Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 04. April 2019

Waren Eltern früher achtlos?

3. April: Hamburger Elterntaxis erwischt: Viele missachten Halteverbote

Es gibt kaum einen Grund, den ich nicht nachvollziehen kann, wenn sich Eltern um ihre Kinder sorgen. Abgesehen davon, was die wohlgemeinte Fürsorge pädagogisch und umweltmäßig bewirkt (oder eben nicht bewirkt) stellt sich die Frage, warum sich das elterliche bzw. gesellschaftliche Bewusstsein in diese allgemeinhin ungute Richtung entwickelt hat. Mein Vergleich mit der eigenen Kindheit in den Siebzigern fällt freilich signifikant aus. Jedenfalls würde man meinen Eltern aus heutiger Sicht exzessive Unachtsamkeit und Gleichgültigkeit vorwerfen. Klar ist, dass die Erziehung junger Menschen eine außerordentliche Herausforderung darstellt, die grundsätzlich nicht überschätzt werden kann. Aber gerade deshalb ist es wichtig, lebenstüchtige Leit- und Handlungslinien zu finden und umzusetzen, die sowohl dem Schutz- und Sicherheitsbedürfnis als auch dem Freiheits- und Entwicklungsbedürfnis einer Generation Rechnung tragen. Das gilt für Kinder – und für Erwachsene.

Ira Bartsch, Lichtenau-Herbram

Mehr Selbstreflexion

3. April: Ida Ehre Schule: Senator Rabe steht weiter in der Kritik. Elternräte werfen Behörde vor, voreilig gehandelt zu haben

Ich kann verstehen, dass der Elternrat der Ida-Ehre-Schule sich hinter die Schulleitung stellt. Aber ein wenig mehr Selbstreflexion ist angebracht. Wenn es sich um ein Schulprojekt handelt, gehört auch dazu, dass die Aufkleber nicht unkommentiert dort angebracht werden. Kritische Töne zur Gewalt haben gefehlt, wurden jedenfalls nicht öffentlich gemacht. Man stelle sich vor, dass Schulprojekt hätte sich so mit der AfD oder anderen rechten Parteien beschäftigt und die Aufkleber ohne Kommentar, ohne den Hinweis, dass es sich um ein schulisches Projekt handelt, am Schwarzen Brett veröffentlicht. Hier hätten dieselben Personen, die jetzt von einem voreiligen Eingriff der Schulaufsicht sprechen, ein solches gefordert.

Susanne Kleinschmidt

Inklusion geht anders

29. März: Vom Schwimmen ausgeschlossen? Ein internes Protokoll der Schulbehörde sorgt für Unruhe bei Ärzten und Eltern von Kindern, die an Epilepsie leiden

Zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention: Jeder Mensch hat das Recht dabei zu sein, an der Gesellschaft teilzuhaben, ob bei der Arbeit, im Kindergarten oder eben beim Schwimmen. Das bedeutet Inklusion. Die Hamburger Schulbehörde tut sich mal wieder schwer damit. Kinder mit Epilepsie sollen ab sofort nur noch unter bestimmten Voraussetzungen am Schwimmunterricht teilnehmen: Es braucht eine Unbedenklichkeitserklärung der Ärzte, dass die Kinder anfallsfrei sind. Oder sie sollen einen Schwimmkragen tragen. Inklusion geht anders. Sie braucht personelle Ressourcen, die Teilhabe ermöglicht. Und dass kann eine Fachkraft sein, die Kinder bei Bedarf beim Schwimmen begleitet. Liebe Kinder, Jugendliche und Eltern, die ihr von diesem Schreiben betroffen seid, meine Unterstützung habt ihr.

Claudia Hillebrand

Thema für Expertenrunde

Ich habe jahrelang als Schulärztin 12 Schulen betreut und auch Lehrer und Eltern bei Fragen des Schulsports, so auch bei Fragen zum Schwimmunterricht beraten. Nie ist mir dieses fachlich falsche und zudem noch diskriminierende Papier begegnet. Bei speziellen Fragen habe ich mit den entsprechenden Fachärzten gesprochen. Das scheint Herr Rabe nicht getan zu haben, denn es liegen zu diesem Schreiben nur völlig gegenteilige Stellungnahmen und Ablehnungen von namhaften Kinderärzten und Kinderneurologen vor. Ich kann nur hoffen, dass die Thematik noch einmal in einem Ausschuss, z.B. Gesundheitsausschuss mit einer Expertenrunde bearbeitet wird. Ansonsten müsste Herr Rabe auch überlegen, vor einem Schwimmbadbesuch Senioren mit ihren zum Teil multiplen Krankheitsgeschehen überprüfen zu lassen.

Dr. med. Angelika Heege,

Hamburg-Harburg

Demonstrieren bringt nichts

1. April: Es ist noch nicht zu spät. Jeder kann und sollte etwas gegen den Klimawandel tun

Sicherlich wecken die Freitagsdemonstrationen Bewunderung für den Idealismus der Kinder und sicherlich ist die mediale Aufmerksamkeit bei Freitagsdemos ungleich höher als bei Demos am Wochenende. Nur, wenn wir es Mal ganz nüchtern betrachten: Deutschland war 2016 mit nur 2,23 Prozent an dem weltweiten CO2-Ausstoß beteiligt. Was bringt es also, in Deutschland oder einem anderen Land in Europa zu demonstrieren? Was bringt es insbesondere, wenn, wie Herr Haider schreibt, wir mit auf die Demos gehen dürfen? Was bringt es, wenn wir nicht mehr so häufig mit dem Flugzeug verreisen, weniger Fleisch essen, weniger Plastik verbrauchen? Vielleicht fühlen wir uns dann besser, wir haben ja was gemacht. Aber in der Summe, für das weltweite Klima, ist es mehr als marginal. Oder glauben Sie, weil wir das jetzt machen, eifern uns viele andere Nationen nach? Die Chinesen z.B. oder Nationen, in denen es um das tägliche Überleben geht und nicht um Mülltrennung oder -vermeidung? Es war und ist das Vorrecht der jungen Generation, Dinge in Frage zu stellen, Idealismus an den Tag zu legen und ihren eigenen Weg zu gehen. Und das ist auch gut so. Aber realistisch ist es nicht.

Gerhard Maack Hamburg

Weg mit Schnellbuszuschlag

1. April: ,Ein ,Hamburg-Takt‘ für den HVV – SPD plant Fünf-Minuten-Garantie. Bürgermeister: Länger soll niemand auf Bus, Bahn oder Shuttle warten

SPD und HVV planen viele große und teure Änderungen bei Fahrpreisen, Verkehrsdichte und Pünktlichkeit. Ich wäre froh, wenn etwas ganz Kleines, Wunderbares und wahrscheinlich gar nicht Teures verändert werden würde: Der teure Schnellbuszuschlag ab 19 Uhr sollte abgeschafft werden.

Friderun Böttger