Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. Januar 2019

Welch ein Wertemaßstab

24. Januar: Stones-Freikarten: Ex-Bezirkschefin angeklagt

Die große Steuervermeidung der internationalen Konzerne war es Ihnen wert, einen Bericht am 23. Januar auf Seite neun zu bringen. Die Annahme von 336,80 Euro beim Stones-Konzert hat es am 24. Januar zu einer großen Schlagzeile mit Foto auf die Seite eins gebracht. Welch ein Wertemaßstab. Haben Sie denn gar nichts aus der Affäre der Presse um unseren ehemaligen Bundespräsidenten Wulff gelernt? Auch so entsteht Demokratieverdrossenheit.

Bruno Helms

Verfahren schneller bearbeiten

Es ist schon peinlich, dass eine sonst bedeutungslose Senatorin gegen einen herausragenden Arzt in den Krieg zieht. Ein weitere Unverhältnismäßigkeit wird dem Bürger im Umgang mit dem Stones-Konzert gezeigt. Was meint man, wozu die Logen im Volksparkstadion und in der Barclay-Arena genutzt werden, wenn nicht dazu, Leute einzuladen? Es ist doch absurd, dass ein Eingeladener seinen Geldbeutel zücken muss, um nicht Gefahr zu laufen, wegen Bestechlichkeit belangt zu werden. Den Höhepunkt bietet der Umweltminister, der gegen besseren Wissens auf Fahrverboten besteht, obwohl die Wissenschaft die Grenzwerte für absurd hält und die Messstationen wissentlich falsch gesetzt sind. Er selbst atmet durch seinen Adventskranz vier Wochen lang mehr Schadstoffe ein, als ein Anwohner, der auf dem Weg zur Wohnung den Fußweg der Straße nur kurzzeitig in Anspruch nimmt. Es wäre wünschenswert, wenn Senat, Gerichte und Bezirke sich wieder um wichtige Dinge kümmern und Verfahren schneller bearbeiten sowie Bauanträge nicht drei Monate liegen lassen.

Helmut Koppermann, Wedel

Dieses Ergebnis wundert nicht

24. Januar: Zahl der Feldvögel seit 1980 halbiert

Dieses Ergebnis wundert eigentlich nicht, schließlich wird seit Jahren vom Rückgang der Vögel, Säugetiere und Insekten berichtet. Jetzt ist es nur wissenschaftlich für Europa bestätigt worden. Welche Auswirkungen dieser Rückgang letztlich für uns haben wird, ist interessant: Teurere Lebensmittel, weiterer Einsatz von chemischen Mitteln in der Landwirtschaft, weitere Verunreinigung von Grundwasser, Trinkwasser, Seen und Flüssen. Unsere Kinder und Enkel werden viele Vögel nur noch aus Büchern kennen. Eine Umkehrung dieses Trends der Verarmung von Tier- und Pflanzenwelt lässt sich nur verhindern, wenn Politiker anfangen, das zu machen, was sie sagen und wofür sie gewählt wurden. Denn noch werden Agrarbetriebe nach Größe grundgefördert, dabei werden Hecken und Bäume aus der Fläche herausgerechnet, deshalb verarmt die Landschaft, denn für Großbetriebe ist diese Grundförderung interessanter als die Förderung für Wildtiermaßnahmen. Naturschutz fängt auch bei den Politikern im Umdenken an. Weg von der Lobbyarbeit der Landwirtschaftsverbände und Wirtschaft, die nur an Großbetrieben interessiert sind, hin zu einer Förderung von nachhaltigen Formen der Produktion, die Ressourcen schützt und verbessert und Lebensqualität für Mensch und Tier bietet.

Rüdiger Ramm

Innenstädte werden öder

24. Januar: Osterstraße wird mit Kameras überwacht

Mal wieder ein schöner, typischer Artikel! Als alter Eppendorfer hatte ich hier damals die Schließung von „C&A“ sowie später von „Karstadt“ doch ein wenig bedauert. „Karstadt“ gibt es immer noch in Eimsbüttel gibt, deshalb war ich die vergangenen Jahre regelmäßig dort. Nun, das war einmal. Seit diesem genialen Umbau der Osterstraße, der nur thematisch ein wenig an die Umbauten von Mühlendamm und Lange Reihe erinnert, halte ich mich da jetzt fern. Mit dem Pkw alternativ ins Kaufhausparkhaus? Geht gar nicht. Mit dem Fahrrad bei schönem Wetter in die Osterstraße? Angesichts des behördlicherseits akzeptierten Parkens in zweiter Reihe inzwischen nur etwas für Selbstmordaspiranten. Im Zentrum von Eppendorf ist der „Marie-Jonas-Platz“ autofrei, mit Tiefgarage und inzwischen fast tot, bar jeglicher urbaner Zentralität, ein bis zwei Läden stehen dauernd leer. Es ist schon traurig, wie dilettantische Politiker systematisch die Innenstädte veröden. Aber sei es drum, wer quirliges urbanes Leben sucht, fährt eben gelegentlich nach Paris! Wer beim Einkaufen auch in Hamburg Nischen sucht, der hat das Internet! Schade nur für die Geschäfte in der Osterstraße, dafür werden es die Anwohner in den kommenden Jahren ruhiger haben! Nur, die verantwortlichen Politiker sollten sich angesichts des Internets mal an die eigene Nase fassen, wenn wieder mal das Gejammer über verödete Innenstädte thematisiert wird.

Reiner Heyng

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