Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. März 2019

Alte Probleme neu aufgelegt

27. März: Gut gemeinter Irrsinn. Europa schafft die Zeitumstellung ab – und verwandelt ein kleines Problem in ein großes

Irrsinn ist das richtige Wort für das, was da abläuft. Allerdings, wenn eine Gesellschaft so morbid oder so wehleidig ist, dass sie zwei Zeitumstellungen pro Jahr von je einer Stunde nicht ertragen kann, so muss man das respektieren und darf es nicht kritisieren. Sehr wohl zu kritisieren ist allerdings, wenn bei der Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung Probleme geschaffen werden, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aufgetreten und durch Einführung der globalen Zeitzonen gelöst worden sind. Die eifrigen Reformer sollten das einmal googeln, bevor sie sich mit kuriosen Schnapsideen hervortun. Zum Beispiel Mitteleuropäische Sommerzeit, das heißt Osteuropäische Normalzeit für das ganze Jahr, also auch im Winter, in Deutschland. Mein Optimismus, dass es zu einer vernünftigen Lösung kommt, hält sich allerdings in Grenzen. Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt: Das Problem ist, dass die Narren so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel sind.

Heinz-W. Krüger

Einkaufen wird zu aufwendig

27. März: Ottensen soll (fast) autofrei werden – für ein halbes Jahr

„Fußgänger und Radfahrer tummeln sich auf den schmalen Gehwegen, während Parkplätze und der Straßenverkehr den meisten Raum einnehmen.“ Das stimmt, auch ich tummel mich als Fußgänger dort. Aber nur, weil ich mein Auto unkompliziert am Straßenrand abstellen kann. Mal schnell eben Blumen kaufen, 20 Minuten für einen Kaffee, auf dem Rückweg Stopp beim Schlachter... Für mich sind dies Alltagsszenen, die nur mit dem Auto funktionieren. Es ist ein Leben auf und mit der Straße. Muss ich erst ins Parkhaus, wird aus dem kurzen Stopp ein Akt. Wollen wir wirklich, dass Einkaufen und der Besuch einer Gastronomie nur noch zur Spaßbefriedigung gemacht werden kann? Eine gut geplante Aktion, für die ich zwei Stunden einrechne, damit sich der Aufwand lohnt? Die Mönckebergstraße ist schon genauso geworden. Auf dem Weg von der Arbeit schnell ein Stopp in einem Geschäft geht nicht. Alle reden davon, dass der Einzelhandel in den Städten nur überleben kann, wenn er ein Einkaufserlebnis bietet. Will Ottensen das sein? Ich dachte immer, hier soll das „echte“ Leben stattfinden.

Bettina Evers

Gebäude und Bäume schützen

20. März: Othmarschen bekommt ein neues Gesicht. Ein neues Krankenhaus, zwei neue Schulen – das Gebiet rund um die AK Altona wird neu geplant

Mein Vater Werner Kallmorgen begann den Bau 1962, fertig gestellt wurde das Krankenhaus 1972. Es gab riesige Pressekommentare zum „Architekten, der Millionen verschlang“, da der Bau wesentlich teurer geworden war, die Technik und Medizin hatten sich in zehnjähriger Bauzeit rapide verteuert. Das Krankenhaus in Othmarschen steht unter Denkmalschutz. Ich hoffe und bete für den Erhalt des jetzigen Gebäudes und den Erhalt der wunderschönen Bäume.

Penny Kallmorgen

Arbeitsplätze lieber erhalten

27. März: Was wird aus Hamburgs Busfahrern?

Hochbahn-Chef Henrik Falk sagt selbst, dass es bei selbstfahrenden Bussen keine nennenswerte Ersparnis gibt. Warum sollten dann in Hamburg diese Busse überhaupt fahren? Weil „man“ das so hat? Wäre es nicht toll, wenn es in Hamburg sensationellerweise weiterhin Busse mit Fahrern gäbe? Die wenigsten Busfahrer würden sich als „Stewards“ eignen, geschweige denn wohlfühlen. Es sollte viel mehr Bestrebungen geben, gerade solche Arbeitsplätze zu erhalten. Jutta Rieper

Ein Tunnel ist keine Lösung

26. März: Plan: Fußgängertunnel unter Willy-Brandt-Straße. Rot-grüne Koalition im Bezirk Mitte will Achse vom Rathaus zur HafenCity

Die rot-grüne Koalition im Bezirk Mitte greift Planungsansätze auf, die auf die 1950er/1960er-Jahre zurückgehen, als Fußgängertunnel der letzte Schrei waren. Inzwischen gelten sie bei Planern längst nicht mehr als zeitgemäß, weil sie vor allem wegen Sicherheits- und Sauberkeitsbedenken erhebliche Akzeptanzprobleme hervorrufen. Aus gutem Grund wurde deshalb auch der Fußgängertunnel zwischen Hauptbahnhof und Spitalerstraße geschlossen und verfüllt. Den Ersatz bildet dort heute ein Fußgängerüberweg über den Steintorwall. Eine solche höhengleiche Querung für Fußgänger ist auch im Fall der ehemaligen Ost-West-Straße alternativlos für jeden, der ernsthaft gewillt ist, die Hamburger City mit der Hafen-City attraktiv zu verbinden. Die Voraussetzung dafür: Der Verkehr muss auf eine Fahrspur je Fahrtrichtung reduziert werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Hafenquerspange als Verbindung von A 1 und A 7 zur Verfügung steht und sich der gesamte Ost-West-Verkehr nicht mehr durch die Stadt quälen muss. Doch viel zu lange dauert dafür schon die Planung, die nicht nur den Verkehrsbedürfnissen dient, sondern eine Menge an stadtgestalterischen Möglichkeiten öffnet.

Günter Dorigoni, Hamburg

Überraschung für Ties Rabe?

25. März: So viele Erstklässler wie seit Jahren nicht

Man hat den Eindruck, dass Senator Ties Rabe der „großen Herausforderung“ wie er es nennt, nicht gewachsen ist. Erst in einem halben Jahr will er einen gültigen Schulentwicklungsplan vorlegen. Anscheinend hat ihn das Bevölkerungswachstum überrascht, so dass er die bisherige Zeit seiner Senatstätigkeit darauf keinen Augenmerk legen konnte. So schloss er die funktionierende Grund- schule Lienaustraße in Farmsen-Berne, immerhin ein klassischer Schumacher-Bau, der jetzt schulisch ungenutzt vor sich hin rottet. Das wäre sicherlich nicht passiert, wenn man vorausschauend mit den steigenden Schülerzahlen geplant hätte.

Renate Lembke, Hamburg