Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Februar 2019

Willkommen im Kreis der Meckerer

9./10. Februar: Die Elbphilharmonie kriegt auf die Ohren. Experten und Musiker erneuern in der „FAZ“ ihre Kritik an der Arbeit des Akustikers Yasuhisa Toyota

Ich habe Abos für die Konzerte des NDR und der Philharmoniker von Anfang an. Die Freude über und auf die Konzerte ist immer groß. Positive Kommentare gab es weltweit. Von den Besuchern – auch die hinter dem Orchester saßen – war begeisterter Beifall zu hören. Nun gab es Kritik an der Gesangsaufführung von Herrn Kaufmann. Berechtigt oder nicht? Warum der Münchner Akustiker Karlheinz Müller sich jetzt auch daran beteiligt, sollte jedem klar sein. Er hat den Auftrag nicht erhalten. Gewisse Besucher und die Presse freuen sich: schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Willkommen im Kreis der Meckerer.

Jörg Heinrichs, Buchholz

Kurze, aber treffende Analyse

9./10. Februar: Konfuzius sagt ... Eine Airline stürzt ab, ein deutsch-französisches Bahnprojekt wird verboten. Und was macht China?

Das ist eine kurze, aber treffende Analyse der deutschen wirtschaftspolitischen Situation. Verpasste Chancen, verzögert durch Bedenkenträger, Lobbyisten oder halbherzige Förderung, das Verpassen der lebenswichtigen Reform Europas zusammen mit Macron – etwa , weil es dem deutschen Sparer an den Kragen gehen könnte. Wenn Europa dann durch Kleinstaaterei in den Niedergang gerät, werden sich China und Russland die Schwächsten als Vasallen halten.

Ernst Holtmann, Hamburg

Ein Gefühl der Gemeinsamkeit

7. Februar: Demokratischer Patriotismus

Die wegweisende Rede des Bundespräsidenten zur Eröffnung der Weimarer Nationalversammlung belebt dankenswerterweise Erkenntnisse, die schon Helmut Schmidt zur Gründung der Deutschen Nationalstiftung veranlassten: Demokratie braucht wie vor 100 Jahren nicht nur die Freiheit zur Verfolgung individueller Interessen und den Mut, sich nach Kant des eigenen Verstandes zu bedienen – mit der Verpflichtung, sich mit den Positionen anderer Menschen und auch Parteien inhaltlich auseinanderzusetzen und es sich nicht hinter pauschaler Abgrenzung bequem zu machen. Demokratie braucht über diese Vernunftsebene, Sozialleistungen und den rationalen Verfassungspatriotismus hinaus auch Emotion und ein Gefühl der Gemeinsamkeit über alle inhaltlichen Differenzen hinaus. Ohne Empathie und, ja, Liebe, gibt es im Sinne Ernest Renans ein „tägliches Plebiszit“ über die Zugehörigkeit weder zur eigenen Nation noch zu Europa. Demokratie braucht Patriotismus.

Dirk Reimers, Staatsrat a.D.

Vorstandsbevollmächtigter der Deutschen Nationalstiftung

Glück für Fiete Arp

8. Februar: Die Akte Arp. HSV-Stürmer hat bereits im Juli bei Bayern München unterschrieben. Ablöse könnte auf fünf Millionen steigen

Über den jungen Spieler wird sich jetzt wohl eine dunkle Wolke von (Fan-)Frust entladen, wofür er viel Standvermögen brauchen wird. Wer nun aber mitmischt im Chor derjenigen, die dem 19-Jährigen Fiete Arp „Verrat“ am Verein und Schlimmeres vorwerfen, möge sich fragen, ob er in diesem Alter und in dieser Situation imstande gewesen wäre, dem „unmoralischen Angebot“ zu widerstehen. Den besonderen Gesetzen des Fußball-Kapitalismus bei Transfers mit den Einflussnahmen von Beratern und der Übermacht dieses übernehmenden Vereins zu widerstreben, kommt einer Herkules-Aufgabe gleich. Ob Fiete Arp überhaupt die Klasse hat, in der bayerischen Allianz-Arena zu bestehen, wird sich erst noch erweisen müssen. Schon ganz andere Spieler sind dort auf der Bank verhungert, kamen zu geringem Spieleinsatz und resignierten. Das ist ihm nicht zu wünschen. Zu wünschen aber wäre gewesen, dass man mit dem Wechsel offener umgeht. So wird womöglich die „verheimlichte Unterschrift“ vor einem halben Jahr zum eigentlichen Skandalon mit der entsprechenden Häme. Schließen wir uns ihr nicht an, wünschen wir dem Jungen Glück, und wenn’s mit den Lederhosen nicht klappt, darf er gern wieder mit den Rothosen im Volkspark stürmen.

Norbert Richter, Henstedt-Ulzburg

Es fehlt an Personal

8. Februar: Schwarzfahren ist zu einfach. Hamburg muss über neues Kontrollsystem nachdenken

Kinderfahrscheine gelten vom sechsten bis 14. Lebensjahr, es muss also erst ab 15 Jahren bei Einzelkarten der Erwachsenenfahrschein gelöst werden. Die zum Beispiel in London oder Paris vorhandenen geschlossenen Systeme sind bei Einrichtung und im Betrieb sehr aufwändig und vor allem nicht barrierefrei. Es müsste dann an jedem Zu- und Abgang Personal vor Ort sein, um Fahrgästen mit Kinderwagen oder Rollstuhl die Durchfahrt zu ermöglichen. Es fehlt aber heute schon bei den Verkehrsbetrieben Personal für die Betriebsdurchführung. Nicht durchführbar erscheint mir eine Zu- und Abgangskontrolle am Hamburger Hauptbahnhof, wo täglich 550.000 Fahrgäste ein-, aus- und umsteigen und am selben Bahnsteig, außer bei der S-Bahn, Nahverkehrszüge und Fernzüge abfahren und ankommen. Das Prüfpersonal sollte aber verstärkt werden, damit erhöht man auch das Sicherheitsempfinden aller Fahrgäste.

Rolf Mansfeld