Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Januar 2019

Soziales Engagement im Urlaub

28. Januar: Dieter Zetsche wird pro Tag 4250 Euro Ruhegeld erhalten. 2021 könnte er in den Aufsichtsrat rücken

Auch an diesem Beispiel wird mal wieder deutlich, wie die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Dazu noch reich belohnt für geplanten Betrug am Kunden. Nach 50jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit im meiner Kirchengemeinde stelle ich immer wieder fest: „Wer arm ist, engagiert sich ehrenamtlich, wer reich ist, geht in den Aufsichtsrat.“ Wie wäre es denn, wenn Herr Zetsche und andere Großverdiener mal eine Woche lang vollen Dienst in einer Einrichtung für Bedürftige oder anderen sozialen Einrichtung tun würden – vielleicht im Urlaub – um das Leben auf der anderen Seite der Schere kennenzulernen?

Reinhard Tetzlaff, Hamburg-Niendorf

Danke für noch mehr Lärm

28. Januar: Tschentscher wirbt in Dubai für Direktflug nach New York

Schön, dass sich der SPD-Bürgermeister Tschentscher selbst in Dubai für mehr Flüge von Hamburg einsetzt. Die vielen lärmgeplagten Einwohner der Stadt werden es ihm danken. Ein profitabler Flughafen ist halt wichtiger, als das Wohl der Bürger.

Matthias Christen

Steuergelder sinnlos verpulvern

26./27. Januar: Nichts ist doofer als Hannover. Die Stadtverwaltung will nun „gendern“ – die Politik spricht nicht mehr die Sprache der Menschen

Da brennt überall die Welt und den Politikern und der Stadtverwaltung in Hannover fällt nichts anderes ein, als sich mit „gendern“ zu beschäftigen. Ich mag gar nicht daran denken, wie viel hoch bezahlte Verwaltungsangestellte und Berater, die sich mit dem Thema befassen müssen, dazu beitragen, Steuergelder der Bürger sinnlos zu pulverisieren. Die Rechten werden diese Wahlkampfunterstützung zu schätzen wissen.

Uwe Iden

Konstruktive Lösungen fehlen

Ihre dieswöchige Kolumne über die Pläne der Stadtverwaltung Hannover, in Verwaltungsdokumenten gendern zu lassen, hat mich dazu motiviert, mit zwanzig Jahren das erste Mal einen Leserbrief zu schreiben, da ich von Ihren Ausführungen sehr negativ überrascht wurde. Normalerweise schreiben Sie klar auf den Punkt argumentierte Stellungnahmen zu politischen Themen, die Radikalismus und Populismus aus linkem und rechtem Spektrum verurteilen und auf konstruktive Lösungen verweisen. Diese Leitlinie vermisse ich diesmal. Weder versuchen Sie, auf mögliche Gegenargumente zu Ihrer Position einzugehen, noch haben Ihre eigenen hinreichende Belege, die über persönliches Missfallen der Änderungen hinausgehen.

Ebenso enttäuscht bin ich von Ihrem Kommentar, dass die geschlechtergerechte Sprache von „übermotivierten Genderaktivisten“ propagiert werde. Nimmt man sich den Genderstern als Beispiel, dient dieser schließlich der Inklusion Transsexueller. Würden diese sich ebenfalls mehrheitlich gegen eine solche Maßnahme aussprechen, könnte ich Ihre Ansicht verstehen, aber in der konkreten Situation finde ich es anmaßend, dass Sie das Wort der transsexuellen Minderheit in dieser Sache nicht für gewichtiger erachten als Ihr eigenes. Der Punkt, dass dies nur den Rechtspopulisten nütze, greift hier ebenfalls zu kurz. Hätte mit diesem Argument auch die „Ehe für alle“ oder das Grundrecht auf Asyl abgewiesen werden sollen? Natürlich hat der linksliberale Teil der Gesellschaft Schwierigkeiten, seine Positionen dem „durchschnittlichen Bürger“ zu vermitteln (und agiert bisweilen auch zu arrogant und selbstgerecht). Aber wenn wir aus taktischem Kalkül bestimmte Reformen nicht tätigen, da die Rechtspopulisten davon profitieren können, dann haben diese schon endgültig mit ihrer Verschiebung des Diskurses gewonnen.

Moritz Mucke

Viel zu lange Schulwege

26./27.Januar: Im Auto zur Schule – alles Helikopter-Eltern?

Leider ist auch die Schulpolitik ein Grund: Kleine wohnortnahe Schulen wurden geschlossen (z.B. Lienaustraße) und auf weniger Schulen mit immer größeren Einzugsgebieten konzentriert. Diese liegen dann auch noch weiter entfernt von Buslinien (z.B. Hasenweg), so dass bereits Erstklässlern Schulwege von mehreren Kilometern zugemutet werden. Dazu die chaotische Radwegsituation. Da ist ein Shuttle mit dem SUV vorprogrammiert. Rot-grüne Politik, die nicht zu Ende gedacht ist.

Günther Losse, Hamburg

Enttäuschte Zuschauer

25. Januar: Handball is coming home. Der Sport hat in Hamburg große Tradition. Das WM-Halbfinale in der Barclaycard Arena soll sie neu beleben

Diese unglaubliche Euphorie beim Spiel der Deutsche Handballmannschaft hatte alle „Sportlerherzen“ in den vergangenen 14 Tagen erreicht, jedes Spiel ein Krimi und nichts für schwache Nerven. Handball als „Randsportart“ hat an Aufmerksamkeit in allen Medien mehr verdient. Das Spiel um Platz 3 und 4 wurde zwar im TV übertragen, aber warum das Endspiel zwischen Dänemark und Norwegen nicht gezeigt wurde, bleibt ein Geheimnis der Öffentlich-rechtlichen und ist eine „Ohrfeige“ für die begeisterten Zuschauer.

Gert-Rüdiger Wüstney, Hamburg

Übertriebenes Angebot

28. Januar: Bürgermeister will feiern. Peter Tschentscher lädt den HSV bei Aufstieg auf den Rathausbalkon ein

HSV und St. Pauli sei der Aufstieg in die erste Bundesliga gegönnt, aber eine Bejubelung auf dem Balkon des Rathauses halte ich für übertrieben und peinlich. Das sollte, wenn überhaupt, dem Ersten der Ersten vorbehalten bleiben.

Rolf Tonner