Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Februar 2019

Reisende in Geiselhaft

5. Februar: Flughafenstreik trifft 50.000 Passagiere

Das hat mit Demokratie, sprich Streikrecht, nichts mehr zu tun. Hier werden willkürlich Reisende in Geiselhaft genommen. Das nur, weil sich eine Gewerkschaft profilieren will. Streik ja, aber bitte in einem angemessenen Zeitrahmen. Es wird in Deutschland so viel verdient, dass man nicht über Nacht mit der Brechstange vorgehen muss.

Alexander Thom

Fliegen wird zum Glücksspiel

Piloten, Flugbegleiter, Fluglotsen, Sicherheitspersonal, Bodenpersonal und nun auch noch das Gepäckpersonal, alle streiken um die Wette. Fliegen wird zum Glücksspiel. Inzwischen kennt sicher jeder jemanden, der wegen eines Streik am Boden geblieben und genervt ist. Bin gespannt, wann es eine App gibt, die neben günstigen Flügen zu bestimmten Zeiten auch mögliche Streikzeiten berücksichtigt, wird bestimmt ein Renner.

Peter Ludewig, Ahrensburg

Das Streikrecht ist ungerecht

Mal wieder hat es die Gewerkschaft Ver.di am heutigen Tage geschafft, den Hamburger Flughafen lahmzulegen. Tausende Reisende haben Termine verpasst, konnten ihren Urlaub nicht antreten oder kamen im günstigsten Fall ohne Gepäck oder zu spät an ihrem Zielort an.

Ich bin grundsätzlich ein großer Befürworter des Streikrechts. Wir brauchen ein ausgewogenes und gerechtes Streikrecht, um die Gesellschaft ein wenig gerechter zu gestalten. So, wie aber jetzt das Streikrecht häufig eingesetzt wird, schadet es nur der Allgemeinheit und nutzt einigen wenigen Berufsgruppen, die an neuralgischen Punkten arbeiten. Wen würde so ein Warnstreik interessieren, wenn in der Flughafenverwaltung gestreikt würde? Ganz nebenbei wird mit den ständigen Streiks der Standort nachdrücklich geschädigt. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Luftfahrt geht nachhaltig verloren.

Christian Horn

Lebenslanges Lernen in der Pflege

29. Februar: Rezepte gegen den Pflegenotstand

Man kann nicht sagen, dass sich Jens Spahn und seine Ministerkollegen keine Mühe geben. Man nimmt Ihnen ab, dass sie es ernst meinen mit den Reformen in der Pflege. Selten ist aber leider von der Qualität der pflegerischen Ausbildung die Rede und damit meine ich das (berufs-)lebenslange Lernen. Eine gut ausgebildete Pflegekraft hat ein besseres Standing in ihrem Job, ein besseres Selbstbewusstsein. Sie hat gelernt, ihre Ressourcen zu schonen und zielgerichtet einzusetzen. Im Idealfall, was der Normalfall sein sollte, erhält sie von ihrem Arbeitgeber regelmäßige Fort- und Weiterbildung mit einem speziellen Focus auf der Selbstpflege. Wenn ich, wie es bei meinem Arbeitgeber der Fall ist, lerne, wie ich Patienten aktiviere, dass sie mit helfen bei Transfers und Positionierung, schone ich meine körperlichen Ressourcen und fördere den Patienten. Anerkennung erhalten wir häufig von Patienten und Angehörigen auf der geriatrischen Sation, auf der ich arbeite, aber selten so schön, wie in dem folgenden Brief einer Patientin, die drei Wochen auf unserer Station verbrachte:

Liebes Pflegepersonal!

Ich möchte mich herzlich bei Ihnen bedanken für die professionelle Pflege. Ich habe mich von Ihnen sehr liebevoll und wertschätzend behandelt gefühlt. Diese gute Behandlung hat sehr zu meiner schnellen Genesung beigetragen. Mir und meiner Familie ist klar geworden, was Sie für eine anspruchsvolle Arbeit zu leisten haben. Wir wissen das sehr zu schätzen. Wir wünschen Ihnen bessere Rahmenbedingungen, ein angemessenes Gehalt, mehr Zeit für Ihre Patienten und ganz viel Kraft und Geduld.

Herzlichst...

Annika Stawe, Quickborn

Todessehnsucht in Hamburg?

2. Februar: Schon fünf Fußgänger seit Jahresbeginn getötet. Pärchen auf der Amsinckstraße von Auto erfasst. Die Polizei spricht von einer dramatischen Häufung

Seit vier Jahren wohnen mein Mann und ich im wunderschönen Hamburg. Wir sind schon viel umgezogen, Düsseldorf, Kassel, München... Überall haben wir alle Verkehrsmittel genutzt: Wir waren zu Fuß unterwegs, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad und dem Auto. Was uns hier im Vergleich zu den anderen Städten als ungewöhnlich auffällt, ist die „Todessehnsucht“, um es mal ganz sarkastisch auszudrücken. Fußgänger, die in aller Gemütlichkeit bei Rot über eine befahrene Straße schlendern, Fahrradfahrer, die ohne Licht mit einer Affengeschwindigkeit, zwar auf dem Radweg, aber dennoch rücksichtslos an Fußgängern vorbeirasen und regelmäßig bei Rot über stark befahrene Straßen fahren. Alle Achtung. Leben viele Hamburger nach dem Prinzip „No risk, no fun?“. Oder haben sie Angst, etwas zu verpassen, wenn sie geduldig 130 Sekunden an einer Ampel warten müssen oder gemächlicher in kritischen Zonen fahren und dadurch vielleicht vier Minuten später am Ziel ankommen?

Karin Michel, Hamburg

Barer Unsinn

4. Februar: ,Die Bürger wollen in Freiheit leben‘. Verkehrsminister Andreas Scheuer ruft die Kommunen zum Widerstand gegen Fahrverbote auf

Verkehrsminister Scheuer sagt in diesem Interview, dass die Zielvorgaben bei den Grenzwerten so hart sind, dass sie technisch kaum noch umzusetzen sind. Diese Grenzwerte wurden aber bereits 1999 beschlossen. Warum, so frage ich mich, hat die Autoindustrie nicht bereits vor Jahren darauf mit einem Aufschrei reagiert, dass sie nicht in der Lage ist, diese Vorgaben technisch zu erfüllen? Ungeachtet der Diskussion über die Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung in jedem Fall sinnvoll und hat nichts mit der Freiheit für Bürger zu tun. Die Meinung des Ministers ein Tempolimit sei „gegen jeden Menschenverstand“ ist barer Unsinn.

Ekkehard Below