Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. März 2019

Verkehrsinfarkt in der Luft

12. März: 2025 in Hamburg: Kommt ein Taxi geflogen. Airbus hat gestern seinen Mini-Helikopter vorgestellt, der den Nahverkehr in Metropolen revolutionieren soll

Die neue „Luftmobilität“ zeigt, dass der Mensch nicht in der Lage ist, dazuzulernen. Was mit ein paar Autos auf den Straßen angefangen hat, hat zum Verkehrsinfarkt in vielen Städten geführt. Um diesen nun aufzulösen, fällt der Menschheit nichts besseres ein, als diesen auch noch in die dritte Dimension, die Luft, auszudehnen, auch wenn es erst mal nur mit ein paar Lufttaxis anfangen soll. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Luft über uns ebenso verstopft ist wie heute die Straßen.

Jürgen Jeschke, Norderstedt

Drohnen sind gruselig

Wenn ich lese, dass es zukünftig auch noch Lufttaxis geben soll, dann sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Drohnen, die Off-Shore Plattformen und Brücken kontrollieren oder wichtige Dinge für eine lebensnotwendige OP transportieren, kann ich ja noch akzeptieren, doch einen richtigen Luftverkehr mit Drohnen stelle ich mir gruselig vor. Noch mehr Lärm und Eindrücke, die wir Menschen verarbeiten müssen. Wo soll das hinführen? Natürlich hört es sich erst einmal verlockend an. Wer hat nicht schon mal im Stau gestanden und sich gewünscht, einfach abheben zu können, um davonzufliegen? Doch das ist zu kurz gedacht. Wenn alle diese Möglichkeit haben, dann verschieben sich die Staus doch nur. Nicht alles was möglich ist, muss man auch ausführen.

Elvira Kleinschmidt

Geht’s noch?

Geht’s noch? Radwege insgesamt desolat, keine ausreichende Zahl von KitaPlätzen, Schulen marode, was soll ich noch aufzählen… Aber Lufttaxi fliegen. Manchmal versteh ich die Welt nicht mehr!

Rüdiger Steffen, Hamburg-Duvenstedt

Bundesliga ohne Hooligans

12. März: ,Es wurden Grenzen überschritten‘. Die Führung des FC St. Pauli distanziert sich von den Vorfällen auf der Südtribüne beim Stadtderby

Anfang der 1970er-Jahre war ich als junger Polizeibeamter bei Bundesligaspielen im Volksparkstadion eingesetzt. Diese Einsätze waren unter uns sehr beliebt. Eine Stunde vor Spielbeginn regelten wir die Anfahrten der Zuschauer, und zu Spielbeginn war für uns rund 30 Mann eine Bank im Innenraum vorgehalten. Von dort aus sahen wir dem Spiel zu. HSV gegen Dortmund. Der Dortmunder Torhüter, Hans Tilkowski, gleichzeitig auch amtierender Nationaltorwart, hielt mit einer atemberaubenden Flugparade den Bombenschuss eines HSV-Stürmers. 62.000 Zuschauer applaudierten begeistert ob dieser tollen Torwartleistung – Hamburger wie Dortmunder. Möglich, dass der HSV das Spiel verlor. Aber das war weder eine lokale Katastrophe, noch der Anlass zu Schlägereien. Fünf Minuten vor Spielende verließen wir das Stadion, um nun die Abfahrten der Zuschauer zu regeln. So war das einmal: ohne Pyro, Hooligans und Ultras.

Berndt Wagner

Spiel abbrechen, Punktabzug

Die Vereine sind in ihrem angeblichen Bestreben, Pyrotechnik aus den Stadien verbannen zu wollen, völlig unglaubwürdig. Wenn es ihnen ernst wäre mit diesem Angang, dann würden sie für entsprechende Einlasskontrollen sorgen, wie dies auch bei anderen Großveranstaltungen der Fall ist. Da das nicht geschieht, kommt man dem Problem auf sehr einfache Art und Weise bei: Beim ersten massiven Zünden von Pyrotechnik, Bengalos oder anderem Feuerwerk wird das Spiel sofort abgebrochen, beiden beteiligten Vereinen werden jeweils drei Punkte abgezogen und das Spiel wird ohne Zuschauer neu angesetzt. Zwei oder drei solcher Fälle und Pyrotechnik im Stadion ist Geschichte.

Dr. Thomas Koch

Todesstoß für Ladeninhaber

12. März: Ladenmieten in der Hamburger City sinken

Ein Rückgang von knapp 27 Prozent Passanten auf der Spitaler Straße, ein prognostizierter Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent für die Innenstadt durch die neue Shoppingmall im Überseequartier. Das hört sich nicht nach rosigen Zeiten für den Hamburger Einzelhandel an. Dazu kommt jetzt noch eine Großbaustelle der Hamburger Hochbahn von Herbst 2019 bis Frühjahr 2022 mit Bahnsteigabbruch und -neubau der U-Bahn-Haltestelle Mönckebergstraße. Für den barrierefreien Ausbau der Haltestelle werden pro Seite ein zusätzlicher Treppenaufgang und ein Aufzug gebaut. Die Baufläche beansprucht bauphasenweise zweidrittel der Straßenbreite. Das ist der Todesstoß für die Mönckebergstraße und die Stadt schaut untätig dabei zu. Wie schon bei G20 werden die Geschäftsinhaber nicht unterstützt, auch nicht bei existenzbedrohenden Baustellen. So sterben besonders die kleinen Geschäfte, die Hamburg bislang Charme und Individualität verleihen, und die prognostizierte Umsatzrückgänge bis zu 30 Prozent nicht verkraften wie Teile einer Handelskette. So verliert Hamburg sein Gesicht.

Denise Rathgeber, Geschäftsleitung/Inhaberin Dössel & Rademacher OHG

Eigentum verpflichtet?

7. März: Wohnungen statt Läden: In Eimsbüttel müssen Kaufleute, Mediziner und Künstler Platz machen für Neu- und Umbauten

Die vorgesehene Verdrängung der Arztpraxis ist nicht nachvollziehbar. Eine Hausarztpraxis gehört ins Wohngebiet, damit die Praxis für die Patienten und die Wohnungen der Patienten für den Arzt kurzläufig erreichbar sind. Die Vorgabe, dort dringend benötigten Wohnraum schaffen zu müssen, ist eine vorgeschobene Farce. Tatsächlich geht es doch darum, dass profitgierige Hauseigentümer oder Investoren gewinnbringend Geschäfte zu Lasten der Allgemeinheit machen wollen und dies von der Politik auch noch unterstützt wird. Der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ hat seine Bedeutung heute wohl verloren. Gudrun Schostag, Hamburg