Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. März 2019

An der Nase herumgeführt

23./24. Februar: Hamburger KRITiken: Hamburger Schneckenpost. Das Porto soll steigen, die Servicequalität sinkt – wie ein privatisiertes Unternehmen seinen Ruf gefährdet

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel über die Deutsche Bundespost gelesen. Ich kann hierzu auch einen Beitrag leisten, der sich mehr oder weniger um den gelben Kasten handelt. Vor ein paar Jahren wurde die letzte Leerungszeit (es gab bei uns immer nur eine) von nachmittags 17 Uhr auf morgens 9 Uhr geändert. Nach ca. einem Jahr beobachte ich, dass mein Postzusteller den in seinem Bezirk befindlichen Briefkasten entleerte. „Aha!“, dachte ich, „nun muss er das also doch mitmachen und bekommt sicher deswegen nicht mehr Lohn.“ Jetzt im Winter ging ich einmal schon am frühen Nachmittag zum Briefkasten, weil der Fußweg dorthin im Dunklen schlecht beleuchtet ist. Als ich dort ankam, stand gerade ein Postwagen am Fahrbahnrand und der Fahrer leerte den Briefkasten. Auf meine Frage, wieso der Kasten jetzt geleert wird, antwortete er: „Ja, die 9-Uhr-Leerung macht der Briefzusteller, und wir machen diese jetzt.“ Da führt uns die Post, und ich nehme sogar an wissentlich, an der Nase herum. Und dabei denke ich auch an frühere Zeiten, als nach jeder Leerung mit einem Spezialschlüssel die nächste Leerungszeit angezeigt wurde.

Cordula Schuchert

Sorgen ernst nehmen

1. März: Der Auftritt der ,Fridays For Future‘-Gründerin. Greta Thunberg demonstriert heute in Hamburg. Rund 1000 Schüler werden erwartet. Die Schulbehörde droht mit Null-Punkte-Bewertung

Schülerinnen und Schüler protestieren wegen des Klimawandels während der Schulzeit. Sie sorgen sich um ihre Zukunft und das angesichts erdrückender Fakten und Prognosen zu Recht. Während überall in Deutschland bei öffentlichen Einrichtungen und Verkehrssystemen zur Erhöhung des Lohns und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen während der Woche gestreikt wird, verlangt man von den Schülern, brav zu sein und dies außerhalb der Schulstunden zu tun, wo ihr Protest kaum wahrgenommen wird. Wir zynisch ist das denn? Welchen Erfolg hätte ein Streik des Flughafen-Bodenpersonals um Mitternacht? Was wäre, wenn das Kita-Personal nach Feierabend auf die Straße gehen würde? Viele der Vertreter von Politik, die nunmehr die Schüler zum Pflichtbewusstsein aufrufen, haben mit ihrer mangelhaften Umweltpolitik überhaupt dazu beigetragen, dass das Klima zu kollabieren droht. War das pflichtbewusst und mit dem Gewissen zu vereinbaren? Ändern sie was daran? Ganz zu schweigen von der AfD, die den Klimawandel ja leugnet, weil sie in ihren Reihen niemanden hat, der die Zusammenhänge überhaupt versteht. Anstatt jetzt über die Schulpflicht zu diskutieren, wäre es mehr als fair und gerecht, die Sorgen der jüngeren Generation ernst zu nehmen und mit ihnen über die Begrenzung des Klimawandels und die Abmilderung der Folgen zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen.

Peter Schumacher, Halstenbek

Schulstoff wird versäumt

In der Mehrheit der Gesellschaft besteht sicher ein Konsens, dass es den Klimawandel gibt und Maßnahmen dagegen erforderlich sind. Deshalb ist ein entsprechendes Engagement grundsätzlich zu begrüßen. Eine Schülerdemonstration ist für mich jedoch nur dann überzeugend, wenn sie in der Freizeit, d. h. am Samstag oder Sonntag stattfindet. Das Schwänzen am Freitag bewirkt lediglich, dass die Schüler Schulstoff versäumen und damit nicht schlauer werden. Zudem ist nach aller Erfahrung ein Streik nur dann erfolgreich, wenn er dem Ansprechpartner richtig weh tut und das ist beim Schulschwänzen nicht gegeben. Darüber hinaus ist auch zu sehen, dass auf der Welt viele Kinder gern die Schule besuchen würden, aber diese Möglichkeit nicht haben, so dass Schwänzen grundsätzlich als kontraproduktiv zu werten ist. Ich fände es sinnvoller, wenn nicht nur gegen „die da oben“ demonstriert sondern auch überlegt wird, was die Jugendlichen selbst dazu beitragen können, um die Umweltbedingungen zu verbessern. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Jungen, der vor einigen Jahren eine erfolgreiche Kampagne für das Pflanzen von Bäumen ins Leben gerufen hat.

Beate Hille

Die Politiker schweigen

26. Februar: Kerstan will mehr CO2 einsparen. Grüner Umweltsenator möchte im neuen Klimaplan ehrgeizigere Ziele für Hamburg festschreiben als bisher

Wer wirklich Klimaschutz möchte, muss als Politiker auch den Mut haben, richtige und gute Entscheidungen zu treffen. Im Hamburger Hafen werden die Grenzwerte um das Dreifache überschritten. Die Politiker schweigen. Das Bauamt will Tausende Bäume fällen, die einzigen Garanten für saubere Luft. Die Politiker schweigen. Die Wirtschaft soll freiwillig weniger CO2 verursachen. Der Flugverkehr nimmt aufgrund von indirekten Subventionen und zu niedrigen Preisen immer weiter zu. Wer schweigt? Ja genau, die Politiker. Wer in den letzten Jahren 25 Prozent der Bäume in Hamburg fällt, darf sich über schlechte Luft nicht wundern. Wer jedes Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen trotz dreckiger Motoren feiert und nicht endlich auch von der gesamten Schifffahrt Klimaschutzmaßnahmen verlangt, sollte sein politisches Amt niederlegen. Wir brauchen Politiker mit Durchsetzungskraft auch gegenüber der Wirtschaft. Eine Banane z. B. würde nur ein bis zwei Cent mehr kosten, wenn die Kosten der Umrüstung der Schiffsmotoren auf die transportierte Ware umgelegt würden, wobei der reduzierte Energiebedarf moderner, sauberer Motoren noch nicht einmal berücksichtigt ist. Es kann und muss viel mehr getan werden, als fragwürdige Fahrverbotsschilder aufzustellen und vielleicht mal ein Fahrrad zu benutzen.

Gerd Simon, Hamfelde