Leserbriefe

Briefe an die Reaktion: 8. März 2019

Politische Korrektheit

7. März: ,Wir sind das verkrampfteste Volk‘. CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer verteidigt am politischen Aschermittwoch ihren Spruch über das dritte Geschlecht – und greift ihre Kritiker an

Es gab Ostfriesenwitze, Blondinenwitze, Politikerwitze etc. Man hat mitgelacht. Die politische Korrektheit heute ist fast schon lächerlich, wenn sie nicht so vehement betrieben würde. Ein Beispiel ist für mich die Umbenennung des Völkerkundemuseums und der Fasching in dem Kindergarten, in dem Verkleidungen als Indianer usw. nicht akzeptiert werden. Die SPD ist natürlich über ein Thema erfreut, mit dem sie ihren Koalitionspartner medienwirksam kritisieren kann.

Dietlind Thiessen

Flucht aus einem Land...

Hut ab vor dem Mut von Frau „AKK“. In letzter Zeit hatten meine Frau und ich schon zunehmend Fluchtgedanken. Flucht aus einem Land von Besserwissern, Nörglern und Verhinderern, Flucht aus einem Land, in dem Begriffe wie Zigeunerschnitzel, Mohrenköpfe und Negerküsse fast Straftatbestände sind, das Kindern bestimmte Kostümierungen verbieten will, in dem völlig praxisunerfahrene junge Politiker Spitzenpositionen erreichen können, und Flucht aus einem Land, dem der Humor abhandengekommen zu sein schien.

Hans Uwe Marschner

Unnötig kompliziert im Leben

Ich kann Frau Kramp-Karrenbauer und Herrn Söder nur zustimmen. Mit der derzeit gepflegten, überzogenen „political correctness“ machen wir uns das Leben unnötig kompliziert. Außerdem machen wir uns damit lächerlich.

Joachim Willers, Ellerau

Chance in Wohnquartieren

6. März: Wer für die Stadtbahn ist – und wer dagegen. Debatte über BUND-Vorstoß. Derzeit gibt es keine politische Mehrheit für ein drittes Schienensystem – aber Verkehrsforscher befürworten sie

Vielen Dank für diesen Artikel! Aber wie so oft geht er vollkommen an den Realitäten vorbei. Wie soll auf der Uhlenhorst, in Winterhude oder Eppendorf Platz für eine Straßenbahn geschaffen werden, zumal dann, wenn die Straßenränder mit Elektroautos vollgeparkt sind, die am Straßenrand ihre Batterien aufladen müssen. Es muss endlich ein an der Realität gemessenes, langfristig wirkendes Instrumentarium geschaffen werden. Ich denke, dass bei allen Vorzügen die neu zu schaffenden Straßenbahnen nur wenig Chancen im innerstädtischen Verkehr haben. Anders bei den O-(Oberleitung)Bussen, die es bereits früher gegeben hat, die zwar geringere Kapazitäten aufweisen aber besser ins Verkehrsgeschehen einzubinden sind. Die Neukonstruktion derartiger Busse würde sicherlich in relativ überschaubarer Zeit zu schaffen sein, zumal diese Busse in den 50er- und 60er-Jahren in vielen Städten fuhren. Straßenbahnen haben m. E nur eine Chance in neuen Wohnquartieren, und dort können sie dann als Zubringer zur S- bzw. U-Bahn dienen.

Wolfgang Deppe-Schwittay

Eher zu spät als zu früh

6. März: Joachim Löw vollzieht den Umbruch. Der Bundestrainer streicht die Münchner Weltmeister Hummels, Boateng und Müller dauerhaft aus seinem Kader

Der jetzt von Löw vollzogene Umbruch kommt eher zu spät als zu früh. Die Topspieler der WM-Spiele 2010 und 2014 können doch nicht, weil sie einmal Weltmeister geworden sind den Anspruch haben, ewig in der Nationalmannschaft weiterspielen zu können. Alle Drei wären 2022 33 Jahre und älter, eine bessere Leistung als 2018 wäre dann kaum zu erwarten. Wichtig ist die Trennung von diesen verdienten Spielern vor allem jetzt, damit die Jungen sich jetzt zusammenraufen und nicht vor lauter Respekt vor den „ruhmreichen Größen“ gehemmt und verkrampft spielen, sondern ihr eigenes und freies Spiel mit Spaß spielen können, vorausgesetzt Löw lässt das zu und ist dafür nicht auch schon zu alt.

Henning Evers, Reinbek

Die Lebensqualität wird ärmer

7. März: Wohnungen statt Läden: Kündigung für Ärzte und Händler. In Eimsbüttel müssen Kaufleute, Mediziner und Künstler Platz machen für Neu- und Umbauten

Welch ein sozialer Hauseigentümer, sollte man meinen, der gewerblich genutzte Flächen in Wohnraum umwandelt und damit auf höhere Mieteinnahmen verzichtet. Wäre da nicht das ungute Gefühl, dass nach Luxussanierung profitable Eigentumswohnungen entstehen könnten. Das nennt man wohl Gentrifizierung. Mit Schrumpfen der Infrastruktur wird aber auch die Lebensqualität ärmer. Der Bezirk sollte daran denken, ausreichend Parkraum für Transporter der Onlinehändler zur Verfügung zu stellen.

Dr. Hansjürgen Mensching

Das Ende der Weltstadt

5. März: Ausländische Geistliche müssen Deutsch können. Neue Regelung zielt vor allem auf islamische Prediger, die oft aus der Türkei geschickt werden

Auch im Internationalen gilt die Regel der Gegenseitigkeit: Deutschsprachige evangelische Gemeinden gibt es in Ägypten, Ghana, Japan, China, in der Türkei, auch im Iran. Sollen diese Gemeinden nur Pastoren bekommen dürfen, die chinesisch, persisch, türkisch usw. sprechen können? Baptistische englischsprachige Gemeinden gibt es in Hamburg. Müssen die englischsprachigen Pfarrer jetzt auch eine deutsche Sprachprüfung ablegen, bevor sie einreisen dürfen? Der Dalai Lama dürfte nicht mehr in Hamburg Veranstaltungen durchführen, weil er nicht deutsch sprechen kann, der Papst auch nicht. Natürlich ist es gut, wenn ein Imam in Wilhelmsburg auch gut deutsch sprechen kann. Aber ein Einreise-, Aufenthalts- oder Arbeitsverbot für Menschen, die nicht deutsch sprechen – das wäre schlicht das Ende der Weltstadt Hamburg.

Michael Rothschuh