Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Mai 2019

Zweierlei Maß

18./19. Mai: Ticket-Affäre bringt SPD in Bedrängnis. Bezirk Nord soll auch Freikarten für Konzerte in der Sporthalle gefordert haben

In Zeiten, in denen man hart arbeitenden Müllwerkern oder Postboten Trinkgeld etwa zu Weihnachten nur noch heimlich zukommen lassen kann, haben SPD-Mitglieder, die als Staatsräte oder Bezirksamtsleiter sicherlich das Fünffache verdienen, keine Scheu, Zuwendungen aller Art entgegenzunehmen. Und das sind Mitglieder der Partei, die Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung allenfalls die Annahme eines Werbekugelschreibers erlauben.

Frank Fischer, Hamburg

Schritt nach vorn

18./19. Mai: Der (Wasser-)Stoff, aus dem die Zukunft ist. Es wird Zeit, überschüssigen Ökostrom zu Gas und Geld zu machen

Das Thema Wasserstoff beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit. Schön, dass Hajo Schumacher das Thema aufgreift und die derzeitige Entwicklung kritisiert. Vor wenigen Wochen haben sich die Politiker der Nordländer mit dem Thema beschäftigt und festgestellt, dass kein anderer Weg in die Elektromobilität führt als der über die Brennstoffzellentechnik mit Wasserstoff. Alle anderen Wege, die derzeit leider immer noch beschritten werden, nutzen nur Ressourcen, die endlich sind. Auf Windkraft und Solartechnik zur Erzeugung von Wasserstoff zu setzen ist der einzige vernünftige Weg. Ich gratuliere den Politikern der Nordländer zu diesem wohl einmaligen Schritt in eine vernünftige Zukunft. Jetzt ist die Industrie am Zug.

Ulrich Schauer

Selbstbestimmung erlauben!

18./19. Mai: CDU-Chefin will Debatte über Kopftuch. Annegret Kramp-Karrenbauer: „Kopftücher im Kindergarten oder in der Grundschule haben mit Religion oder Religionsfreiheit nichts zu tun“

Als muslimisches Mädchen hat man es schwer: Die Familie verlangt das Tragen des Kopftuchs, die Behörden fordern das Gegenteil. Anstatt die Kinder in diesem Dilemma stecken zu lassen, halte ich es für sinnvoller, die kleinen Mädchen durch zeitgemäße Wertevermittlung mit so viel Selbstwertgefühl und Eigenständigkeit auszustatten, dass sie eines Tages das Tuch von selbst ablegen – oder auch nicht. Schließlich gehört die Selbstbestimmung zur Menschenwürde, oder?

Margret Paech, Ammersbek

Nabu zeigt das wahre Problem

17. Mai: Hafengeburtstag: Wind wehte laut Nabu die Schadstoffe weg

Der Nabu beweist mit seinen Messungen an der Elbe, wie es tatsächlich mit den Schadstoffen in Hamburg aussieht. Nur um eine Ideologie durchzusetzen, wird an irgendeiner stark befahrenen Straße gemessen – um schlechte Werte zu bekommen. Wenn der Wohnungsbau nicht weiter die Frischluftschneisen, die für das Innenstadtklima wichtig sind, zerstören darf, braucht man keine Fahrverbote oder elektrischen Tretroller!

Thomas Schendel

Konkurrenz freut sich

17. Mai: Riesenstaus im Hafen – Frachter sollen umgelenkt werden. Behörden sind alarmiert. Am Terminal Altenwerder sinkt wegen Verkehrsverzögerungen die Umschlagsproduktivität

Früher war dem Senat der Hafen sehr wichtig, heute scheut er sich, für dieses Gebiet Geld in die Hand zu nehmen, um die Baufirmen zumindest an einigen Straßen rund um die Uhr arbeiten zu lassen. Jetzt müssen die Hafenfirmen mit zusätzlichen, komplizierten Maßnahmen Kosten aufwenden, um den Ruf des Hafens aufrechtzuerhalten. Die Konkurrenz in Holland/Belgien usw. freut sich. Armer Senat im doppelten Sinne!

Horst Pietzsch, Hamburg

Bauen statt reden

Endlich Megastaus! Unmissverständ­liche Symbolkraft des Stillstandes ist: Nichts geht mehr, nicht einmal umkehren. Staus zwingen ultimativ zu sofortiger Umsetzung hinreichend bekannter Alternativen für Pendler und Containertransport und sind insofern nicht als Bremse, sondern als Triebfeder für echten Fortschritt zu begreifen. Mit der bloßen Forderung nach Baustellenkoordination biegen wir in die nächste deutlich beschilderte Sackgasse ab.

Detlef Monska, Buxtehude

Hamburg verliert den Charme

16. Mai: 60 Wohnungen, Büro und Läden am Domplatz. Fast alle Altbauten zwischen Alter Fischmarkt, Große Reichenstraße und Domstraße sollen für das 100-Millionen-Euro-Projekt abgerissen werden

Es ist mir unverständlich, warum fast alle Altbauten zwischen Alter Fischmarkt, Große Reichenstraße und Domstraße abgerissen werden sollen für ein 100-Millionen-Euro-Projekt. Wieder wird ein Teil Hamburger Geschichte der Abrissbirne zum Fraß vorgeworfen und durch seelenlose, meist gläserne Gebäude ersetzt. Wobei der geplante Neubau des Architekten Carsten Roth sehr dem Chilehaus ähnelt. Noch nicht einmal neue Ideen sind da, aber erst mal abreißen! Weg ist weg! Die dabei entstehenden Stäube scheinen selbst die Grünen nicht zu interessieren. Warum saniert man nicht die alten Häuser? Hamburg verliert mehr und mehr Charme. Schade!

Ingrid Kallbach