Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. März 2019

Bescheidene Zuwächse

4. März: Ein fairer Abschluss, aber ... Die Tarifeinigung im öffentlichen Dienst schafft Finanz-Engpässe an anderer Stelle

Acht Prozent Gehaltserhöhung hört sich nach spektakulär viel an. Der Zuwachs relativiert sich aber doch sehr, wenn man die lange Laufzeit von zweidreiviertel Jahren berücksichtigt. Dann fallen die jährlichen Zuwächse im Vergleich zu anderen Branchen doch eher bescheiden aus. Also kein Grund, im Leitartikel mit einem „aber“ zu mahnen.

Werner Duckstein

Vorsicht vor leeren Kassen

4. März: Mehr Lohn für Erzieher und Pflegekräfte. Vor allem Angestellte staatlicher Kliniken profitieren von der Einigung im Tarifstreit

Die ganze Republik ist sich seit geraumer Zeit einig, dass Pflegekräfte zu schlecht bezahlt werden. Jetzt scheint ein Anfang gemacht zu sein, damit sich auch durch eine bessere Bezahlung mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden: acht Prozent bis 2021 plus 120 Euro monatlich. Ein Weg in die richtige Richtung, aber auch ein recht ordentlicher Schluck aus der Pulle. Wenn Ver.di-Chef Bsirske den sehr hohen Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst so euphorisch feiert, sollte das nachdenklich stimmen, vor allem mit der Begründung der hohen Haushaltsüberschüsse der Länder, denn diese sind in den nächsten Jahren nicht garantiert. Ganz im Gegenteil, selbst Olaf Scholz warnt, dass die fetten Jahre vorbei seien. Verantwortungsvolle Tarifpolitik sieht anders aus. Volle Kassen dürfen nicht zur Selbstbedienung einladen, weil die enorme Schuldenlast der Länder völlig außer Acht gelassen und nachfolgenden Generationen das Genick brechen wird. Oder wird auf eine Inflation spekuliert, bei der die enormen Staatsschulden in 20 Jahren so wenig Wert sind, dass sie problemlos aus der Portokasse bezahlt werden können?

Dietmar Johnen-Kluge

Transparenz schafft Vertrauen

4. März: So sehen die Bahnhöfe der neuen S 4 aus

Die Deutsche Bahn sollte die ganze Wahrheit mitteilen. Erstens fahren nicht nur ungefähr doppelt so viele Züge (von 78 Fern- und Güterzügen täglich ist die Rede, dazu kommen die S-4-Züge mit einer hohen Taktung, und die Fern- und – vor allem – Güterzüge aus und nach Skandinavien sind auch noch deutlich länger als die bisherigen Züge.) Und zweitens bleibt unerwähnt, dass bei den Güterzügen auch Gefahrguttransporte dabei sind. Hat die Feuerwehr auf der Strecke für solche Situationen überhaupt die entsprechende Ausrüstung, wie z. B. dort notwendige geländegängige Fahrzeuge? Antwort: Nein. Transparenz schafft Vertrauen, Intransparenz schürt Misstrauen.

Frank Schwerin

Politiker sind pietätlos

2./3. März: Friedhofs-Maut für Ohlsdorf offenbar beschlossene Sache

Wie pietätlos zeigen sich die Hamburger Politiker, die Regierungsverantwortung tragen. Man muss schon absolut geldgierig sein, wenn man mit der Trauer von Menschen so umgeht, wie es offensichtlich der Senat jetzt beschlossen hat. Es ist nicht nachvollziehbar, wenn der Hamburger Senat jetzt tatsächlich Geld kassieren will, wenn man das Grab seiner Verstorbenen besuchen will. Ein solches Denken und Handeln ist an Dekadenz nicht zu überbieten.

Heinz-Dieter Detzner

Absurde Idee

Autofahrer, die den Friedhof ausschließlich als Abkürzungsstrecke benutzen, mit einer Durchfahrgebühr zu belasten, erscheint auf den ersten Blick eine vertretbare Forderung. Aber lohnt sich der erhebliche materielle und auch personelle Aufwand, der hiermit verbunden sein wird? Wird hier nicht wieder einmal eine Möglichkeit gesucht, Bürgern heimlich, still und leise Geld aus dem Portemonnaie zu ziehen, auch wenn es sich nur um Kleinbeträge handelt? Als skandalös empfinde ich die Idee, Friedhofsbesucher, die Grabstätten pflegen und besuchen, ebenfalls zur Kasse zu bitten. Erst einmal zahlen, damit sich dann die Eingangsschranke öffnet, bevor man dann das Familiengrab besuchen und bepflanzen darf – eine absurde Idee, wohl von jemandem am Schreibtisch ausgebrütet, der den ideellen Wert dieses Hamburger Kleinods nicht zu würdigen vermag.

Rainer Rabe, Hamburg-Bramfeld

Mautgebühr für Grabpflege?

Müssen wir jetzt etwa eine Mautgebühr bezahlen, um das Grab unserer Eltern zu besuchen und es zu pflegen? Wie schamlos muss jemand sein, um überhaupt auf diesen Gedanken zu kommen? Welche Dreistigkeit gehört dazu, alle Grabbesucher zur Kasse zur bitten, nur weil es solche Menschen gibt, die den Friedhof als Durchgangsstraße benutzen? Müssen wir nun auch alle unseren Führerschein abgeben, weil es Menschen gibt, die viel zu schnell fahren? Wir sollen in Zukunft zusätzlich zu den stattlichen Gebühren für die Grabstätte auch noch einen Preis für den Friedhofseintritt entrichten. Hinzu kommt der Preis für die Enttäuschung, die Traurigkeit und Fassungslosigkeit, und der lässt sich nicht in Euro beziffern.

Philipp von Loessl

Statt Rathausplatz Flughafen

2./3. März: Greta mobilisiert Tausende Hamburger Schüler. Die schwedische Aktivistin führt Demonstrationszug für Klimaschutz an

Ich finde es gut, wenn junge Menschen sich für Politik, Menschenrechte, Klima- und Umweltschutz engagieren. Auch mal gerne während der Unterrichtszeit. Doch warum gerade Freitagvormittag in der Innenstadt und vor dem Rathaus medienwirksam der Klimaprotest stattfand, erschließt sich mir nicht ganz. Wäre da der Flughafen, von dem am selben Tag Tausende Schüler mit ihren Eltern in die Schulferien geflogen sind, nicht ein deutlich besserer Veranstaltungsort gewesen?

Christiane Frielinghaus