Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 7. Juni 2019

Betrag aus der Portokasse

6. Juni: Neuer HSH-Prozess: Ex-Chefs kaufen sich frei

Nonnenmacher hat hunderte Menschen materiell ins Unglück gestürzt und zahlt jetzt aus der Portokasse eine Geldauflage nach Paragraf 153. Bürgerferne und Arroganz machen sich mal wieder bezahlt. Nein, das ist keine Klassenjustiz. Das ist nun mal so in unserer Zeit, in der wir leben. Politiker und Manager leben in einer eigenen Welt. Dem Bürger fern kümmern sie sich um ihre eigenen Bedürfnisse. Sind die Diäten erhöht, die Boni gezahlt, kümmern sie sich um ihre Ehrenämter. Doch plötzlich ändern sich die Wahlergebnisse… Und das ist gut so!

Wolfgang Müller

Wo bleibt die Verantwortung?

Die Höhe der Vorstandsbezüge werden gern mit dem Wort Verantwortung in Verbindung gebracht. Wo bleibt denn die Verantwortung, wenn man sich später mit Geld freikaufen kann? Dieser „Deal“ beeinträchtig das Ansehen der Justiz.

Dietrich Zerbst, Ammersbek

Seilbahn: eine großartige Idee

5. Juni: Grüne Idee: Eine Seilbahn von Elmshorn nach Hamburg

Eine großartige Idee, die ausgereifte Technik der Seilbahn für den Transfer großer Fahrgastzahlen von A nach B zu ermöglichen. Wer sich Gedanken über eine deutliche Verminderung von Kohlendioxid macht, kommt an der Seilbahn mit ihrem geringen Energiebedarf nicht vorbei. Es ist zu hoffen, dass die Vorteile eines solchen Projekts genügend erklärt werden, damit der Bürger mit Sachkenntnis darüber befinden kann.

Gunnar Wetzel

Der Stau sind wir selbst

5. Juni: Sperrung und Stau – nichts geht mehr. Technischer Defekt, Baustellen und Unfälle legen Bahn- und Autoverkehr lahm

Wer im Stau steht oder sich über den schwer fließenden Verkehr ärgert und schimpft, dem muss bewusst sein, dass sie oder er der Stau sind. Nicht nur, dass durch den wachsenden Verkehr die Staus verursacht werden, es wird auch die Lebensqualität der Anwohner, Fußgänger und Fahrradfahrer gemindert. Unsere Politik schaut nur auf die Wirtschaft, Umsatz und Gewinne sind das A und O. Die Kosten werden ja von der Allgemeinheit bezahlt. Regierungsparteien und Opposition wollen die wachsende Stadt, die es ohne Baustellen nicht gibt. Arbeitsplätze sollten dort entstehen und angeboten werden, wo die Menschen wohnen. Mit Pendlern und Kfz-Staus werden wir unsere Klimaziele nie erreichen.

Otto Kröger, Hamburg

Schichtarbeit auf Baustellen

Der Senat muss erkennen, dass Pendler auf ihr Auto angewiesen sind, so lange Straßenbahnen, U- und S-Bahnen nicht angemessen ausgebaut sind und die oftmals beschworene Metropolregion angeschlossen ist. In diesem Jahr wurden allein in Hamburg 11.000 Autos mehr angemeldet. Und wieso kann eine Baustelle nicht einfach mal in Schichtarbeit zügig erledigt werden? Zeit kostet Geld, also warum nicht das System ändern? Zeitvorgabe, Schichtarbeit verteilt über 24 oder 12 Stunden, bei Zeiteinhaltung gibt es einen Bonus, bei Überschreitung Abzug. Private Vergabe wie die A1 Richtung Bremen hat gezeigt, wie es funktionieren kann. „Freie Fahrt für freie Bürger“ klingt da wie ein Spruch aus Zeiten als es noch Pferdekutschen gab, ist aber meinem Geburtsjahrzehnt entsprungen und ich fühle mich noch jung genug, meine Gewohnheiten zu ändern, wenn denn die Rahmenbedingungen gegeben wären.

Harro Booth

Ein beispielloses Versagen

5. Juni: Mathe-Abiklausur zu schwierig – es gibt bessere Noten

Man sollte annehmen, irgendjemand aus der Schulbehörde käme vor dem Prüfungstermin auf die Idee, die Aufgaben auf Angemessenheit oder Machbarkeit zu prüfen. Offenbar leider eine falsche Annahme. Nach erfolgter Online-Petition und langem Schweigen der Schulbehörde dann die Mitteilung, es würde keine Änderungen in der Bewertung geben. Zwei Tage vor Bekanntgabe der Noten eine weitere Pressemitteilung, die Klausuren seien etwa eine Note schlechter als in den Vorjahren ausgefallen, deswegen würde allen Prüflingen eine mündliche Prüfung angeboten. Wenige Stunden nach Ausgabe der Noten und vieler frustrierter Schüler werden diese dann telefonisch informiert, dass der Bewertungsmaßstab geändert würde und sie sich bitte am darauffolgenden Tag in der Schule einfinden mögen, um ihre neuen Noten zu erfahren. Erwartungen sind geweckt, Hoffnung kommt auf. Für etwa die Hälfte der Schüler gibt es schließlich Verbesserungen um ein bis drei Punkte. Die andere Hälfte geht leer aus. Der veränderte Bewertungsmaßstab ist im Übrigen weder offengelegt worden noch plausibel. Als Vater von drei schulpflichtigen Kindern und Ehemann einer Lehrerin, muss ich sagen: So geht man mit Schülerinnen und Schülern nicht um. Sowohl in der Sache als auch hinsichtlich der Kommunikation aus der Behörde handelt es sich in dem gesamten Prozess leider erneut um ein beispielloses Versagen.

Christian Fischer, Hamburg

Aufmerksamer Kanzler

4. Juni: Ein deutsches Drama. Keine Partei hat dieses Land so zum Guten verändert wie die Sozialdemokraten. Eine politische Liebeserklärung von Matthias Iken

Stark! Ihr Artikel ist enorm gut und aufrüttelnd. Sozialdemokraten müssen wieder sehen lernen. Als 1969 die Reformzeit anbrach, sah Willy Brandt auch auf die Universitäten. Er lud die beiden jüngst gewählten Präsidenten Rolf Kreibich von der Freien Universität Berlin und Peter Fischer-Appelt von der Universität Hamburg mit ihren Ehefrauen zu einem besonderen Abendessen ins Bundeskanzleramt ein. Das geschah am 2. Juni 1970, dem Tag der dritten Wiederkehr des Todes des Studenten Benno Ohnesorg. Später hätte man Artikel über dieses symbolträchtige Handeln des Reformkanzlers geschrieben, damals aber fiel es als solches gar nicht auf. Es war einfach Aufmerksamkeit im besten Sinne des Wortes. In 21 Jahren meiner Präsidentenzeit hatte ich nie einen sozialdemokratischen Senator (ganz am Anfang einen Monat Drexelius). Ich gehörte als Uni-Präsident wohlbedacht nicht einer Partei an, aber ich stand 21 Jahre für sozialdemokratische Reformpolitik mit eigener Handschrift. Das Sehen der Sozialdemokraten verlor sich nie ganz. Keinen einzigen Tag habe ich mich mit mir selbst beschäftigt. Dazu blieb wirklich keine Zeit, das läuft immer nebenbei mit.

Prof. Dr. Dr. Peter Fischer-Appelt

Partei ohne Profil

Mathias Iken schildert die SPD als Ort der gesellschaftlichen Vielfalt. Als langjähriges Betriebsratsmitglied und ehrenamtlicher IGM-Funktionär kenne ich das anders. Die wenigen in der SPD organisierten Kollegen beklagten schon vor Jahrzehnten die Dominanz der „Amtsinhaber“ und „Kopfgesteuerten“, die die Partei als sicheren Karrierehintergrund nutzten. Schon Bürgermeister Voscherau beklagte diese Entwicklung gelegentlich als bedenklich für seine Partei. Und das war noch untertrieben. Der Vertrauensverlust der Partei ist die direkte Folge der Verbürgerlichung und der Profillosigkeit der SPD, die in diesem Artikel aber als „parteigewordene Kraft des Ausgleichs“ gefeiert wird.

Rudi Christian

Eine Schande für Hamburg

4. Juni: Zehn Angriffe auf Polizisten am Wochenende

Die alltägliche Gewalt gegen Polizisten, Feuerwehrmänner und Sanitäter in dieser Stadt ist eine Schande. Diese Menschen kümmern sich um das Gemeinwohl, die Sicherheit, das Recht und die Gesundheit der Bürger in der Stadt. Sie zu beschimpfen, zu bespucken, zu schlagen oder ihnen Schlimmeres anzutun, heißt die Grundlagen unseres Verfassungssystems in Frage zu stellen. Was früher nur bei Demonstrationen und Fußballspielen der Fall war, scheint heute gängige Praxis. Die Justiz sollte dieser Entwicklung im Namen des Volkes mit aller Härte entgegentreten.

Hartwig Vosgerau