Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. März 2019

Kopftuch nicht verharmlosen

2./3. März: Wenn Linke die Werte der 68er verraten. Der Kieler Streit um die Vollverschleierung zeigt: Frauen- und Minderheitenrechte sind wieder verhandelbar

Ich stimme Ihren Ausführungen zur Vollverschleierung zu. Widersprechen möchte ich aber Ihrer Aussage, das Kopftuch sei „längst als modisches Accessoire akzeptiert“. Wenn es denn nur ein Accessoire wäre, könnte ich damit leben. Für das muslimische Kopftuch gelten aus meiner Sicht aber weitgehend die gleichen ablehnenden Argumente wie für die Vollverschleierung: Es ist ein Symbol für eine rigide, pluralismusfeindliche, fundamentalistische Religionsauffassung, wonach die Religion weite Teile des Alltags bestimmt, sogar über die eigenen Gläubigen hinaus. Es ist ein sexistisches Kontrollinstrument, mit dem eine Religionslehre einem Geschlecht die Verhüllung vorschreibt, wenn es als „ehrbar“ gelten will. Es dient der ostentativen Selbstabgrenzung einer religiösen Gruppe von der restlichen Gesellschaft und vertieft somit deren Spaltung. Es weist darüber hinaus auf mangelnden Anpassungswillen an die hiesigen Traditionen hin. Damit ist nicht gesagt, dass das Kopftuch bzw. der Hijab vom Staat zu verbieten wäre. Aber eine kritiklose Verharmlosung kann auch nicht unwidersprochen bleiben.

Maik Harms

Demokratie ohne Schleier

Das Grundgesetz gesteht uns Religionsfreiheit zu. Das Grundgesetz gesteht uns Meinungsfreiheit zu. Das Grundgesetz gesteht uns keine Vollverschleierung zu. Wozu denn auch? Jeder Mensch kann in die Kirche oder Moschee gehen, in die er möchte. Jeder Mensch kann sagen, was er möchte. Er darf nur bei seinen Aussagen nicht gegen Gesetze verstoßen oder zu Straftaten aufrufen. Mehr braucht eine Demokratie nicht. Wem das nicht reicht, dem steht es frei, unsere Demokratie zu verlassen.

Axel Pabst

Gelerntes in Aktion umsetzen

2./3. März: Greta mobilisiert Tausende Hamburger Schüler

Jeder Biologie- und jeder Geografielehrer kommt heutzutage nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass das Erdsystem zu kippen droht. Jeder Gemeinschaftskundelehrer lehrt, dass das Demonstrationsrecht das Grundrecht eines Bürgers im demokratischen Staat ist. Die Schule soll den jungen Menschen zum verantwortungsbewussten Erwachsenen ausbilden. Wenn es nun um seine Zukunft geht, vor der er begründete Angst hat, soll er seine Schulweisheiten auch in Aktion umsetzen können.

Den freitäglichen Schulstreik zum Schulschwänzen zu erklären, ist ein Irrsinn. Er zeigt das Missverhältnis zwischen dem, was die Schule bietet, und der Lebenswirklichkeit.

Albrecht Hauter,
Oberstudienrat i. R.

Mehr zu Fuß erledigen

Ja, es ist gut, dass sich unsere Jugend um ihre Zukunft sorgt und aktiv wird. Und ja, wir alle sind aufgerufen, uns am Klimaschutz zu beteiligen. Ich hoffe, dass die Schüler, die hier demonstrieren, klein anfangen und auf das „Eltern-Taxi“ verzichten und schauen, wo und wie sie ihre Aktivitäten zu Fuß oder per Fahrrad erledigen können. Klimaschutz beginnt im Kleinen. Da sind wir alle aufgerufen, bei uns selbst zu beginnen.

Vera Haupt

Unilever-Haus ist ideal

23./24. Februar: Was wird aus Hamburgs Großprojekten? Grüne Bunker, Wolkenkratzer, Luxusbüros – wird alles wirklich gebaut?

In der Wochenendausgabe des Hamburger Abendblattes las ich Ihren Artikel über Großprojekte und darin insbesondere über Pläne zu einem Science Center bzw. Naturkundemuseum für Hamburg. Als ehemaliger Geschäftsführer der Unilever Deutschland GmbH und Verantwortlicher für den Bau des Unilever-Hauses am Strandkai kenne ich das derzeitige Unilever-Haus sehr gut. Schon beim Besuch des Science Center in Bremen musste ich daran denken, dass das Unileverhaus sich ideal für ein solches Zentrum eignen würde. Ich bin seinerzeit nicht an die Stadt herangetreten, weil Unilever das Gebäude ja als Mieter noch nutzt. Nachdem jetzt jedoch klar ist, dass Unilever aus dem Gebäude ausziehen will, möchte ich auf diese Chance hinweisen. Die Lage ist für Besucher sehr attraktiv, die Infrastruktur mit Restaurant, Café, Parkgarage, Atrium etc. ist für einen solchen Zweck wie geschaffen.

Michael von Rudloff

Die Kirche wird unglaubwürdig

1. März: Sexueller Missbrauch: Bistum will Priestern Gehalt kürzen

Es hat mich fassungslos und wütend gemacht, dass das katholische Bistum Osnabrück Priestern, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, das Gehalt kürzen will. Ein Priester, der sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hat, hat in der (katholischen) Kirche nichts, aber auch gar nichts mehr zu suchen und ist sofort zu entlassen und den Strafverfolgungsbehörden zu melden.

Wie unglaubwürdig wird die katholische Kirche, wenn sie diese Priester, wenn auch bei gekürztem Gehalt, weiterbeschäftigen, den Chefarzt einer katholischen Klinik in Düsseldorf aber wegen seiner Scheidung und Wiederheirat entlassen. Eine ernsthafte und glaubwürdige Aufarbeitung dieses Themas sieht anders aus.

Ullrich Tille