Leserbriefe

Briefe an die Redaktion 08. Juni 2019

Differenzierte Anpassung

6. Juni: Debakel bei Hamburgs Mathe-Abi: Wie konnte das passieren?

Ich bin eine betroffene Mutter. Im Kurs meines Sohnes ist nur bei wenigen die Klausur einigermaßen ausgefallen. Die meisten haben sie wirklich schlecht geschrieben. Nun kommt er heute mit der sogenannten „angepassten“ Note nach Hause – die Anpassung macht keinen Unterschied. Da sie prozentual berechnet wird ist ein Unterschied nur bei sowieso guten Ergebnissen zu beobachten. Dort dann auch tatsächlich bis zu drei Notenpunkte höher. Bei denen aber, die aufgrund des schlechten Ergebnisses um ihr Abitur bangen, hat sich nichts an der Note verändert. Herr Minister Rabe hat also eine „differenzierte“ Anpassung vorgenommen – die Schüler lernen schon jetzt: Nur der Gute wird belohnt? Warum hat man nicht pauschal die Notenpunkte angehoben? Aus Angst vor dem Ruf nach Ungerechtigkeit aus anderen Bundesländern? Der blieb sowieso – und kaum einer weiß, dass die Notenanhebung bei weitem nicht jedem etwas brachte. Wer die Klausur wirklich „verhauen“ hat – dem blieb seine schlechte Note erhalten.

Birgit Ziermann

Konsequente Politik der Union

4. Juni: Ein deutsches Drama Keine Partei hat dieses Land so zum Guten verändert wie die Sozialdemokraten. Die SPD wird weiter gebraucht. Eine politische Liebeserklärung von Matthias Iken

Die Aussage, dass keine Partei stärker als die SPD Deutschland zum Guten verändert habe, bedarf zumindest einiger Korrekturen. Wenn die Union mit Konrad Adenauer nach dem Krieg und Zusammenbruch nicht auf eine starke Westeinbindung hingearbeitet hätte, sondern man der SPD mit Kurt Schumacher gefolgt wäre, hätte die Sowjetunion ihren verderblichen Einfluss auf das gesamte Deutschland ausgedehnt. Und man darf auch nicht vergessen, dass trotz der Unruhen in der DDR kurz vor der Maueröffnung Egon Bahr und andere SPD-Politiker verlauten ließen, von Wiedervereinigung zu sprechen wäre „unanständig“. Diese Aussage ist nie zurückgenommen worden. Beides kam wegen der konsequenten Politik der Union glücklicherweise anders.

Sylvia Zarnack

Mit Parolen der Rechten

7. Juni: So gewinnt man Wahlen Die Sozialdemokraten in Skandinavien verfolgen längst eine strenge Ausländerpolitik

Die Zeit für liberale und humane Flüchtlingspolitik ist in den Niederlanden und Schweden schon lange vorbei und jetzt haben die Sozialdemokraten in Dänemark damit Erfolg, Solidarität, Menschlichkeit und Gerechtigkeit über Bord zu schmeißen und mit Parolen der Rechten zu punkten. Die ganze Republik pinkelt Angela Merkel ans Bein wegen ihrer Entscheidung 2015, die Grenzen zu öffnen, aber sogar von den Grünen dafür bejubelt wird. Die Konsequenz: Union und SPD werden in Wahlen abgestraft, die AfD bekommt immer mehr Zulauf, während die Grünen einen raketenhaften Aufstieg hinlegen. Die Grünen haben mit dem Thema Umweltschutz gepunktet, deren offene Asylpolitik scheint für die Wähler und Wählerinnen zweitrangig gewesen zu sein. Hat sich Deutschland inzwischen mit den Emigranten abgefunden, weil die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten sind? Wenn die Große Koalition jetzt alles dransetzt, die Integration der Flüchtlinge schnellstmöglich fortzusetzen und damit Erfolg hat, dann wird allen Rechtsparteien wie der AfD der Wind aus den Segeln genommen. Wahlen mit rechtsradikalen Parolen wie jetzt in Dänemark zu gewinnen, wären ein Armutszeugnis für alle demokratischen Parteien in unserem Land. Alle Bürger und Bürgerinnen würden wieder Vertrauen in die Regierung haben, wenn die Aussage von Gerhard Schröder auch in der Praxis umgesetzt würde: „Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: raus - und zwar schnell.“

Dietmar Johnen-Kluge

Das Elend der Welt bekämpfen

Die dänischen Sozialdemokraten haben erkannt, dass es niemals linke Politik sein kann, das Elend der Welt dadurch zu bekämpfen, dass man es ins eigene Land holt. Zumal es nicht die Ärmsten der Armen sind, die da kommen, sondern eher in ihrem Land die Mittelschicht, die immerhin genügend Geld für nicht ganz billige Schlepper und Schleuser hat. Man denke doch nur einmal, was man mit den 50 Milliarden Euro, die Bund, Länder und Gemeinden bisher für die Flüchtlinge ausgegeben hat, in deren Heimatländern hätte schaffen können. Das wäre echte Solidarität und Menschlichkeit und - man verwendet das Wort ja heute so gerne - Nachhaltigkeit!

Jürgen Jeschke, Norderstedt

Migrationspolitik ändern

Ich kann dem nur zustimmen. Ohne Änderung der Migrationspolitik durch die Regierung werden die rechten Parteien weiterhin Zulauf haben.

Waltraud Winnesberg