedhof ist, dass man jahrelang dem Konflikt aus dem Wege gegangen ist und sich so ein Rehwildbestand auf dem Pinneberger Friedhof etablieren konnte, wo er definitiv nicht hingehört. Endlich reagiert die Verwaltung fachgerecht und konsequent und löst das Problem.

Dr. Frank Schoppa, Verbandsgeschäftsführer Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland e.V.

Chance für Langzeitarbeitslose

7. Juni: Lässt Jobcenter 30 Millionen Euro verfallen? Initiative „Sozialstart Jetzt“ wirft Stadt und BA vor, Mittel des Bundes für Langzeitarbeitslose nicht zu verwenden

Die Wirtschaft brummt, die Firmen jammern über fehlende Fachkräfte und trotzdem ist man nicht bereit, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben. Wo ist die soziale Verantwortung dieser Unternehmen? Ich finde es eine Schande, dass eine Gruppe der Bevölkerung einfach aus dem Arbeitsleben ausgegrenzt wird. Dann darf man auch nicht jammern, dass man keine Fachkräfte hat. Damit sind wohl eher diejenigen gemeint, die sich gut ausnutzen lassen. Armgard Alsdorf, Buchholz​