Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. Januar 2019

Toll, endlich sind alle gemeint

26./27. Januar: Nichts ist doofer als Hannover. Die Stadtverwaltung will nun „gendern“ – die Politik spricht nicht mehr die Sprache der Menschen

Es ist schon merkwürdig wie immer noch versucht wird, Neuerungen zu verteufeln. Warum hört man und frau nicht ein Aufjubeln und Rufen: Toll, alle sollen gemeint sein und was noch wichtiger ist, alle sollen genannt werden. Aber nein, es werden ohne Bedenken die altbewährten Herrschaftstechniken rausgekramt und munter drauflos gedroschen. Kein einziges stichhaltiges Argument dagegen. Und selbst die AfD muss für die eigene Ablehnung herhalten. Politikverdrossenheit weil es jetzt „erziehungsberechtigte Person“ heißt? Was ist so schlimm daran, wenn es jetzt nicht mehr heißt, keiner oder keine hat Schuld, sondern niemand, wenn nicht jemand ganz Konkretes gemeint ist? Aber wie wäre es, wenn wir die nächsten 2000 Jahre ausschließlich die weibliche Form benutzen? Herr Iken wäre dann eine Redakteurin, es gäbe nur ein Lehrerinnenzimmer, alle wären Ärztin, alle wären Kundin, Fußgängerin, Autofahrerin. Lustig, oder? Und auch nicht schlimm, Männer sind ja mitgemeint.

Linda Schlüter

Groteske Idee

Unglaublich, zu welcher Art „Nichtleistung“ Politiker oder Verwaltungsbeamte fähig sind. Schizophren ist für das, was in Hannover ausgebrütet worden ist, noch eine harmlose Bezeichnung. Die Idee ist grotesk, aberwitzig, absurd und so überflüssig wie ein Kropf. Matthias Iken hat mit seinem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen. Man kann nur hoffen, dass die eingetretene Resonanz und Reaktion die Verantwortlichen in Hannover zur Räson bringt. Für Spott ist ja schon genügend gesorgt. Nun gilt es den Schaden zu begrenzen und diesen verzapften Irrsinn zu widerrufen. Noch ist Zeit. Es sei denn, Hannover sucht einen Topplatz bei den Satirikern und Kabarettisten. Mit Vernunft hat das alles allerdings nichts zu tun.

Ulrich Kulicke

Saubere Luft für alle

24. Januar: Sind Fahrverbote gar nicht nötig? Der Mediziner-Protest gegen die europäischen Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerte heizt die Diesel-Debatte an

Rauchen ist wissenschaftlich anerkannt der wichtigste Risikofaktor für vermeidbare chronische Atemwegserkrankungen. Ebenfalls unstrittig ist, dass Luftverschmutzungen zu vermeidbaren Erkrankungen beitragen und sich Einzeleffekte (z.B. Tabakkonsum plus Luftverschmutzung) addieren. Luftverschmutzungen durch Verkehrsemissionen sind kaum vermeidbar für Menschen, die an verkehrsbelasteten Straßen wohnen. Hier setzen Grenzwerte für Emissionen an. Sie sind besonders wichtig für Menschen in belasteten Stadtteilen. Die von einer kleinen Gruppe von Lungenärzten in Zweifel gezogenen Grenzwerte zum Schutz von Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung sind auch eine politische Entscheidung im Ausgleich von Interessen – zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Autonutzenden, Zulieferern, dem Lastentransport und der Autoindustrie. Sie hatten u.a. zum Ziel, dass die Industrie die technischen Möglichkeiten nutzt, um das Risiko durch den Autoverkehr so gering wie möglich zu halten – unabhängig davon, wie hoch dieses Risiko genau ist. Dass der Grenzwert klug gewählt ist, beweist die momentane Debatte. Denn hätte die Industrie in den letzten zehn Jahren Reinigungsverfahren umgesetzt, anstatt sich im Realbetrieb um die Reinigung herum zu mogeln, würden sie heute durch Bemühungen des Senats um das Einhalten der Grenzwerte (z.B. Fahrverbote) nicht zusätzlich unter Druck geraten. Der Anteil der Hamburger Haushalte, die Zugriff auf ein eigenes Auto haben, sinkt seit Jahren und könnte bald in der Minderheit sein. Die Diskussion um das vermehrte Wohnen an Hauptstraßen und Autobahnen in einer wachsenden Stadt zeigt, dass es hier auch um eine Frage der sozialen Gerechtigkeit geht: um gleiche Chancen für saubere Luft.

Dr. Elke Jakubowski (WHO Beraterin) und Dr. Joachim Schubert

Spaß ohne Pyrotechnik

26./27. Januar: Handball ist der bessere Fußball

Sie sprechen mir aus dem Herzen. Erwähnen möchte ich noch, dass auch die Mannschaften untereinander trotz aller Härte respektvoll miteinander umgehen.

Auch Pyrotechnik und diskriminierende Plakate sowie Schmährufe hört und sieht man nicht, wie angenehm! Das Niveau der Zuschauer und Zuschauerinnen ist ebenfalls ein ganz anderes. Für das zum Einsatz kommende Sicherheitspersonal muss ein so wichtiges Handballturnier sich wie Urlaub anfühlen. Ach, wäre es doch beim Fußball genau so schön!

Wilhelm Stemm

Jeder fährt, wie er will

22. Januar: Was spricht für Tempo 130 auf Autobahnen? Und was dagegen?

Ich halte nichts von einem Tempolimit auf der Autobahn. Ich fahre auf der Autobahn ungefähr 120 bis 130 km/h und fühle mich so wohl, das heißt, dass ich eigentlich gar nicht betroffen wäre. Aber ich bin nicht das Maß aller Dinge und deswegen müssen nicht alle anderen gegängelt bzw. bevormundet werden. Ich habe – bei knapp 45.000 Kilometern pro Jahr – kaum jemals Probleme mit den schnellen Kollegen auf der Autobahn.

Joachim G. W. Willers, Ellerau