Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. März 2019

Gretas Appell ist überfällig

23./24. März: Apokalypse? No! Die Schwedin Greta befeuert eine überfällige Debatte. Aber Zukunft wird aus Mut gemacht – nicht aus Angst

Sicherlich hat Matthias Iken recht mit der Aussage, dass die Verantwortung bezüglich des Klimawandels bei jedem Einzelnen liegt. Leider stimmt das, funktioniert aber nicht. Der Einzelne fliegt gerne mal eben billig wohin, fährt gerne SUV, isst vielleicht gerne Fleisch, usw. Das Anliegen Klimaschutz muss an unsere Politiker delegiert werden. Nur dort können die Weichen effektiv gestellt werden. Atomarer Overkill, Waldsterben und Ozonloch sind mit der dramatischen Entwicklung des globalen Erdklimas nicht vergleichbar. Gretas Appell ist überfällig und wichtig, denn die Politiker sollten endlich aufhorchen und sich nicht mit politischem KleinKlein beschäftigen.

Hartwig Stoffers

Den Verstand einsetzen

Immanuel Kant ist seit ungefähr 220 Jahren tot und kann sich nicht mehr gegen unterschiedliche Auslegungen seiner Texte wehren. Als ehemaliger Lehrer habe ich versucht, meinen Schülern Kants Forderung zu vermitteln: Bediene dich deines eigenen Verstandes! Die jetzt demonstrierenden Jugendlichen – übrigens auch immer mehr Erwachsene sind dabei – erfüllen genau diese Forderung. Sie haben erkannt, dass unsere Eliten aus Wirtschaft, Banken und Politik wissenschaftliche Erkenntnisse zugunsten ihres eigenen Gelderwerbs hintanstellen und zur Mehrung des Erworbenen dies meist auch noch umweltschädlich wieder anlegen. Frau Merkel stellt sich positiv zu „Fridays for Future“. Sie hat wohl erkannt, dass sie nur mit breiter Unterstützung aus der Bevölkerung gegen die Macht der Verbände und Lobbyisten ankommen kann.

Helmut Both, Hamburg

Seid ihr bereit zum Verzicht?

23./24. März: Hamburg und die Greta-Frage. Was Politiker und Prominente vom Schulstreik für den Klimaschutz halten

Ich finde es toll, dass ihr Schüler euch für Politik interessiert, für die Umwelt, für den Klimaschutz. Doch ich denke, Pappschilder hochhalten und auf ein Fünftel der (Aus-) Bildung verzichten, reicht nicht. Wenn Ihr ernstgenommen werden wollt, müsst Ihr selbst etwas tun. Dazu gehört z.B. zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule fahren, nicht mit Mutti´s SUV. Und in der Oberstufe mit dem eigenen Auto zur Schule? Mitnichten. Klassenreise? Weserbergland statt Rom oder Paris. Urlaub? Camping mit der Familie in Scharbeutz, allenfalls das Ferienhaus in Dänemark. Nicht nach Malle und Gran Canaria. Die übliche Weltreise nach dem Abi? Gestrichen. Work and Travel? Work ja, Travel nein. Seid ihr dazu bereit?

Andreas Plümpe

Der Eiertanz der Briten

23./24. März: Europas ungewisse Zukunft. Die Farce um den Brexit bindet alle Kräfte der Staats- und Regierungschefs

Wenn man es mit Humor nimmt, dann könnte man es als eine Art Aufführung des Komödienstadels oder aus dem Ohnesorg Theaters sehen. Leider ist es traurige Realität. Die Briten waren schon immer etwas anderes, siehe z.B. das Linksfahren. Auf dem Festland waren sie damit Falschfahrer und genau so haben sie sich auch teilweise politisch verhalten. Bei Abstimmungen waren sie immer dafür, dass sie dagegen sind. Dieses gespaltene Verhältnis zu Europa und ihr politisches Engagement waren über Jahrzehnte hinweg ihr Eiertanz. Ihr Verhalten bei den Brexit-Verhandlungen war damit eigentlich vorhersehbar. Soweit der Humor, wer denn darüber lachen kann. Denn im Mai dieses Jahres finden die Europawahlen statt. Warum sollen die Bürger denn zur Wahl gehen. Ein peinlicher, unwürdiger Brexitversuch der Briten, die Uneinigkeit und der Stillstand innerhalb der EU, die Politik tötet die europäische Idee. Das gilt es zu verhindern, darum sollte man zur Wahl gehen. Es gibt noch vieles in Europa zu verbessern, das braucht Zeit und die richtigen Politiker.

Fred Bonkowski

Mit zweierlei Maß gemessen

22. März: Neue Regeln für Altpolitiker. Der Bundestag einigt sich auf Finanzrahmen für ehemalige Staatsoberhäupter und Altbundeskanzler

Es wird höchste Zeit, dass Anmahnungen des Rechnungshofes endlich Wirkung zeigen. Die Auswüchse des politischen Selbstbedienungsladens sind unerträglich. Aber wieder gibt es eine lukrative Ausnahme: Das neue Regelwerk gilt nur für künftige Ruhestandspolitiker. Klingt logisch, dass man nicht in bestehende Abkommen eingreift, oder? Aber was haben eben genau diese, nun gut versorgten Altpolitiker vor Jahren gegen rund sechs Millionen fürs Alter vorsorgende Bürger beschlossen: Per Gesetz wird rückwirkend in Verträge zur Altersvorsorge eingegriffen: Von der Auszahlung z.B. von Direktversicherungen, die vor 2004 abgeschlossen wurden, müssen seitdem rund 20 Prozent an Kranken- und Pflegekasse abgeführt werden. Höchste Richter nennen das „unechte Rückwirkung“ und formulieren in ihren Urteilen: „das hat keine erdrosselnde Wirkung“. So wird ein Raubzug an vorsorgende Bürger legalisiert. Hoffentlich werden künftige Politruheständler nicht unter der Abgabenlast erdrosselt. Gilt Vertragsschutz, Vertragstreue, Bestandsschutz und Verlässlichkeit nicht bei Otto Normalverbraucher? Der Gleichheitssatz der Grundgesetzes (§ 3) lässt grüßen.

Herbert Heins, Hollenstedt