Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. Februar 2019

Kapitulation des Sozialstaates

13. Februar: Weil der HVV nicht fährt: Hamburg bekommt den ersten Bürgerbus

Mit dem Bürgerbus hisst der Sozialstaat doch die weiße Fahne. Weil dem HVV die Anbindung nicht profitabel genug ist, sollen jetzt unbezahlte Busfahrer den Job erledigen und das Ganze wird dann auch noch als „soziales“ Projekt bezeichnet, mit Löhnen, die noch unter Dumping-Löhnen liegen.

Jürgen Jeschke, Norderstedt

Mehr Freizeit für deutsche Politiker

12. Februar: Donald Trumps Achillesfersensporn. Die Terminkalender des US-Präsidenten sind auffallend leer – vielleicht weil er lieber mit dem Handy spielt?

Danke für Ihre launige Kolumne. Für den einen oder anderen deutschen Politiker würde ich mir etwas mehr Freizeit wünschen. Gelegentlich kommt es mir vor, als müssten unsere Politiker ständig Gesetze oder deren Änderung beschließen – auch für Dinge die einwandfrei funktionieren.

Henner Menz

Das Wohl der Tiere nicht vergessen

12. Februar: Tierheim – Politik fordert Aufklärung. Grüne verlangen Konsequenzen

Bei all der (berechtigten) Kritik an Frau Sandra Gulla und den im Raum stehenden Vorwürfen darf sich die Affäre nicht zu Lasten der Tiere auswirken, die auf Vermittlung warten. Im April vergangenen Jahres habe ich im neuen Katzenhaus eine wunderbare Katzenseniorin adoptiert, um die sich während ihrer Heimzeit fürsorglich gekümmert wurde. Meine alte Dame hat eine umfassende medizinische Versorgung erhalten, für die ihre ehemaligen Halter anscheinend nicht aufkommen wollten. Wilma war ein Fundtier. In regelmäßigen Abständen bringe ich Futter- und Sachspenden für die Katzen vorbei und meine Anerkennung gilt allen HTV-Mitarbeitern, freiwilligen Helfern und Ehrenamtlichen in den Tierhäusern, der Tierschutzberatung, dem Tierrettungsdienst und in der Verwaltung, die sich frei von Profilierungssucht und persönlichen Befindlichkeiten dem Wohlergehen der Wild- und Haustiere verschreiben. Ich appelliere an alle Interessenten zwischen den teils verunsichernden Berichten und den Bedürfnissen der Tierheimtiere nach einem Für-Immer-Zuhause zu differenzieren.

Frederike Toepfer, Hamburg

Erste Hilfe für junge Eltern

11. Februar: Kinderklinik erweitert Notaufnahme. AKK in Ottensen will Neubau mit zehn Einzelzimmern am 4. April eröffnen. Vorteile für Kurzzeit-Patienten

Die Einrichtung dieser Station ist sicherlich sehr löblich. Aber muss es denn immer so weit kommen, dass die kleinen Patienten gleich in die Klinik kommen müssen? Sollte man nicht lieber einmal präventive Maßnahmen ergreifen und entsprechende Kurse nach dem Motto „Erste Hilfe für junge Eltern“ anbieten, um damit den Eltern mehr Sicherheit zur Selbsthilfe anzubieten? Das würde doch bestimmt dazu beitragen, den Stress für alle zu reduzieren. Gerade junge Eltern fühlen sich oft unsicher und überfordert und wären für professionelle Unterstützung dankbar. Ich habe viele Jahre in der Kinderklinik gearbeitet und die Sorgen und Unsicherheit der Eltern erfahren.

Ilonka Ressler

Kirchengehälter bezahlt der Staat

11. Februar: Propst Melzer: Staat verdient gut an der Kirchensteuer

Wenn Herr Melzer meint, dass der Staat an der Kirchensteuer „gut verdiene“, so möge er doch seinen Schäfchen reinen Wein einschenken und auch darauf hinweisen, dass der Staat über 432 Millionen Euro pro Jahr für Kirchengehälter ausgibt und diese nicht, wie man annehmen könnte, aus Kirchensteuermitteln bezahlt werden.

Klaus Mairhöfer, Bargteheide

Neubeginn durch Neuwahlen

9./10. Februar: ,Wir wollen Frieden für die Handelskammer‘. Übergangspräses André Mücke erklärt im Abendblatt, was er in den kommenden Monaten am Adolphsplatz verändern und bewegen möchte

Allein die „Kammerrebellen“, inklusive Herrn Mücke, haben dieses Chaos angerichtet und haben hunderten von Mitarbeitern große Unsicherheit gebracht und dem äußeren Erscheinungsbild der Kammer, ein Pfeiler Hamburgischen Selbstverständnisses, massiv geschadet. Das Ganze kommt mir vor wie ein kleiner Brexit. Außerdem sollten die Kammergeschäfte wieder in der Kammer stattfinden und nicht öffentlich auf dem Adolphsplatz. Die „Rebellen“ sollten so viel Anstand haben, die Konsequenzen aus ihrer nachgewiesenen Unfähigkeit zu ziehen und zurücktreten, damit durch vorgezogene Neuwahlen die Chance zu einem Neubeginn geschaffen wird.

Thomas Schwieger, Hamburg

Verdruss durch Bus-Zuschlag

8. Februar: Schwarzfahren ist zu einfach. Hamburg muss über neues Kontrollsystem nachdenken

Der Kommentar trifft es genau. Zur unnötigen Kompliziertheit des HVV-Systems und zu nicht geringem Verdruss trägt obendrein nach wie vor der in den 70er-Jahren eingeführte, heute nicht mehr nachvollziehbare sogenannte „Erste-Klasse“-Zuschlag für manche Buslinien bei. Er lässt Besucher regelmäßig den Kopf schütteln, und ich kenne ihn von keiner anderen Stadt in Deutschland. Beispiel Friedensallee: Dort fährt maximal dreimal die Stunde die Linie 283 (ohne Zuschlag), alle zehn Minuten aber der 37er (selber Fahrzeugtyp, bis Bahnhof Altona zwei Haltestellen weniger, mit Zuschlag von 2,10 Euro pro Fahrt). Die Monatskarte verteuert der „Schnellbus“ um satte 44,40 Euro, das sind pro Jahr 532,80 Euro. Dass er nach wie vor erhoben wird, ist für Menschen, die an einer Linie wie der 37 wohnen, ein unfassbares Dauerärgernis.

Thomas Führer, Hamburg