Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. April 2019

Im Sinne Gottes

17. April: Die Welt schaut auf Notre-Dame: Schon 700 Millionen Euro gespendet

Ein so wichtiges Gotteshaus, ein Kulturgut, in Flammen. Schon kurz danach gibt es für den Wiederaufbau „schöner als zuvor“ mehr als 800 Millionen Euro Spenden. Wäre es nicht mehr im Sinne Gottes, wenn das viele Geld Menschen zugute käme, die zeitgleich elendig durch die Folgen von Naturkatastrophen, durch Kriege und Armut umkommen, weil ihnen nicht geholfen wird?

Gitte Stöber-Harries

Den Spendern gilt Dank

Spontan kam hier in der Familie die Frage auf: Wo waren diese edlen Spender in der Vergangenheit? Es gibt so viel Elend europa- und weltweit. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Kathedrale soll wieder aufgebaut werden. Selbstverständlich gilt der Dank den Spendern, die es sich sicherlich leisten können. Holger Lange, Seevetal

Mit gutem Beispiel voran

17. April: Wird Tabakwerbung jetzt verboten?

Wenn man sich schon so schwertut mit dem Durchsetzen gegen die Tabaklobby, um ein umfangreiches Werbeverbot zu erwirken, warum muss die Zigarette, auch ohne dabei auf eine bestimmte Marke hinzuweisen, immer wieder, auch in aktuellsten TV-Produktionen solch eine wichtige Rolle spielen? Hier wird doch dem „Rauchinteressenten“ eindeutig suggeriert, in welchen Momenten es einfach cool und/oder unabdingbar notwendig erscheint zu rauchen. Das dem nicht so ist, wissen wir alle und daher wünsche ich mir, dass es diese unnötigen und zigarettenrauchverherrlichenden Szenen bald nicht mehr gibt. Daher mein Aufruf: Liebe TV-Produzenten geht doch mal mit gutem Beispiel voran!

Dirk Jasny, Langenhorn

Das ist Geldverschwendung

3. April: Wirtschaftskrimi um die ,Gorch Fock‘.

Ich habe in den 50er-Jahren auf der Stülckenwerft als Schiffszimmerer gearbeitet und kann die Hintergründe der Geldverschwendung für die Reparatur der „Gorch Fock“ nicht nachvollziehen. Jedes Schiff sollte alle fünf Jahre eine Klassenprüfung (ähnlich wie eine TÜV-Prüfung) über sich ergehen lassen – zwar nur freiwillig, aber jeder verantwortliche Kapitän achtet auf die Einhaltung dieser Intervalle. Nur auf dem „Totenschiff“ von B. Traven ging es auch ohne Schiffs-TÜV! Wissen muss man auch: Die Arbeiten auf einer Werft werden stets mindestens doppelt kontrolliert. In einem Gewerk – in meinem Fall die Schiffszimmerei auf der Stülckenwerft – hatte der Meister damals die Oberaufsicht über 130 Zimmerleute. Vier Vorarbeiter begleiteten ihn zur Kontrolle der Arbeit. Dazu überprüften so genannte Kalkulatoren (Arbeitszeitmesser) fast mit der Stoppuhr in der Hand die Arbeitszeiten für einen Auftrag, etwa den Bau einer Proviantrutsche. Wenn der Kalkulator die Arbeitszeit kürzen wollte, gab es Rücksprachen (oder auch Beschwerden) mit dem Vorarbeiter oder dem Meister. Die prüften dann, ob die Arbeitsqualität nach einer Zeitverkürzung noch eingehalten werden kann. Die Bauaufsicht für Arbeiten an einem Schiff war jeweils doppelt besetzt. Der Auftraggeber und die Werft ließen fachkundige Ingenieure die Arbeiten beaufsichtigen, kontrollierten sich also gegenseitig. So konnte es passieren, dass ein Holzdeck auf der Kommandobrücke wieder entfernt werden musste, weil der Auftragsvertreter die Imprägnierung des Stahldecks bemängelte. Wenn also die Klassenprüfung der „Gorch Fock“ regelmäßig stattgefunden hat, ist davon auszugehen, dass an Außenhaut, Spanten usw. mehr und unnötig ausgewechselt wurde -- sozusagen als „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“. So etwas nennt man auch im Volksmund „Geldverbrennen.“

Gerd Weißmann

Meinungsbildung für jeden

13./14. April: ,Wir können politische Werbung an den Schulen nicht hinnehmen.‘ Nach langer hitziger Debatte über die Ereignisse in der Ida-Ehre-Schule hat das Abendblatt Beteiligte an einen Tisch gebracht

Die Einlassungen des Schulleiters, Herrn Amberg, überzeugen nicht richtig, die Einordnung des Vorsitzenden der Schülerkammer überzeugt dagegen sehr. Politische Diskussionen müssen im Sinne einer echten demokratischen Auseinandersetzung wertneutral im Unterricht geführt werden können, so dass jeder sich seine eigene Meinung bilden kann. Aussonderungen wie hier dargestellt zeigen ein äußerst schwaches Demokratieverständnis. Man sollte meinen, wir hätten aus der Vergangenheit gelernt.

Dietrich Teudt

Je heterogener, desto besser?

13./14. April: Der steinige Weg zu einem neuen Schulfrieden. SPD, Grüne, CDU und FDP verhandeln diskret. Es gibt Annäherungen, aber ein großer Streitpunkt ist offen: die Rückkehr zu G 9 am Gymnasium

Zu recht weisen Sie darauf hin, dass ein besonders „heißes“ Eisen in der Diskussion der Verhandlungsführer, die äußere Differenzierung im Unterricht der Stadtteilschulen ist. Sie schreiben, dass viele Pädagogen das gemeinsame Unterrichten von leistungsstärkeren und -schwächeren Schülern als sinnvoll empfinden und beide Gruppen gegenseitig profitieren würden. Dies mag stimmen, wenn die Spanne zwischen ihnen nicht zu groß ist, wie z. B. auf einem Gymnasium. Leider haben wir im Bereich der Stadtteilschulen – um ein Bild aus dem Sportbereich zu wählen – Gehbehinderte und Marathonläufer in einer Klasse. Kein Trainer würde auf die Idee kommen, diese gleichzeitig zu unterrichten/zu trainieren. Die Ideologie: „Je heterogener, desto besser“ erschließt sich mir nicht und ist politisch, aber nicht pädagogisch ableitbar. Zielgleiche Beschulung ist für Schüler wirksamer und für Eltern transparenter und ehrlicher. Das Erreichen des ersten und zweiten Bildungsabschlusses sind großartige Leistungen, auf die Schüler dann intensiver und zielgruppenspezifischer vorbereitet werden können.

Martin Widmann