Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. April 2019

Problem für das Sozialsystem

15. April: Arbeit als große Hoffnung. Immer mehr Flüchtlinge finden Jobs – aber die schwersten Herausforderungen warten noch

Auch dieser Kommentar springt am Ende nicht weit genug. Die schwerste Herausforderung wird sein, wenn angesichts der Globalisierung und Digitalisierung der angedrohte massenhafte Verlust von Arbeitsplätzen im unteren und sogar im mittleren Segment der Qualifikation Wirklichkeit wird. Das betrifft auch Bereiche, die aktuell um Fachkräfte werben. Dann wird die millionenhafte Zuwanderung zu einem riesigen Problem für unser Sozialsystem. Nur stehen Kassandrarufe nicht gerade oben auf der aktuellen Beliebtheits-Skala und werden sehr schnell in die rechte Ecke abgeschoben. Aber nicht auszudenken die Reaktion der Gesellschaft, wenn die lange Kette fehlerhafter Migrationspolitik dieser am Ende mit Macht auf die Füße fällt.

Peter Schmidt, Wedel

Touristenmagnet ohne Gedöns

15. April:Der Krimi um den Fernsehturm. Kein Betreiber ist Sicht. Der Zeitplan für die Wiedereröffnung ist wohl nicht zu halten. Dabei hat auch Tim Mälzer Interesse

Warum wird eigentlich soviel Aufhebens um einen Betreiber gemacht? Die Frage, die sich stellt, ist doch: Warum muss eigentlich alles immer mit Gastronomiekonsum zusammenhängen? Warum kann die Stadt den Fernsehturm nicht als reine Aussichtsplattform betreiben, mit einem Eintritt von drei bis fünf Euro. Und schon hätte man eine tolle Touristenattraktion, ohne viel „Gedöns“. Die Aussicht genießen, ein paar Fotos machen, dass ist doch das, was die meisten Touristen wollen. Cafés und Restaurants gibt es inzwischen an jeder Ecke, da muss man kein Restaurant in den Fernsehturm bauen. Das ist ja nicht mehr so wie in den 60er- und 70er-Jahren, als derart Cafés eher selten waren.

Holger Karstens, Hamburg-Ottensen

Ganz großes Theater

15. April: Gründgens-Preis für Meyerhoff. Eine Naturgewalt auf der Bühne: Weggefährten wie Edgar Selge und Ulrich Khuon feierten den Schauspieler

Dank für Ihre Matinée-Berichterstattung. Sehr einverstanden. Das war ganz großes Theater – im besten Sinne des Wortes. Brillant, fesselnd und sehr unterhaltsam. Ein besonderer Sonntag Vormittag im Ernst-Deutsch-Theater mit grandiosen Theatermenschen.

Rainer Neumann, Hamburg

Freiheit wird eingeschränkt

13./14. April: Vor Ostern Streik am Hamburger Flughafen – ,und zwar richtig‘

Die Gewerkschaften berufen sich bei Kritik immer wieder auf ihr grundgesetzlich geschütztes Streikrecht. Sie vergessen dabei aber immer, dass das Grundgesetz auch andere Rechte enthält, z.B. „die Freiheit der Person ist unverletzlich“ (Art. 2, Abs. 2). Ein Recht, welches durch unangekündigte Streiks vor allem im Transportwesen verletzt wird, da die betroffenen Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden und nicht ihren geplanten Zielen nachgehen können. Aber unabhängig von der rechtlichen Sicht sollte es für Gewerkschaften eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, bei notwendigen Streiks unbeteiligte Dritte weitestgehend zu verschonen. Da das offensichtlich nicht vermittelbar ist, sollte der Gesetzgeber den Gewerkschaftsführungen auf die Sprünge helfen, in dem er das Streikrecht dahingehend konkretisiert, dass Streiks, die unmittelbar in das Leben unbeteiligter Dritter eingreifen, mit mindestens drei Werktagen Vorlauf detailliert angekündigt werden müssen. Das Grundrecht auf Streik wird dadurch nicht eingeschränkt und der Arbeitgeber wird auch weiterhin getroffen. Die unbeteiligten Personen erleiden nach wie vor Nachteile, können sich aber wenigstens angemessen darauf vorbereiten.

Bernd Plath

Einschlägige Debattenkultur

13./14. April: ,Wir können politische Werbung an den Schulen nicht hinnehmen‘. Nach langer hitziger Debatte über die Ereignisse in der Ida-Ehre-Schule hat das Abendblatt Beteiligte an einen Tisch gebracht

Im Streit zwischen der Ida-Ehre-Schule und der Schulbehörde über den Umgang mit linksextremer Propaganda lässt sich herrlich die einschlägige Debattenkultur ablesen. Hier einige Beispiele: Angriff ist die beste Verteidigung, der Bote/das Medium ist böse, nicht der Böse selbst, Kunst kann und darf alles, ohne Gespräche und Diskussionen geht gar nichts und als politischer Amtsträger möglichst nichts sagen, um nicht in die Schussrichtung der Debatte zu geraten. Man sollte die Sache vom Kopf auf die Füße stellen. Lehrer und Leiter der Einrichtung haben sich nicht an die Neutralitätspflicht der Schule gehalten und Regeln verletzt. Die Schulbehörde sollte das mit allen rechtsstaatlichen Mitteln sanktionieren und alle anderen über die Regeln informieren. Und wenn von Schülern die Meinung vertreten wird, dass alle Polizisten Bastarde sind, sind alle Lehrer aufgerufen, sich damit in pädagogischer Weise zu beschäftigen.

Hartwig Vosgerau

Mehr Wettbewerb – aber fair

11. April: Autokorso durch die Innenstadt: Taxifahrer demonstrieren gegen neue Fahrdienste

Verstehen kann ich die Taxifahrer, werden sie doch von vielen Seiten massiv unter Druck gesetzt. Uber, Moia und die vielen anderen Anbieter von Mobilität auf Zuruf machen Taxis arge Konkurrenz. Taxifahren ist aber halt nicht günstig, sondern aufgrund von Minimumgebühren doch sehr teuer. Ich plädiere dafür, dass Taxis sich Uber & Co. in der Weise entgegensetzen können, indem sie selbst Apps anbieten, indem man sich in ein bereits gebuchtes Taxis dazugesellen kann, wenn denn der erste Fahrgast dem zustimmt und der Streckenverlauf allen Passagieren genehm ist. Denn dann können sich die Passagiere die Kosten anteilsmäßig teilen. Mehr Wettbewerb unbedingt – aber fair bitte.

Sven Jösting