Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. März 2019

Eine Qual für Pendler

14. März: Hamburgs schönste kleine Kreuzfahrten. Viel Spaß für wenig Geld auf den Hafenfähren

Haben Sie darüber nachgedacht, was dieser Bericht für die Pendler und Bewohner Finkenwerders bedeutet? Nicht nur, dass schon jetzt fast täglich mehrere Verbindungen der Linie 62 gestrichen werden und die Fahrgäste auf den Pontons stehenbleiben müssen, weil die Fähre voll ist. Fahrradfahrer, die für ihren Arbeitsweg das Rad nutzen, müssen bis zu drei Fähren fahren lassen, bis sie endlich mitfahren können. In der Hochsaison die Fähre als Hamburger zu nutzen, ist eine Qual. Volle Fähren, volle Pontons, ein Gedränge, das Kleinkinder gefährdet. An einem sonnigen Tag mal auf den St. Pauli Landungsbrücken gewesen? Versucht auf die Fähre zu kommen? Ein Eröffnungstag wie beim Sommerschlussverkauf ist dagegen lächerlich. Nein, die Werbung für die Linie 62 verstehe ich beim besten Willen nicht.

Klaus Heinemann

Sturheit statt Vernunft

14. März: Wenn die Elite versagt. Der Brexit demontiert nicht nur das britische System, sondern ein ganzes Land

Matthias Iken hat recht. Wir schauen der politischen Demontage Großbritanniens zu. Die knappe Mehrheit für den EU-Austritt im Referendum vom Juni 2016 lässt sich nicht in eine durchsetzbare Politik im britischen Unterhaus übertragen. Stattdessen votieren die Abgeordneten immer nur gegen etwas (den Ausstiegsvertrag, den No-Deal-Brexit), ohne sich für etwas aussprechen zu können. Und es sind nur noch zwei Wochen bis zum 29. März. Man kann nur den Kopf schütteln. Die ganze Lage macht mich, einen europäisch-gesinnten Engländer in Hamburg, sehr traurig. Ich erkenne mein Land nicht mehr. Ich sehe Opportunismus, Sturheit und Opfermentalität, ich vermisse Vernunft, Toleranz und Pragmatismus.

Mike Linstead

Armutszeugnis für die Politik

13. März: Wer hat Chancen auf eine Lehrstelle? Beim direkten Übergang von der Schule in die Ausbildung spielt die soziale Lage eine wichtige Rolle

Es ist ein Armutszeugnis für Politik und Wirtschaft in Hamburg, wenn nur 40,2 Prozent der Schulentlassenen nach Klasse zehn einen Ausbildungsplatz bekommen. Jugendberufsagenturen und verbindliche Berufsorientierung bringen kaum etwas. Schulsenator Rabe versucht seine Verantwortung für die schlechte Ausbildungsversorgung auf die einzelnen Schulen abzuwälzen. Selbst die Stadtteilschule Altrahlstedt mit der höchsten Übergangsquote von 64 Prozent ist immer noch weit von den versprochenen 100 Prozent entfernt. Zudem ist es äußerst fraglich, ob sich mit „besonderen pädagogischen Konzepten“ Ausbildungsplätze für 60 Prozent der Schulentlassenen schaffen lassen. Das funktioniert seit 2013 nicht. Eher wahrscheinlich ist, dass der vorhandene Kuchen nur anders zwischen den Schulen aufgeteilt wird. Frau Boeddinghaus hat Recht: Wenn der Ausbildungsstellenmarkt versagt, muss der Staat einspringen.

Kay Beiderwieden, Hamburg

Ingenieure beim Bau vor Ort

13. März: Boeing am Boden. Zwei Abstürze in fünf Monaten, etliche Startverbote: Die 737 Max 8 wird für den US-Flugzeughersteller zum Fiasko

Jetzt geht sie wieder für einige Wochen um: Die Angst vorm Fliegen. Dabei ändert sich auch gar nichts an der einfachen Tatsache: Das Flugzeug bleibt das „sicherste Verkehrsmittel“. Boeing ist neben Airbus ein Flugzeugbauer mit großer Ingenieurs-Geschichte. Und bei meinem langjährigen Arbeitgeber Lufthansa ist zurzeit nicht mehr der Airbus A 380, sondern die neueste Version des „Jumbos“ Boeing 747 das „Flaggschiff“ der LH-Flotte. Ein Langstreckenjet , der seit des ersten Jumbos vor 50 Jahren immer wieder mit technischer Leidenschaft und „High Engineering“ weiterentwickelt wurde. Bei Lufthansa übrigens ist es schon seit langem so , dass bei einer Entwicklung eines neuen Verkehrsflugzeuges eigene Ingenieure beim Bau vor Ort dabei sind.

Erwin Chudaska, Leer

Chaoten ohne Hemmschwelle

12. März: ,Es wurden Grenzen überschritten‘. Die Führung des FC St. Pauli distanziert sich von den Vorfällen auf der Südtribüne beim Stadtderby

Seit über 15 Jahren bin ich begeisterter Besucher der St. Pauli Heimspiele. Leider haben sich die positiven Erlebnisse am vergangenen Sonntag gänzlich ins Gegenteil gekehrt. Was geht in den Köpfen dieser Chaoten vor? Die können sich niemals als „Pauli-Fans“ bezeichnen. Es begann damit, das bei der Eingangskontrolle zur Südkurve plötzlich eine größere Gruppe ihre Sturmmasken übergezogen und die Eingangskontrolle gestürmt hat. Hierbei wurde mit brachialer Gewalt das Ziel, der Zugang ins Stadion, verfolgt. Ein gehbehinderter Mann wurde rücksichtslos umgestoßen. Beim Einlaufen der Mannschaften wurden Leuchtraketen aufs Spielfeld abgefeuert, obwohl die Einlaufkinder die Mannschaften begleiteten. Gibt es für diese hirnlosen Chaoten gar keine Hemmschwelle? Ist denen jedes Ziel recht, um Randale zu machen. Bitte liebe Vereinsführung, trag mit dazu bei, dass diese Vorfälle sich nicht wiederholen.

Rudi Müller

Unwürdige Maut vom Tisch

13. März: Fraktionen begrüßen Aus für Friedhofs-Maut. Sperre in der Mitte des Geländes soll den Durchgangsverkehr stoppen. Umsetzung noch dieses Jahr geplant

Es ist sehr gut, dass durch den massiven Protest der Bürger und das Machtwort des Hamburger Bürgermeisters Peter Tschentscher die unwürdige und pietätlose Friedhofs-Maut in relativ kurzer Zeit vom Tisch ist. Man kann nur dankbar dafür sein, dass durch eine Indiskretion in der Verwaltung dieser Schildbürgerstreich vorzeitig ans Licht gekommen ist und Angehörige, die Gräber besuchen oder zu einer Trauerfeier wollen, dafür nicht noch Eintrittsgeld zahlen müssen.

Helmut Jung, Hamburg