Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. Mai 2019

Verein verkommt zur Farce

16. Mai: Die Geschichte eines Rauswurfs. Bereits nach dem 0:3 gegen Ingolstadt hat Sportchef Becker Trainer Wolf informiert. Streit gibt es nun trotzdem: über das Wort ,vielleicht‘

Die neuerliche Trainerentlassung passt „lediglich“ haargenau in das Bild, das der HSV seit geraumer Zeit von sich preisgibt. Nicht allein der Rauswurf von Hannes Wolf wächst sich dabei zur Posse aus, der ganze Verein verkommt immer mehr zu einer Farce. Wo ist auch nur ein Funken jenes Charakters, den der große Uwe Seeler diesem Verein seinerzeit verliehen hat? Sportdeutschland jedenfalls schüttelt den Kopf.

Ira Bartsch, Lichtenau-Herbram

Kommunikation unter Niveau

Ganz egal ob Hannes Wolf der richtige oder nicht der richtige Trainer für den HSV ist oder war, aber die Art und Weise wie hier mit seiner Person und als Mensch (von Seiten des Vereins aber auch von den Medien) zur Zeit mit ihm umgegangen wird, erscheint erschreckend. Die Kommunikation hierüber ist und bleibt nicht 2. Bundesligawürdig, sondern reduziert sich auf ein Niveau, für das man Hannes Wolf einfach nur in Schutz nehmen muss. Gleichzeitig sollte man auch den Mut haben und sagen: Entschuldigung für das was in den letzten Wochen hier mit Ihnen passiert ist, Herr Wolf. Das lichtet mit Sicherheit nicht die normale menschliche Seite eines Hamburgers ab. Ich hier kann nur sagen, ich wünsche Ihnen für Ihre berufliche Zukunft und außerhalb von Hamburg alles erdenklich Gute.

Frank Gerber, Hamburg

Infrastruktur ausbauen

14. Mai: Von wegen Fahrradstadt: Noch mal 11.000 Autos mehr in Hamburg. Neuer Rekord: Jetzt fast 800.000 Pkw gemeldet

Es ist sicherlich nicht verwunderlich, das es mehr Autos in Hamburg gibt, wenn jährlich einige 10.000 Menschen nach Hamburg ziehen. Die Zahl der Autos pro Einwohner ist ja nicht gestiegen. Wenn aber die Einwohnerzahl ständig wachsen soll, muss auch die Infrastruktur entsprechend ausgebaut werden. Dazu gehören Straßen, öffentlicher Nahverkehr, Arztpraxen Schulen etc., sonst übersteigt der Zuzug die Kapazitäten der Stadt. Eins ist klar: je mehr Wohnungen gebaut werden, umso größer wird der Zuzug von außerhalb sein!

Harald Meyer, Hamburg

HVV muss billiger werden!

Es wundert mich gar nicht, dass die Leute noch aufs Auto setzen. Der HVV ist derart übertrieben teuer, beispielsweise kostet eine Fahrt für zwei Personen in die Innenstadt von Stellingen oder Eidelstedt hin und zurück mehr als zehn Euro. Selbst unsere Kinder, die umweltbewusst sind, nehmen da aus Kostengründen das Auto. Fahrradfahren ist auch nicht wirklich die Alternative, da die von den Grünen verordneten Radstreifen auf der Fahrbahn einfach zu gefährlich sind. Ich bin 57 Jahre und fahre seit langem Fahrrad. Allerdings schon seit einigen Jahren nicht mehr in dieser Stadt, da ich sonst teilweise direkt neben LKW und Bussen fahren müsste. Zudem leben wir hier in Norddeutschland, es ist normal, dass die Leute bei schlechtem Wetter weniger Fahrrad fahren. In meinen Augen muss die fanatische Fokussierung auf die „Fahrradstadt“ aufhören. Der HVV muss drastisch billiger werden, und die von der CDU ins Spiel gebrachte „Grüne Welle“ halte ich fürs erste für eine gute, weil realisierbare Idee. Der Individualverkehr wird uns noch eine ganze Weile begleiten, speziell unsere grünen Politiker täten gut daran, das zu akzeptieren.

Sven Witt, Hamburg

Bequemes Wesen – Mensch

14. Mai: Leitartikel: Autorekord hat Ursachen. Es ist aus Sicht vieler Hamburger sinnvoll, einen Pkw zu besitzen. Politik kann das ändern

In Ihrem Leitartikel schreiben Sie, die ÖPNV- und Sharing-Angebote müssten sehr viel besser werden, damit die Hamburger es für weniger sinnvoll halten, einen Pkw zu besitzen. Seit 2018 betreibt der HVV die Bus-Linie 451 zwischen Bubendey-Ufer(Fähre) und den Container Terminals Burchardkai/Eurogate. Die Strecke verläuft über Dradenau, vorbei an der BAB-Auffahrt Waltershof, Zellmanstraße, Altenwerder Damm. Die Busse fahren täglich ab ca. sechs Uhr in mindestens stündlichem Abstand bis gegen 23:00 Uhr (auch sonnabends und sonntags). Die Linie 451 ist also offensichtlich ein ÖPNV-Angebot für die Leute, die auf den Container Terminals Eurogate und HHLA-Burchardkai arbeiten. Nur niemand von ihnen fährt mit dem Bus 451. Alle stehen lieber mit ihrem Auto im Stau zur BAB-Auffahrt oder Köhlbrand-Brücke, den jedoch die Busfahrer der Linie 451 durch geschickte Wahl der Fahrspur umfahren können. Die Anschluss-Fähre 62 von Finkenwerder kommend über Bubendey-Ufer zu den Landungsbrücken verkehrt täglich alle 15 Minuten und steht nie im Stau. Dauernd wird über den Schutz unserer Umwelt geredet und geschrieben, aber wenn es der HVV dem einzelnen ermöglicht, selbst etwas dafür zu tun, dann wird gekniffen und aus dem „rationalen Wesen“ (Mensch) wird ein bequemes Wesen. Auch die Betriebsführungen der beiden Terminals scheinen wenig Interesse zu haben, ihre Mitarbeiter zu motivieren, vom eigenen Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen.

Wolfgang Lange

Positive Nachricht für wen?

15. Mai: Bauboom – 10.000 Wohnungen in einem Jahr fertig

Eine positive Nachricht für wen? Für die Bauindustrie und Wohnungsbauinvestoren allemal. Auch die Politik schaut zufrieden drein, noch. Endlich einmal die 10.000er-Marke geknackt. Ob das auch für die Mieter gilt, muss sich erst noch erweisen. 2016/17 dürften dreiviertel der frei finanzierten Wohnungen im Schnitt ca. 95 qm groß gewesen sein mit Kostenmieten von 13, 14, 15 Euro und mehr pro Quadratmeter. Sind das die Wohnungen, die wir brauchen? Ein Sickereffekt, auf den Politiker gern verweisen, wurde bisher noch nicht nachgewiesen. Und die Umwelt? 40 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland werden nach Aussage der ehemaligen Bundesbau- und Umweltministerin Hendricks (SPD) dem Wohnen und Wohnungsbau zugerechnet. Das wird der schwerste Brocken für das Klimakabinett. Und wieder 11.000 Pkws mehr in Hamburg sind auch eher eine Schreckensnachricht.

Helgo Klatt, Hamburg

Zinspolitik: Kritik berechtigt

14. Mai: Haspa-Chef: ,Die Sparer werden enteignet‘

Die Kritik des Chefs der Hamburger Sparkasse an der Niedrigzinspolitik der EZB, die zu einer Enteignung der Sparer und einer Verschlechterung der Altersvorsorge führt, ist berechtigt. Allerdings wird sich auf europäischer Ebene nichts ändern, da die Politiker aus fast allen EU-Ländern – vor allem in Süd- und Osteuropa – an niedrigen Zinsen interessiert sind, um nötige Strukturreformen zu vermeiden. Die Forderung, dass sich die deutsche Politik um diese Problematik kümmert, ist auch richtig, wird aber nichts bewirken, da die Politiker Druck seitens der Sparer nicht fürchten müssen, weil es sich nicht um ein „Enteignungs-Aufregerthema“ handelt. Sparer lassen sich nur schwer oder gar nicht organisieren. Es wäre politisch leicht möglich, z. B. die steuerlichen Freibeträge für eine selbst aufgebaute Altersvorsorge zu erhöhen, so dass die steuerliche Belastung sinkt und im Alter das verfügbare Einkommen steigt. An solch einer Regelung scheinen die politisch Verantwortlichen jedoch nicht interessiert zu sein, lieber verteilt man soziale Wohltaten an seine politische Klientel.

Manfred Kurz, Hamburg

Der Gedanke ist gut, aber...

15. Mai: Stechuhr für alle Arbeitnehmer?

Der Gedanke ist gut, aber „halbgar“. Denn: Was machen die extern arbeitenden Mitarbeiter, die entweder im homeoffice (Eltern-Zeit oder Betreuung pflegebedürftiger Familienangehöriger) arbeiten oder externe Termine wahrnehmen (müssen), z. B. Sozialpädagogen/ Familienhelfer? Erst wenn dieser „Brocken“ richtig (adäquat) bereinigt ist, profitieren beide Seiten!

Saskia Schneider, Harburg