Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. Februar 2019

Ungleiche Gerichtsbarkeit

25. Februar: Päpstlicher Paukenschlag bleibt aus – Franziskus enttäuscht in seiner Abschlussrede bei der Anti-Missbrauchskonferenz im Vatikan mit vagen Absichtserklärungen

Ich bin Christ, aber nicht Katholik, und schäme mich dermaßen wegen des lässigen Umgangs mit Missbrauchsopfern durch die Kirchenfürsten und leider auch den Papst. Jeder Missbrauch ist Mord an der Kinderseele. Wieso werden diese Täter nur von einem Bistum zum nächsten Bistum versetzt und können dort im schlimmsten Fall weiter praktizieren? Ein Priester, der missbraucht, ein Bischof, der vertuscht, können niemals in der Kirche weiter tätig sein. Ein Missbrauch landet normalerweise vor Gericht und endet meistens auch mit einer Gefängnisstrafe. Sehr geehrte Frau Barley, erklären Sie mir als Justizministerin, wieso für den gleichen Missbrauch im Sportverein mit strafrechtlicher Verfolgung zu rechnen ist, man jedoch im ­katholischen Umfeld vor dem Gesetz ­sicher ist.

Volker Schlesiger

Doch kein Reform-Papst

Wieder hat der Papst gezeigt, dass er nicht der Reformer der katholischen Kirche ist, als der er zu Beginn seiner Amtszeit gesehen wurde. Seine Aussagen sind viel zu nebulös, es steckt kein erkennbarer Neubeginn dahinter. Zölibat, Homosexualität, Frauen in kirchlichen Ämtern? Wird nicht angesprochen: Die Lehren des frühen Mittelalters bleiben! Auch seine Äußerungen zu Abtreibungen sind nicht hinnehmbar. Wettert er auch gegen Entwicklung, Herstellung und Verkauf von Kriegswaffen und gegen Soldaten, die diese zum Töten bestehenden Lebens einsetzen? Der Papst ist nur ein Mensch, der von anderen Menschen gewählt wurde, und sollte versuchen, in der heutigen Zeit anzukommen.

Hellmut Bein

Die Gebühren teilen

26. Februar: Aufregung in Hamburg: Wer soll beim Hauskauf den Makler bezahlen? – Nein zum Bestellerprinzip: Immobilienverband stellt sich gegen neuen Gesetzentwurf von SPD-Ministerin Barley

Eigentlich sollte ich als Betreiber eines Immobilienportals (wir unterstützen Verkäufer und Vermieter, die selbst und ohne Makler aktiv werden möchten), Hurra schreien. Aber ich möchte gute Makler, die es eben auch gibt, nicht verteufeln. Dieses Vorpreschen der Ministerin Barley ist mal wieder typisch SPD auf Stimmenfang. Die Verkäufer (die bösen Reichen) sollen künftig die Maklergebühren tragen und die armen Käufer (die armen Armen) sollen entlastet werden. Aber die Verkäufer sind längst nicht immer reich und die Käufer nicht immer arm. Wie oft wird eine eigene Immobilie aus der Not heraus verkauft wegen plötzlicher finanzieller Schieflage, Scheidung, beruflich notwendigem Umzug. Hohe Kosten entstehen dem Verkäufer dabei zusätzlich, wie zum Beispiel durch die Vorfälligkeitsentschädigung bei den Banken. Und die Käufer sind auch nicht immer arm, sondern wollen ihr Geld in Immobilien als sichere Kapitalanlage anlegen. Davon unabhängig erreicht Ministerin Barleys Plan das Gegenteil dessen, was sie vorgibt: Die Verkäufer schlagen die Maklercourtage einfach auf den Kaufpreis drauf, sodass die Gesamtkosten für den Käufer dank höherer Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer und Notar) sogar noch steigen. Hut ab, SPD, für die tolle Rolle rückwärts! Gerecht wäre eine Gebührenteilung, weil der Makler für beide Seiten Leistung erbringt, und eine Deckelung der Gebühren wie in ­Österreich auf maximal vier Prozent.

Hendrik Richter, Glinde

Nach Stunden bezahlen

Warum müssen Makler ihr Einkommen in Form von Provisionen verdienen? Wie wäre es denn mit einem Stundensatz: Jeder, der den Makler nutzt, ob Käufer oder Verkäufer, bezahlt ein Stundenhonorar nach jeweiligem Aufwand. Nur so kann glaubhaft und nachvollziehbar die wirklich stattgefundene Leistung dargestellt werden.

Christiane Möller, Aumühle

Märchenhafte Hilfsgründe

25. Februar: Die venezolanische Tragödie – Ein Tag der Hoffnung endet mit Tränengas, Steinen und Blut. Präsident Maduro riegelt sein Land ab.

Ein Juan Guaidó (selbst ernannter Übergangspräsident, Anm. d. Red.) findet sich überall. Mit den in Venezuela angelegten Kriterien könnte man auch Interventionen in Dutzenden anderen Ländern rechtfertigen. Wer glaubt denn an dieses Märchen, dass es ausgerechnet den USA und dem US-hörigen Bananen- und Kokainregime in Kolumbien um Demokratie und Hilfe für die notleidenden Menschen in Venezuela geht! Venezuela sitzt bekanntlich auf den größten Erdölvorkommen der Erde, kann diese aber wegen des seit zwei Jahrzehnten unerklärten Wirtschaftskrieges durch die USA nicht wirklich nutzen. Das spielt leider in der Berichterstattung kaum eine Rolle, weil die eigentlichen Beweggründe für diesen Eingriff in die Souveränität Venezuelas und die Ursachen für das innenpolitische Chaos verschwiegen werden sollen. Betrüblich, dass sich nicht nur Frau Merkel, sondern auch Herr Maas und die mitregierende SPD zur Unterstützung einer solchen „humanitären“ Intervention hinreißen lassen.

Rudi Christian

Realistisch statt ambitioniert

26. Februar: Kerstan will mehr CO2 einsparen – Grüner Umweltsenator möchte im neuen Klimaplan ehrgeizigere Ziele für Hamburg festschreiben als bisher

Herr Kerstan sollte den Artikel im Abendblatt über die Zufriedenheit mit realistischen Zielen lesen, statt „ehrgeizigere“ Ziele zu fordern. „Ehrgeizig“ oder auch „ambitioniert“ sind nur Worte für unerreichbare Ziele. Sie dienen dem Wettbewerb beim Nennen von Prozentzahlen. Und ob der Hamburger Anteil statt 50 nun 55 Prozent beträgt, ist angesichts der Messgenauigkeit und der globalen Schwankungen für das Ziel „plus zwei Grad“ nicht unterscheidbar. Nun ja, wenn’s nicht klappt, ist der Umweltsenator längst in Pension.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold