Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Mai 2019

Taten statt Events

11./12. Mai: Die schöne neue Welt und die Wirklichkeit. Digitalkonferenzen sind wie Schlagerkonzerte. Wann wird auffallen, dass die lästige Realität da draußen anders ist?

Hajo Schumacher spricht mir aus der Seele. Veranstaltungen wie die OMR (Online Marketing Rockstars, Anm. d. Red.) mögen durchaus eine Berechtigung haben, aber sind sie wirklich innovativ, zukunftsweisend? Oder dienen sie nur den Eitelkeiten und Machtansprüchen der Firmen, Politik und „wichtigen“ Menschen. Eventcharakter heißt noch lange nicht modern. Welche Ziele werden verfolgt, wo ist der Mehrwert erkennbar für die Gesellschaft, für Europa, für die Welt? Vielmehr wird ein Bild geprägt, dass an der Wirklichkeit vorbeigeht. Kein Arbeitsplatz, der unser Zusammenleben erst möglich macht, in der Pflege, in der Sicherheit, in der Bildung, im Handwerk profitiert davon. Denn dort hilft „Digitalisierung“ nur bedingt. Der Faktor Mensch bleibt entscheidend und die für unser aller Zusammenleben wichtigen „Funktionen“ müssen gefördert und zukunftsfähig, sprich attraktiv, gemacht werden. Dazu braucht es keiner Events sondern Taten.

Georg Hartmann

Fair sein ist selbstverständlich

10. Mai: Hamburger Grüne wollen faire Vermieter steuerlich belohnen. Wenn es fünf Jahre lang keine Erhöhungen gibt, sollen die entgangenen Einnahmen vollständig absetzbar sein

Was ist das für ein absurder Gedanke, jemanden zu belohnen, der sich fair verhält (was ja selbstverständlich sein sollte) und ihm die Differenz zum unfairen Verhalten steuerlich zu schenken? Ich glaube, wir sind hier in Absurdistan, wo nach Gutdünken Steuergelder verschenkt werden.

Jürgen Jeschke, Norderstedt

Die meisten Mieter sind fair

Faire Vermieter sollen nach dem Willen der Grünen steuerlich entlastet werden. Fair bedeutet in unserem Sprachgebrauch etwa anständig, ehrlich, gerecht. Das trifft nach meiner Einschätzung auf die Mehrheit der Vermieter zu. Denn niemand handelt unfair, wenn er zum Beispiel in vorgegebenen Zeiträumen die Miete nach dem Mietenspiegel überprüft und ggf. erhöht. Das ist für den Mieter nicht immer angenehm, aber von der Politik so gewollt und seit Jahren praktiziert. Warum sollten Vermieter künftig für steuerliche Vorteile darauf verzichten, da muss sich die Politik schon ein bisschen mehr einfallen lassen.

Klaus Bastian

Übertriebene Überschrift

10. Mai: HVV-Bus rast gegen Wohnhaus

Das ist wieder eine marktschreierische Überschrift. Der Bus ist gefahren, gerollt, geprallt oder was auch immer, aber keineswegs „gerast“, was eine hohe Geschwindigkeit impliziert. Bitte bei den Überschriften etwas sachlicher.

Willy J. Rohde

Digitalsteuer einführen

10. Mai: Scholz bleibt der schwarzen Null treu. Der Bundesfinanzminister hält die Einnahmeausfälle, die ihm die Steuerschätzung voraussagt, für verkraftbar und lehnt neue Schulden ab

Es bedarf gar keiner Steuererhöhungen, um das Milliardenloch zu stopfen. Finanzminister Scholz muss nur das „Mehrwertsteuer-Karussell“ stoppen, endlich die Digitalsteuer einführen und Amazon, Ikea und Co. die Gewinne besteuern. Leider will der Bundesfinanzminister Scholz das anscheinend nicht, auch wenn die eigene Partei das seit Jahren fordert. Alles auf Europa zu schieben ist zu billig.

Götz Gerhardt

Hohes Bußgeld verhängen

10. Mai: Drohne legt Flughafen lahm. In Frankfurt wurden 143 Starts und Landungen annulliert, 48 Flugzeuge umgeleitet

Das war doch nur eine Frage der Zeit. Von vornherein hätten Regeln festgelegt werden müssen: eine Registriernummer und ein Mindestabstand zu sensiblen Orten wie Flughäfen und ähnliches. Außerdem droht Haltern ein so empfindliches Bußgeld, dass ihnen dieser gefährliche Unsinn vergeht. Aber Politik handelt wieder mal nach dem Motto „Schau’n wir mal...“ Ich bin gespannt, wie es sich mit den Elektrorollern entwickelt.

Mark Gudow

Verantwortung tragen andere

9. Mai: Hamburg will allen 40.000 Beamten Dienstfahrräder anbieten. Vorstoß von SPD und Grünen. Mitarbeiter sollen eine Leasingrate zahlen – dafür ist eine Steuerentlastung möglich

Der geldwerte Vorteil belastet die Rentenkassen, die SPD sollte das nicht tun. Nach dem regelmäßigen Firmenhandy jetzt das Dienstfahrrad: Nach abgelaufener Leasingzeit immer das neuste Modell, Verantwortung wird abgegeben. Sollen sich doch die anderen mit der alten Akkugeneration herumschlagen, selbst das Carbonrennrad wird finanziert. Überall abstellen, bin ja diebstahlversichert, fahren wie der Henker, hab sogar eine Reparaturversicherung. Alles voll umweltfreundlich: Mit solchen Wirtschaftskonzepten haben wir in den letzten 50 Jahren statt Krieg unsere Erde versaut und ihr merkt immer noch nichts, liebe Grüne.

Uwe Carstensen