Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. April 2019

Arbeitsplatz besser gestalten

4. April: Ein Termin im Amt? Das kann dauern. Viele Kundenzentren haben in den nächsten zwei Monaten gar keine Zeit für Besucher

Finanzsenator Andreas Dressel denkt offenbar nur an die Öffentlichkeitswirkung, aber nicht an die Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter. Ich habe jahrelang junge Leute für die Verwaltung ausgebildet: Die sind dann hochmotiviert in die Ämter gegangen, um dann festzustellen, dass sie „verheizt“ werden. Statt hier die Bezahlung und die Arbeitszeiten (familienfreundlich) angemessen zu gestalten, werden wieder Mitarbeiter „von der Straße“ gesucht und kurz „angelernt“, wie in den 60er-Jahren, und man braucht sich nicht wundern, wenn das nicht gerade für eine funktionierende Verwaltung sorgt.

Manfred Doerge, Hamburg

Im Vordergrund: Sicherheit

4. April: Elektro-Tretroller sollen bald durch Deutschland fahren. Bundesregierung verabschiedet Verordnung, nun muss der Bundesrat noch zustimmen

Hat Verkehrsminister Scheuer nur noch das Ankurbeln der Wirtschaft und krude Mobilitätsvorhaben im Blick? Die Fußgänger, einschließlich der Senioren mit Gehhilfen, haben auch ein Recht auf Mobilität. Die Sicherheit eines nicht unerheblichen Teiles der Bevölkerung sollte im Vordergrund stehen und nicht irgendwelche anderen Interessen. Diese Verordnung verlangt nach strengen Regeln, in die alle Bürger, einschließlich Fußgänger und auch Senioren, mit einbezogen werden. Hoffentlich sitzt im Bundesrat das eine oder andere Mitglied mit etwas mehr gesundem Menschenverstand.

Jutta Kohn-Yorgan

Opposition um jeden Preis?

2. April: Neue Probleme beim Bau der U 5? BUND und CDU warnen vor Kostenanstieg durch teure Entsorgung des Erdaushubs – und fordern Preiskalkulation

Was ist nur in den BUND gefahren? Der ökologische Umbau des Verkehrs, weg vom Auto hin zum öffentlichen Personennahverkehr, ist eines der wichtigsten Erfordernisse des Umwelt- und Klimaschutzes überhaupt. Mit dem Bau der U 5 (und allen weiteren Ausbaumaßnahmen des HVV) leistet der Hamburger Senat genau das, verantwortlich und konsequent. Und der angebliche Umweltschutzverband BUND hat nichts besseres zu tun, als dagegen zu polemisieren? Und auch noch so kleinkariert, wie man es sonst nur von der CDU kennt? Natürlich verursacht ein solches Projekt eine Menge Aufwand und während der Bauphase Unannehmlichkeiten. Aber auf das Notwendige zu verzichten, weil es erstmal unbequem ist, ist genau jene tödliche Verhaltensweise, die die für den Klimaschutz streikenden Schülerinnen und Schüler der erwachsenen Generation zurecht vorwerfen. Der Hamburger BUND muss sich entscheiden, ob er eine Kraft für Umwelt- und Klimaschutz sein will oder lieber Opposition gegen den Senat um jeden Preis. Mein Eindruck ist, Herr Braasch hat sich längst in die Rolle des Oppositionsführers verrannt, selbst um den Preis, Umwelt- und Klimaschutz dadurch zu blockieren.

Sönke Klages, Hamburg

Netz mit geringer Reichweite

4. April: SPD will neuen „Aufbau Ost“. Neue Bundesländer sollen mehr Steuereinnahmen erhalten – Vorrang auch bei 5G-Netz

Vorschlag der SPD zum Aufbau Ost: Bevorzugung der neuen Bundesländer beim 5G-Netz. das 5G-Netz hat eine Reichweite von einem Kilometer und ist für den normalen Smartphone-Einsatz überkalibriert. Wenn, dann ist es in Insellösungen für gewerbliche Zwecke geeignet, aber nicht um flächendeckende Wirkung zu erreichen. Eine Versorgung mit 5G bis in die letzte Milchkanne zeugt von geringem Verständnis der Problematik.

Jürgen Schmidt

Das war vorauszusehen...

4. April: Wahlrechtsreform für kleineres Parlament ist vorerst gescheitert

Leider war die Ergebnislosigkeit des Ausschusses über die Wahlrechtsreform vorauszusehen. Die Damen und Herren Abgeordneten wollen sich natürlich die Einkünfte aus 709 Mandaten nicht nehmen lassen. Und es besteht die Gefahr, dass nach der nächsten Bundestagswahl die Zahl der Sitze sich noch erhöht. Was interessiert die vorgegebene Anzahl von 598 Mandaten. Leider hört man in der Öffentlichkeit so gar nichts über das Thema. Es wird so hingenommen. Schade, denn Millionen Euro gehen so den Bach runter. Erforderlich sind über 700 Abgeordnete für unser mittelgroßes Land sicher nicht.

Manfred Löber, Hamburg

Politikunterricht auf der Demo

23./24. April: Apokalypse? No! Die Schwedin Greta befeuert eine überfällige Debatte. Aber Zukunft wird aus Mut gemacht – nicht aus Angst

Ich bin 84 Jahre alt und mir könnte es egal sein, ob die Apokalypse 2040 oder etwas früher stattfindet. Aber es ist mir nicht egal. Unterschwellig gehen Sie davon aus, dass die Schüler, wenn sie freitags nicht demonstriert hätten, mit den Lehren des Immanuel Kant vertraut gemacht worden wären. „Beispielsweise in der Schule“. Da bin ich mir wirklich nicht sicher. Ausdrücklich gehen Sie weiter davon aus, dass das Klima nicht durch Sonntagsreden oder Großdemonstrationen gerettet wird, sondern „mit einem Höchstmaß an Mut und dem Handeln im Alltag“. Der Versuch von beidem wird aber gerade durch die Demos – meinethalben auch nur ansatzweise – unternommen. Jeder einzelne Schüler riskiert dabei eine disziplinarische Maßnahme der Schule und muss den Stoff gegebenenfalls nachholen. Die schwerwiegende Tatsache, dass Deutschland ökologisch hinterherhinkt ,,wollen sich manche Erwachsene nicht von Schülern zum Vorwurf machen lassen. Ginge es nicht um diesen Vorwurf, sondern nur um das unerlaubte Schule schwänzen, wäre zeitlich begrenzt Abhilfe zu schaffen: Die Schule bietet Politikunterricht am Freitag an und zwar wahlweise im Klassenraum oder als Teilnahme an einer Demo.

Dr. Barbara Breiholdt